Brugg/Windisch
«Architektur sollte nicht modisch sein»

Seit kurzem leiten Jann und Maja Stoos das Architekturbüro ihres verstorbenen Vaters René. Sie bezeichnen sich als Architekten aus Leidenschaft.

Elisabeth Feller
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Die Leidenschaft für ihren Beruf ist bei den Geschwistern Jann und Maja Stoos gross. Elisabeth Feller

Die Leidenschaft für ihren Beruf ist bei den Geschwistern Jann und Maja Stoos gross. Elisabeth Feller

Die Nachricht kam aus heiter hellem Himmel: René Stoos ist tot. Der jähe Hinschied im November letzten Jahres löste Bestürzung aus – und liess nicht nur die Familie des mit 66 Jahren verstorbenen Brugger Architekten trauern, sondern auch all jene, die René Stoos’ Arbeiten schätzten.

Immer wieder wurde die Frage laut: Wird das Büro weitergeführt? Ja. Heute wird es von Sohn Jann (36) und Tochter Maja (35) geleitet. «Der Tod unseres Vaters war ein schwerer Einschnitt», sagen Jann und Maja Stoos, aber: Das Leben geht weiter.

Für die Geschwister bedeutet dieses Weitermachen eine vornehme Verpflichtung: Sie sind in die Fussstapfen ihres Vaters getreten, setzen aber eigene Akzente. Ihre Mutter ist ihnen in der Übergangszeit eine wunderbare Stütze, wenn es um Bauökologie, Finanzen und Bauadministration geht.

«Vielfalt interessiert uns»

Jann und Maja Stoos sitzen im Untergeschoss einer alten grossbürgerlichen Villa an der Baslerstrasse. Die Stufen, die in den ehemaligen Keller führen, strahlen in leuchtendem Gelb. Die Sonne scheint – im symbolischen Sinn. Die Auftragsbücher sind voll und das, ganz bewusst, ebenso mit kleinen wie mit grossen Projekten. «Die Vielfalt hat uns schon immer interessiert», sagen Jann und Maja Stoos.

Die Geschwister blicken sich an, lächeln und erwähnen eine Petitesse, die ihnen offensichtlich Spass gemacht hat: Der «Strudel»-Pavillon für die Badenfahrt 2007. Werden sie auch für das Stadtfest 2012 einen Pavillon kreieren? Das Ja klingt eine Spur gedehnt – und signalisiert damit: «Wir haben etwas in petto, aber Näheres wollen wir noch nicht preisgeben.»

Zu den nur so genannten Kleinigkeiten gehören beispielsweise neue Gepäckaufzüge im Hauptbahnhof Zürich, oder ein Holzschopf in Finnland; zum Grossen zählen etwa die 2011 eingeweihte Erweiterung des Schulhauses in Ennetbaden sowie das geplante Schulhaus mit zwei Gruppenhäusern in Effingen und noch viel mehr.

«Das ist ein intensiver Beruf»

Das heute 20 Mitarbeitende zählende Büro stoosarchitekten hatte 2011 mit seinem Vorschlag «Lionel» den Wettbewerb für das Effinger Schulheim für sich entschieden. Typisch Stoos, möchte man dazu sagen. Tatsächlich nimmt das Brugger Architekturbüro ausgesprochen oft an Wettbewerben teil «und damit», betont Jann Stoos, «bekommen wir viele öffentliche Aufträge.»

Dass die beiden jungen Architekten gerne zu Hause, in Brugg, arbeiten, liegt auf der Hand. Das Projekt Umgestaltung Bahnhofplatz-Neumarkt Brugg/Campuspassage werde «aller Voraussicht weiterlaufen», sagen Jann und Maja Stoos diplomatisch.

Dass die beiden von ihrem Beruf fasziniert sind, ist an jeder Aussage herauszuhören. «Architektur ist nicht etwas Abstraktes, sondern Handfestes», sagen sie und doppeln nach: «Es ist ein intensiver Beruf.» Die Geschwister betonen, dass sie «immer zuerst einen Ort bauen wollen. Die städtebauliche Situation muss stimmen. Architektur sollte nicht modisch sein».

Aus Leidenschaft

Die Geschwister Stoos sind meilenweit davon entfernt, sich mit ihrer Architektur ein Denkmal zu setzen. Deshalb gibt es für sie auch keine Lieblingsmaterialien, die sie partout durchsetzen wollen. Beide lieben rohe Materialien wie Holz, Metall und Stein – aber wann und wie sie diese einsetzen, kommt stets auf die örtliche Situation an.

Auf den Punkt gebracht, liest sich das Credo von Jann und Maja Stoos so: «Wir tragen eine grosse Verantwortung, aber gerade deshalb ist wohl auch die Leidenschaft für Architektur so gross.»