Veltheim

Au-Bewohner fühlen sich vom Gemeinderat schlecht vertreten

Die Jura Cement möchte den Steinbruch bei der Steinbitz (grüne Fläche in der Mitte, im Hintergrund Auenstein) erweitern. Dagegen regt sich vor allem im Veltheimer Ortsteil Au (vorne links) Widerstand. Claudia Meier

Die Jura Cement möchte den Steinbruch bei der Steinbitz (grüne Fläche in der Mitte, im Hintergrund Auenstein) erweitern. Dagegen regt sich vor allem im Veltheimer Ortsteil Au (vorne links) Widerstand. Claudia Meier

IG Pro Au wehrt sich vehement gegen die Steinbrucherweiterung – Behörde stellt Forderungen an Jura Cement.

Lärm, Erschütterungen, Dreck, Landschaftszerstörung – den Bewohnern der Au in Veltheim reichts. Sie haben genug vom Steinbruch – finanziellen Zustupf für die Gemeinde hin oder her. Entsprechend wehren sie sich gegen die geplante Erweiterung des Steinbruchs. Formiert hat sich hierfür die IG Pro Au im Herbst.

Die Abbauarbeiten im Steinbruch neigen sich dem Ende zu. Im September wurde bekannt, dass das Loch mit dem Material aus dem Eppenberg- und dem Bözbergtunnel aufgefüllt werden soll. Seit längerer Zeit sucht die Jura Cement neue Abbaustandorte. Thalheim, Schinznach, Orte auf dem Bözberg sowie im Gebiet Bäumer (Auenstein/Veltheim) waren Kandidaten. Am Ende schaute nichts heraus. Für die Jura Cement bleibt die Möglichkeit, den heutigen Steinbruch auf Auensteiner und Veltheimer Boden zu erweitern und abzusenken.

Dagegen wehrt sich Fritz Kobel von der IG Pro Au. Er sagt: «Es wäre Landwirtschaftsgebiet betroffen, Prachtsboden für Landwirte.» Das ist ein Grund, warum die IG die Erweiterung verhindern will. Der Hauptgrund: «Wir leben seit langem mit dem Steinbruch und nun soll auch noch die Steinbitz, das unmittelbare Naherholungsgebiet, zerstört werden. Irgendwann reicht es einfach.»

Gemeinde profitiert finanziell

Zudem fühlt sich die Bevölkerung von Au in dieser Sache schlecht vertreten vom Gemeinderat. Denn bisher stellte sich der Gemeinderat grundsätzlich nicht gegen das Erweiterungsprojekt, aufgrund der Arbeitsplätze und aus finanziellen Gründen. Von rund 300 000 Franken jährlich profitiert die Gemeinde dank des Abbaus. Dieses Argument lässt Fritz Kobel nicht gelten. «Ich bin überzeugt, dass die Gemeinde dieses Geld anderweitig hereinholen kann», sagt er. «Die Au ist verkehrstechnisch und als Wohnlage gut gelegen. Ist der Steinbruch nicht mehr, kann ich mir vorstellen, dass es Neuzuzüger gibt, die dieses finanzielle Loch stopfen können.»Die IG hat mit einer Petition auf sich aufmerksam gemacht. 119 von den 125 Einwohnern der Au hätten diese unterschrieben. Auch aus der restlichen Bevölkerung spürt Fritz Kobel Unterstützung. Eigentlich möchte er nicht «geng als Mötzli» auftreten. «Es ist unangenehm, ständig zu motzen», sagt er.

Die Petition hatte zur Folge, dass der Gemeinderat seine Haltung gegenüber der Jura Cement verschärft hat, wie Gemeindeammann Ulrich Salm sagt. «Wir können uns eine Vorlage nur unter der Voraussetzung vorstellen, dass die Belastungen in Sachen Erschütterung, Lärm, Staub und Druckwellen deutlich verringert werden. Dafür haben wir der Jura Cement Zeit bis Mitte 2016 gegeben, um zu beweisen, dass sie ihren Abbau an die neuen Richtwerte anpassen will und kann.» Das ist ein ambitionierter Zeitplan, aber diese Chance wolle man dem langjährigen Partner geben. Von der Jura Cement erwarte man auch, dass sie der Rekultivierung und den Anforderungen der Umwelt den notwendigen Stellenwert gibt.

Ulrich Salm wehrt sich gegen den Vorwurf, dass sich der Gemeinderat nicht für die Bewohner von Au einsetzt. «Wir nehmen die Bewohner ernst. Der Gemeinderat kann den Unmut sehr gut nachvollziehen und versteht, dass die Betroffenen keine Freude an der Erweiterung haben.» Für die Behörde ist die Steinbrucherweiterung eine Gratwanderung. «Wir möchten allen Beteiligten ihre Wünsche erfüllen. Aber das geht nicht», sagt Ulrich Salm. Dem Szenario, dass die Gemeinde mehr Neuzuzüger hätte ohne Steinbruch, kann Salm nicht viel abgewinnen. «Für Neuzuzüger sind andere Faktoren wichtiger. Zum Beispiel die Schulen oder die Erreichbarkeit.»

Im Jahr 2017 kann das Stimmvolk von Veltheim über die neue Nutzungsordnung und so über die Erweiterung des Steinbruchs abstimmen. Bis dahin, so hofft Salm, hat die Bevölkerung die Erfahrungen mit der um mindestens einen Drittel verringerten Belastung gemacht und kann entscheiden, ob zusätzliche 20 Jahre Steinbruch unter diesen Umständen zumutbar sind. Zehn Jahre Abbrucharbeiten müssen die Bewohner so oder so noch über sich ergehen lassen. Stimmt die Bevölkerung der Erweiterung zu, werden es 30 Jahre.

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