Brugg
Auch Häkeln, Stricken und Nähen wollen gelernt sein

Die «Herrin der Papierrosen», Ursula Schatzmann, legt ihr Amt als langjährige Lehrerin für textiles Werken nieder. Sie ist ab diesem Jahr auch nicht mehr für die Papierrosen am Jugendfest verantwortlich.

Barbara Scherer
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Nach 40 Jahren geht Ursula Schatzmann in den Ruhestand. bsc

Nach 40 Jahren geht Ursula Schatzmann in den Ruhestand. bsc

Um ihr einen gebührenden Abschluss zu gewähren, wird sie heute gross verabschiedet. «Sie hat keine Ahnung, was sie erwartet», sagt Barbara Iten, Schulleiterin der Stapfer-Primarschule. So wird Schatzmann bei sich zu Hause abgeholt mit einem kleinen Wagen mit Ladefläche. Vor der Kirche muss sie sich auf die Ladefläche setzen und wird so über den Kirchhof chauffiert. Zwischen Kindern, die mit Brugger Fähnchen Spalier stehen, wird die langjährige Lehrerin ins Lateinschulhaus gefahren. Dazu singen die Kinder das Stapferlied.

Vieles erlebt in 40 Schuljahren

In den vierzig Jahren als Lehrerin hat Ursula Schatzmann viele Veränderungen erlebt. Die wohl beste Erinnerung hat sie an den Moment, als die Buben Mitte der Achtzigerjahre ins textile Werken kamen. «Ich habe zuerst gesagt, dass ich aufhöre, wenn die Buben kommen», sagt Schatzmann und schmunzelt. Aber sie konnte der Herausforderung dann doch nicht widerstehen. Heute muss sie zugeben, dass die Buben genauso gut arbeiten wie die Mädchen. «Sie sind immer viel schneller fertig als die Mädchen und dekorieren nicht lange», sagt Schatzmann.

Auffällig sei, dass die Kinder heute nichts mehr könnten, wenn sie mit dem Unterricht beginnen würden. Die Eltern der Kinder können meistens selber nicht mehr stricken oder häkeln. «Dabei waren die alle auch mal im Handarbeitsunterricht», sagt Ursula Schatzmann. «Der Unterricht ist wohl einfach nicht nachhaltig genug.» Doch davon lässt sich Schatzmann seit Jahren nicht beirren. Es sei sehr motivierend, wenn ein Kind besser werde und Fortschritte mache.

Nicht mehr Herrin der Papierrosen

Nach 19 Jahren wird die Lehrerin dieses Jahr nicht mehr die Verantwortliche sein für die über 4000 Papierrosen. «Es ist schön, sich mal in den Unterricht zu setzen und keine Verantwortung zu tragen.» Nächstes Jahr wird sie am Strassenrand stehen und winken. «Ich schau mir dann die Papierrosen an, ob sie schön gemacht wurden», sagt Schatzmann, die sich auf ihren wohlverdienten Ruhestand freut.

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