Brugg
Ariel ist nicht nur ein Waschmittel – 2. Oldtimer GP im Schachen

Interessante Begegnungen am Oldtimer GP im Schachen: Punkt neun Uhr beginnt das erste Feld den 960 Meter langen Kurs zu umrunden. Allerdings geht es beim GP im Brugger Schachen nicht um eine Rennveranstaltung – die Geschwindigkeit wird vorgegeben.

Louis Probst
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Louis Probst

«Der gefällt mir», sagt der kleine Bub bestimmt und schaut sich den blauen Triumph TR 3 aus den Fünfzigerjahren mit den chromblitzenden Speichenrädern genau an. Etwas weiter steht ein nicht mehr ganz junger Mann mit seiner Begleiterin neben der hochgeklappten Motorhaube eines NSU 1200 TT, blickt auf den Motor und meint leicht versonnen: «Meiner hatte damals Solex-Vergaser.» Und der Ford Cortina GT aus den Sechzigerjahren – natürlich in Dunkelgrün, respektive British Racing Green – weckt eigene Erinnerungen. Ein kurzer Gang durchs Fahrerlager des Oldtimer GP Brugg, zu dem sich rund 190 Oldtimerautos – von der braven Familienkutsche bis zum Formel-Rennwagen –, 30 Motorräder und einige Militärfahrzeuge eingefunden haben, ermöglicht interessante Begegnungen.

Reiz für Auge, Ohr und Nase

Punkt neun Uhr beginnt das erste Feld den 960 Meter langen Kurs zu umrunden. Der Kurs gleicht zwar von der Form her der alten Indianapolis-Strecke. Allerdings geht es beim GP im Brugger Schachen nicht um eine Rennveranstaltung. Die Geschwindigkeit wird durch ein Führungsfahrzeug vorgegeben.

Laut wird es, als die Seitenwagengespanne einfahren, unter die sich ein grasgrüner Morgan Threewheeler gemischt hat. Und spätestens bei den Solo-Motorrädern – «Ariel ist kein Waschmittel», meint der Speaker zur Ariel Red Hunter in diesem Feld – kommt zum akustischen «Genuss» ein olfaktorischer: Es riecht nach verbranntem Motorenöl. Ob es nun wie einst Rizinus ist, bleibe dahingestellt.

Wesentlich geruhsamer geht es beim Korso der Freunde alten Blechs aller Marken (FABAM) zu. Neben prächtigen US-Strassenkreuzern aus der Heckflossen-Ära paradieren – um nur einige der Fahrzeuge zu nennen – ein majestätischer Rolls Royce, ein Lotus Elan (wie ihn einst die Agentin Emma Peel in der Fernsehserie «Mit Schirm Charme und Melone» fuhr) oder auch ein Volvo P1800 ES, der ob seiner grossen Glasflächen auch liebevoll «Schneewittchensarg» genannt wird.

GP soll Tradition werden

«Ich bin sehr zufrieden», stellt Andreas Küng, der OK-Präsident des Oldtimer GP, bei Halbzeit der Veranstaltung fest. «Wir haben dieses Jahr rund 30 Teilnehmer mehr. Von der Besucherzahl her dürfte es bis jetzt noch einiges mehr vertragen. Aber angesichts der Wetterverhältnisse können wir sehr zufrieden sein. Ich hoffe, dass der Oldtimer GP im Brugger Schachen ab heute zur Tradition wird. Das Echo, sowohl der Teilnehmer, wie auch des Publikums, sind jedenfalls durchweg positiv.» Zur Lärmproblematik, die beim ersten Oldtimer GP zu einigen Reaktionen geführt hatte, erklärt er: «Wir haben verschiedene Anpassungen vorgenommen. Und wir haben 1500 Briefe an Anwohner verschickt, in denen wir Gratiseintritte angeboten haben. Dieses Angebot ist rege genutzt worden.»

Im Fahrerlager wartet man derweil auf die Fortsetzung des GP nach der Mittagspause. Gelegenheit für einen Blick unter die eine oder andere Motorhaube. Zum Beispiel diejenige des sehr flachen VW-Käfers, der – als «Überkäfer» sozusagen – über einen Drei-Liter-Motor mit 250 PS verfügt. Ein paar Autos weiter unterhält sich ein Grüppchen angesichts eines der legendären Alfa-Motoren fachkundig über das Thema Leistungssteigerung. «Mein Traum wären etwas mehr als 200 PS», gesteht der Fahrer des Wagens und zählt die technischen Möglichkeiten dazu auf. «Aber das gäbe Krach mit meiner Frau.»