Die Schweizer, Aargauer und Brugger Fahnen wehen leicht im Wind. Unter den Füssen knacken die Holzschnitzel, die den ganzen Platz mit ihrem Duft füllen. Immer wieder steigen andere Gerüche in die Nasen der vielen Zuschauer: Bratwürste, Magenbrot und Sägemehl, auf das alle Augen gerichtet sind: 250 Nachwuchsschwinger aus der ganzen Nordwestschweiz messen sich am Samstag im Brugger Schachen. Die jungen Schwinger treten in fünf Alterskategorien gegeneinander an.

Nachwuchsschwinger in Brugg

Die jungen Sportler werden tatkräftig angefeuert: «Du sollst tief bleiben! So aber jetzt Vollgas!» Oder einfach nur die Namen der Schwinger werden von Trainern, Eltern und Bekannten immer wieder über die vier Sägemehlringe gerufen. Dazwischen applaudieren die rund 1000 Besucher immer wieder laut einem besonders hart erkämpften Sieg. Untermalt wird das ganze durch Ländler-Musik auf dem Festareal.

Kampf im Sägemehl

Die Nachwuchsschwinger aus den Kantonen Aargau, Solothurn und den beiden Basel schenken sich nichts im Sägemehl. Kleinere werden von Grösseren manchmal hochgehoben, um sie danach auf den Rücken zu werfen, was aber nicht immer gelingt. Andere landen mit dem Kopf tief im Sägemehl. Aber ein bisschen davon in den Augen und im Mund hält die jungen Sportler nicht vom Kämpfen ab, bis sie oder der andere besiegt, oder die fünf Minuten des Gangs abgelaufen sind. Auch vom zeitweise starken Regen lassen sich die jungen Bösen nicht beirren.

«Unsere Nachwuchsschwinger sind zwischen 8 und 17 Jahre alt, die meisten zwischen 8 und 12 Jahre», sagt OK-Mitglied Ernst Meier. Danach werde es vielen Schwingern zu hart oder sie würden sich anderen Sportarten zuwenden. «Es bleiben trotzdem immer ein paar übrig, die weitermachen.»

Sport ist technischer geworden

Bei den Nachwuchsschwingern habe sich sehr viel verändert, es habe eine Professionalisierung stattgefunden. Das merke man auch schon bei den Jüngsten. «Viele fangen heute mit 8 Jahren an. Dann sind sie zwar körperlich noch Kinder, aber die Technik lernen sie von klein auf.» Früher fingen viele erst mit 17 an. «Heute merkt dem Sport an, dass er technischer geworden ist.» Dazu beigetragen habe, dass die Nachwuchsschwinger bei Jugend und Sport Abzeichen erwerben können. Dazu müssen sie bestimmte Schwünge vorzeigen, erklärt Meier. Obwohl die jungen Schwinger heute technisch versierter sind als früher, stand bei den meisten am Samstag die Freude an ihrem Sport und das Zusammensein mit Schwingerkollegen im Zentrum.

Nachwuchsschwinger in Brugg

Was fasziniert dich am Schwingen und wieso spielst du nicht Fussball?

Florian Järmann (14)
Sennhof-Remetschwil, Schwingklub Lenzburg und Umgebung:

«Schwingen ist ein Schweizer Sport. Es ist nicht so eingeengt wie Fussball. Beim Schwingen kann man richtig Gas geben im Gang und danach ist niemand eingeschnappt.»

Kevin Stadler (14)
Tennwil, Schwingklub Freiamt:

«Beim Schwingen ist man nach dem Spiel nicht auf die Mitspieler wütend, höchstens auf sich selbst. Es ist ein Einzelsport, bei dem jeder zeigen muss, was er kann und dazu ist es noch eine Tradition.»

Joël Gfeller (12)
Hettenschwil, Schwingklub Zurzach:

«Ich bin per Zufall zum Schwingen gekommen. Vor zwei Jahren habe ich anstatt einem Lego- einen Schwingkurs gemacht, seitdem bin ich dabei und habe immer Spass. Besonders gefällt mir, dass man beim Schwingen nicht nur Kraft, sondern auch Technik zum
Gewinnen braucht.»

Nico Keller (11)
Böbikon, Schwingklub Zurzach:

«Man kann zeigen, wie stark man eigentlich ist, sich gehen lassen und alles raus lassen. Aber es ist ein fairer Wettkampf, bei dem es auch Verlierer gibt. Trotzdem macht es sehr viel Spass, auch weil man immer mit seinen Freunden und Kollegen zusammen ist.»

Sämi Bachmann (15)
Seewen (SO), Schwingklub Dorneck-Thierstein-Laufental:

«Obwohl Schwingen ja eigentlich ein Kampfsport ist, hat man es gut zusammen. Man steht beim Schwingen selbst im Mittelpunkt. Ich bin eher klein und dann ist es super, wenn ich einen grossen Brocken auf den Rücken legen kann.»