Radioaktive Abfälle sollen in der Erde vergraben werden. Wie und wo dies zu geschehen hat, wird mit dem «Sachplan geologisches Tiefenlager» (SGT) festgelegt. Der Bund, die Kantone, die Gemeinden, das Eidgenössische Institut für Nuklearsicherheit (Ensi) und die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) arbeiten daran. Auf regionaler Ebene sind die Regionalkonferenzen ein wichtiges Verbindungsglied. Sie bestehen aus Vertretern von Gemeinden, Kanton, Bund sowie verschiedenen Organisationen. Im Salzhaus in Brugg trafen sich gegen 70 Personen zur 20. Regionalkonferenz Jura Ost. Hauptthemen des Abends waren das «Ensi-Gutachten zum 2×2-Vorschlag der Nagra» und die Planung der Etappe 3 des SGT.

Projektleiter Bastian Graupner erläuterte der Versammlung den Ensi-Bericht zum Nagra-Vorschlag. Diese wollte auf vier der ursprünglich sechs möglichen Standorte verzichten. Nur noch zwei, nämlich Jura Ost und Zürich Nordost, sollten intensiver abgeklärt werden. «Jedes Gebiet wurde auf sicherheitstechnische Kriterien untersucht», führte Graupner aus. Dabei kommen der Langzeitstabilität und der Beschaffenheit des Wirtsgesteins grosse Bedeutung zu. Das Ensi beurteilte die Unterlagen der Nagra als korrekt und nachvollziehbar. In einzelnen Punkten verlangt es zusätzliche Angaben.

Das gilt vor allem für den Standort Lägern Nord. Diesen wollte die Nagra mit Abschluss der Etappe 2 aus dem weiteren Verfahren streichen. Dagegen will das Ensi, dass die geologische Situation Nördlich Lägern vertieft abgeklärt wird. Nach dem heutigen Wissensstand lägen zu wenig geomechanische Daten vor, um einen Entscheid für oder gegen den Standort fällen zu können. Das Ensi verlangt von der Nagra weitere Untersuchungen. «Diese könnten mit einer Tiefenbohrung geschehen», sagte Graupner.

Gemeinden werden wichtiger

Beim Bundesamt für Energie (BFE) wird die im nächsten Jahr beginnende Etappe 3 des Sachplanes vorbereitet. In ihr sollen die aus der zu Ende gehenden Etappe 2 verbliebenen Standorte vertieft untersucht und unter Einbezug der Standortregionen konkretisiert werden. Stefan Jordi vom BFE zeigte die laufenden Vorarbeiten dafür auf. «Wir werden die Aufgaben der Regionalkonferenzen konkretisieren, dafür sind aber noch viele Fragen zu klären», sagte Jordi. Als Beispiele erwähnte er Abgeltungen an die Standortregionen, mögliche Auswirkungen auf die Bevölkerungsentwicklung oder auf die Wirtschaft. «Dabei wird die Rolle der Gemeinden immer wichtiger.» Auch der Landkreis Waldshut ist in die Diskussion einbezogen. Um auf ihre künftige Aufgabe vorbereitet zu sein, sollen die Regionalkonferenzen als Vereine organisiert werden. «So erhalten wir eine klare Rechtsform», sagte Jordi. In diesen Vereinen würden die Gemeinden die Mehrheit haben. Ein weiteres Element werde die Partizipation der Bevölkerung sein: «Diese muss an der Diskussion intensiv beteiligt werden.»

Mit dem Hinweis, dass es noch viele Unwägbarkeiten gäbe, teilte Jordi mit, dass voraussichtlich 2029 der Bundesrat über einen Standort entscheiden dürfte. Die Regionalkonferenzen, so auch diese für die Region Jura Ost (Bözberg), werden die Arbeiten begleiten.

Das BFE plant einen öffentlichen Infoabend zum Ensi-Gutachten am Dienstag, 2. Mai, von 19–21 Uhr im Studiensaal A der Fachhochschule Nordwestschweiz in Brugg-Windisch. Behandelt werden die Themen Nutzungskonflikte sowie Thermal- und Grundwasser.