Bözberg

Atommüll-Endlager: «Viele befürchten einen Imageverlust»

In der Oberbözberger Turnhalle fanden fast alle die Antworten, die sie suchten.

In der Oberbözberger Turnhalle fanden fast alle die Antworten, die sie suchten.

In Bözberg trafen sich nicht nur Experten und Bevölkerung, um sich über ein mögliches Tiefenlager in der Region auszutauschen. Auch die Aktivisten vom Verein «Kein Atommüll im Bözberg (KAIB)» waren mit einem Stand präsent.

«Ich will wissen, wie es weitergeht. Irgendwo muss das Tiefenlager hin, am besten dort, wo es am sichersten ist», sagte Urs Hänggli aus Brugg. Er ist am Samstag wie viele andere Menschen aus der Region nach Bözberg gekommen, um sich am Treffpunkt Tiefenlager über die Konsequenzen des Entscheids der Nagra zu informieren. «Wenn das Tiefenlager in den Aargau kommt, darf nicht nur eine Gemeinde entschädigt werden, sondern die ganze Region», hielt Hänggli fest.

Der Anlass wurde vom Bundesamt für Energie (BFE) organisiert. «Für uns war klar, dass es eine Veranstaltung wie diese geben wird. In der Zusammenarbeit mit der Gemeinde und dem Kanton haben wir uns auf diesen Termin und diesen Ort geeinigt», sagte Annatina Foppa, Mitarbeiterin der Sektion Entsorgung des BFE.

Die Veranstaltung in der Turnhalle in Oberbözberg ist gut besucht gewesen. Während im unteren Stock fast im Stundentakt Vorträge etwa zum Auswahlverfahren für geologische Tiefenlager oder zur Rolle des Kantons Aargau abgehalten wurden, konnten sich die interessierten Besucher in der Turnhalle an den Ständen im persönlichen Gespräch mit Experten, Aktivisten und anderen Interessierten austauschen.

Diese Möglichkeit nahmen viele Besucher wahr: «Das Bedürfnis nach Austausch ist da. Das sieht man nur schon daran, dass am Stand der Nagra viele Besucher das Gespräch mit uns suchen», sagte Jutta Lang, Leiterin der Medienstelle der Nagra: «Die Menschen stellen vor allem übergeordnete Fragen, das heisst, sie fragen uns, was dieser Entscheid für ihre Region bedeutet. Viele befürchten einen Imageverlust durch diesen Entscheid.»

Aber auch Fragen nach technischen Details, wie etwa welcher Beton oder Stahl für das Projekt verwendet wird, würden manchmal gestellt, erklärte Lang. «Für uns ist es eine tolle Gelegenheit, in dieser Form einen Dialog mit der Bevölkerung zu führen. Jeder kann seine Fragen dort platzieren, wo er eine Antwort erhält», fügte Anita Joray, Mitarbeiterin der Nagra, hinzu.

Auch den Kritikern der Nagra hat der Treffpunkt Tiefenlager Platz geboten. Der Verein «Kein Atommüll im Bözberg (KAIB)» empfing am Morgen die ersten Besucher mit einem Transparent, auf dem sie den Namen ihres Vereins und gleichzeitig ihre wichtigste Botschaft präsentierten. Der Verein verteilte Anstecker mit derselben Forderung. «Für uns ist es wichtig, dass die Leute an die Vorträge und an die Stände gehen und kritische Fragen stellen», sagte Max Chopard-Acklin, Co-Präsident des Vereins KAIB und SP-Nationalrat.

Für ihn stellten sich noch längst nicht alle Fragen als geklärt dar, betonte er. «Wir wollen zeigen, dass es in der Region Widerstand gegen das Tiefenlager gibt und dass das Image, dass in der Region alle dafür sind, nicht stimmt», erklärt Chopard-Acklin. Das Echo auf die Aktion des Vereins sei weitestgehend positiv ausgefallen, sagte er, kaum jemand habe den Anstecker abgelehnt.

Und Magdalena Fankhauser aus Oberbözberg sagte: «Mich interessiert, welche Auswirkungen der Entscheid der Nagra auf die Region hat. Ich habe keine Antworten bekommen, bei denen ich mich sicher fühle. Ich wurde etwa bei den Auswirkungen der Probebohrungen auf die Natur und die Tiere nur vertröstet. Antworten wie ‹Dafür werden wir ein Baugesuch einreichen› oder ‹Diese Abklärung werden wir erst später vornehmen› haben mich eher verunsichert als aufgeklärt.»

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