Flüchtlingsströme, Gewaltübergriffe, Terroranschläge: Die Welt ist so schlecht geworden. Die Brugger Fasnacht naht trotz allem und es wird wieder ausgelassen gefeiert. Garantiert! Aber sind die Schnitzelbank- und Umzugsgruppen bei der aktuell angespannten Lage hüben und drüben besonders vorsichtig bei ihrer Themen- und Sujetwahl? Müssen die Fasnachtsveranstalter speziell drauf achten, dass die Grenzen des guten Geschmacks nicht überschritten werden?

Fasnacht für Anfänger

Der Fantasie werden grundsätzlich keine Grenzen gesetzt, sagt Hugo Schmid, Zunftmeister der Konfettispalterzunft Brugg, die für die Organisation des Fasnachtsumzugs verantwortlich zeichnet. Vor dem Start des Grossanlasses allerdings werde seit Jahren die Strecke abgeschritten, auf der sich die Teilnehmer einreihen. Bei heiklen Themen könnte auf diese Weise sofort reagiert werden. Gehandelt werden müsste, macht Schmid ein Beispiel, bei rassistischen Bemerkungen. In den letzten 40 Jahren sei es aber zu keinen Zwischenfällen gekommen. Der Zunftmeister ist zuversichtlich, dass dies auch diesmal nicht der Fall sein wird. Die Umzugsliste sei gedruckt, die Gruppen seien bekannt, die Mottos seien vertretbar.

Auf Umsetzung kommt es an

In der Regel dürfe an der Fasnacht alles thematisiert werden, solange es nicht gegen die Bundesverfassung verstosse, sagt Roger Schnyder von der Värslischmitte Brugg, die sich um die Schnitzelbank-Abende im Salzhaus kümmert. «Es gibt kein Regelbuch für die Fasnacht.» Diese soll allerdings, fügt er an, lustvoll und begeisternd sein. Diskriminierung, nennt er ein Stichwort, habe keinen Platz. Sonst aber könne auch ein heikles Thema, zu diesen zählt er Religionen und fremde Kulturen, durchaus tauglich sein, wenn es richtig umgesetzt werde und die Qualität stimme – ähnlich wie bei einer Karikatur. Der Fasnachtsumzug, ergänzt Schnyder, soll jugendfrei bleiben, weil er von Familien besucht wird. Einzelne Schnitzelbänke dagegen dürften schon einmal in den Grenzbereich fallen oder diesen gar überschreiten. «Dies gehört zur Värsli-Tradition.»

Jenseits des guten Geschmacks war für Schnitzelbänkler Peter Müller, ehemals «Dä vo Windisch», die Penis-Konfettikanone, die 2014 für Aufsehen sorgte und – «leider» – zum Brugger Umzug zugelassen wurde. In einem Vers, sagt Müller, sei der Spielraum natürlich etwas grösser, «da es ja darauf ankommt, wie etwas ausgedrückt wird». Eine Darbietung, fährt er fort, müsse vor allem witzig sein, dürfe religiöse Gefühle nicht verletzen sowie keine persönlichen oder ethnischen Verunglimpfungen enthalten. Als problematisch erachtet er Themen wie kriegerische Handlungen oder menschenverachtende Untaten – auch wenn es massgeblich auf den Zusammenhang ankomme. Eine Maskierung als IS-Kämpfer beispielsweise wäre ein absolutes No-Go und hätte an der Fasnacht nichts zu suchen.

Kein Platz für Beleidigungen

Die Kunst sei es, an die Grenze zu gehen, ohne diese zu überschreiten, pflichtet Schnitzelbänkler Jürg Baur bei, der in diesem Jahr mit den «2 der 3 vo Brugg» auftreten wird. «Wir schränken uns bei der Themenwahl nicht ein, nehmen mit viel Humor die Missgeschicke von Personen des öffentlichen Lebens oder von ganzen Gruppierungen auf die Schippe.» Je nachdem, räumt Baur ein, müsse allerdings an der Umsetzung gefeilt werden. Denn es gelte, stets den Anstand zu wahren. «Beleidigungen haben keinen Platz.» Bei ihren Nummern sei es das Ziel, fasst Baur zusammen, zuerst die Aufmerksamkeit der Zuhörer zu gewinnen und über eine unerwartete Wendung auf das letzte Wort zur Pointe zu kommen.

Das Fasnachts-Quiz

Was bedeutet der Ausdruck „Fasnacht“?

Für die Nacht des Fastens, die man ausgelassen feiert.

Die Fastnacht bezeichnet die Zeit vor der sechswöchigen Fastenzeit – und diese soll ausgelassen gefeiert werden.

Es ist ein Brauch, der dafür sorgt, dass alle bösen Geister vor Weihnachten verscheucht werden. Und damit sie nicht wiederkommen, wird dann bis zu Beginn der Osterzeit weitergefeiert.

Wann beginnt die Fastenzeit?

Die Fastenzeit beginnt am Fastnachtsdienstag.

Die Fastenzeit beginnt am Dreikönigstag.

Die Fastenzeit beginnt am Aschermittwoch.

Welchen Heiligen feiert man am 11.11.?

Am 11.11. ist der Martinstag.

Es ist der Tag des Heiligen Franziskus (von Assisi).

Am 11.11. ist der Tag des Abschiedes vom Fleisch „carne vale“, aus dem Lateinischen übersetzt bedeutet es „Fleisch lebe wohl“.

Wann beginnt die Fasnacht?

Am 11.11.

Am Fastnachtsdienstag.

Am 6.1.

Was hat es mit den Fasnachtschüechli auf sich?

Die Fasnachtschüechli sind ein Fettgebäck aus Mehl, Rahm und Zucker und sind ursprünglich eine Eigenheit der Basler Fasnacht. Mittlerweile sind sie aber in der ganzen Schweiz verbreitet.

Der Teig der Fasnachtschüechli besteht mehrheitlich aus Mehl, Rahm und Zucker. Der Fasnachtsbrauch sagt, dass vor der Fastenzeit alle Lebensmittel, die nicht „fastentauglich“ sind, aufgegessen werden müssen.

Es ist ein Fettgebäck, das besonders bekömmlich und nährhaft ist. Wegen dem hohen Fettanteil eignet es sich gut für die Fasnachtszeit, weil man in der winterlichen Kälte lange draussen feiert.

Aus welcher Fasnachtsregion stammt die Mehlsuppe?

Aus der Fasnacht-Hochburg Basel.

Die Mehlsuppe ist eine gesamtschweizerische Fasnachtstradition.

Wer hat‘s erfunden? – Natürlich die Aargauer.

Von wann bis wann dauert der Höhepunkt der Fasnacht üblicherweise?

Die Fasnacht beginnt am 11.11. und hört am „schmotzigen Donnerstag“ auf.

Die Fasnacht beginnt am „schmotzigen Donnerstag“ und endet mit dem Aschermittwoch.

Die Fasnacht beginnt am Dreikönigstag. Höhepunkt ist der „schmotzige Donnerstag“ und am Aschermittwoch nachts um 12 Uhr endet die Fasnachtszeit.

Warum heisst der "schmotzige Donnerstag" eigentlich so?

Es ist der schmutzige - im Sinne von - nicht saubere Donnerstag.

Der „schmotzige Donnerstag“ ist der letzte Tag, an dem man nochmal schlemmen kann.

An diesem Tag schmiert man sich dunkle Farbe ins Gesicht, um schmutzig zu sein.

Wofür steht der Aschermittwoch?

An diesem Tag wird vielerorts ein Feuer oder ein Bögg angezündet. Wegen der vielen Asche, hat der Tag auch seinen Namen bekommen

Am Tag der Asche beginnt die 40-tägige Fastenzeit.

Am Tag der Asche ist die Fastenzeit endlich vorüber.

Wie beginnt die Luzerner Fasnacht?

Mit dem Urknall am „schmotzigen Donnerstag“.

Mit dem Morgenstreich am „schmotzigen Donnerstag“.

Mit dem offiziellen Umzug am „schmotzigen Donnerstag“.

Welcher Brauch gehört traditionell zur Badener Fasnacht?

In Baden werden die Geister ausgegeiselt.

In Baden wird der „Füdlibürger“ auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

In Baden gibt es ein traditionelles Strohfeuer.

Was bedeutet „Hilari“?

Hilari heisst heiter oder fröhlich.

Lachen ist gesund.

Oh Freude, es ist Fasnachtszeit.

In welcher Stadt gehört die Orangenschlacht zur traditionellen Fasnachtseröffnung?

Solothurn.

Aarau.

Luzern.

Wo wird an der Fasnacht „chesslet“?

Basel.

Solothurn.

Aarau.

Was trägt man an der Solothurner „Chesslete“?

Ein weisses Hemd und ein rotes Halstuch, das vorne geknöpft wird.

Schwarze Kleidung und ein rotes Halstuch, das seitlich geknöpft wird.

Die Kleidung spielt an der Solothurner „Chesslete“ keine Rolle.

Was ist ein „Räbehegel“?

Der „Räbehegel“ ist der Aarauer Rebendieb, der in der Fasnachtszeit umhergeht.

„Räbehegel“ steht für den bevorstehenden Hagel, der die Reben beschädigen kann. In der Badener Fasnachtszeit wird dieser böse Geist bekämpft.

Der Klingnauer „Räbehegel“ hetzt die Schüler am „schmotzigen Donnerstag“ aus den Klassenzimmern und jagt sie mit der Geissel durch das Städtli.

In welchem Aargauer Städtchen wird der Brauch der Salmlandung gepflegt?

Laufenburg.

Aarau.

Brugg.

Wie funktioniert das Konfettispalten?

Jedes Konfetti wird von Hand in zwei Teile zerrissen. Dies ist ein alter Brauch der Stadt Olten.

Ein schwarz-weisses Konfetti wird mit einem Beil in zwei Teile geteilt.

Konfetti spalten ist sinnbildlich zu verstehen: Dabei wird einfach Konfetti in die Luft geworfen – von Fasnächtlern und den Guggenmusigen.

Was passiert bei der „Userüerete“?

Die feudalen Herren der Stadt Bremgarten werden von den Bauern mit Geisseln aus der Stadt getrieben.

Die Schpitelturm-Clique wirft nach dem Schlachtruf „Heego Naaro“ Süssigkeiten, Orangen und Zeltli aus dem Schpitel-Wagen.

Die Schpitelturm-Clique jagt die Kinder durch die Stadt Bremgarten.

Wie heisst das Konfetti an der Basler Fasnacht?

Räppli.

Gonfi.

Gonfätti.

Wo wohnt das "Chaister Haldejoggeli"?

In Hallwil.

In den Freiämter Halden.

Im Hardwald.

Oh, oh, oh. Weniger als 50 Prozent der Antworten sind richtig. Da muss noch ein wenig geübt werden.

Machen Sie das Quiz nochmals!

Sie sind ein waschechter Fasnächtler: Sie haben mehr als 50 Prozent der Fragen richtig beantwortet.

Herzliche Gratulation!

Fasnacht Quiz

Zum Schmunzeln, zum Lachen und zum Nachdenken anregen will Edgar Zimmermann aus Windisch. Er trete als Kabarettist auf und halte sich persönlich auch an der Fasnacht an sein Kleinkunst-Konzept. «Die Unterhaltung des Publikums – auch mit kritischen Tönen – sollte im Vordergrund stehen.» Aus seiner Sicht eignet sich die Fasnachtsbühne nicht, um das Elend dieser Welt mit all den tragischen Geschehnissen aufzugreifen. «Mühe bekunde ich, wenn bei Darbietungen Religionen, andere Völker oder schwächere Mitmenschen verhöhnt werden, wenn mit primitiven Äusserungen und Geschmacklosigkeiten zu Felde gezogen wird und Niveau sowie Anstand fehlen.»

Ebenfalls zurückhaltend bei weltpolitischen Themen ist Verena Meier von den «Rollator Grosis». Die Schnitzelbankgruppe, begründet sie, sei noch relativ jung und erst das dritte Mal an der Fasnacht dabei. Die Erfahrung fehle. «Es gibt einiges, an das wir uns nicht wagen, weil es sonst schnell peinlich wirken kann.» Vor allem die Alltagssituationen im Alter seien es, über die sie sich lustig machen – ohne jemanden verletzen zu wollen. «Die Zuhörer sollen einfach etwas zum Schmunzeln oder zum Lachen haben.»