Hausen
Archäologin: «Wir haben das alte Dorf neu entdeckt»

Archäologin Cécilie Gut hat die Zuhörer in Hausen beeindruckt mit den Erkenntnissen über das Brunnerhaus. Dieses sowie das noch existierende Dahlihaus bezeichnete sie als bemerkenswerte Zeugnisse früherer Bau- und Lebensweise.

Hans-Peter Widmer
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Der Abbruch bestätigte, wie stabil die Hochstudkonstruktion des Brunnerhauses war.

Der Abbruch bestätigte, wie stabil die Hochstudkonstruktion des Brunnerhauses war.

Hans-Peter Widmer

Auf dem Gelände des ehemaligen Brunnerhauses an der Holzgasse in Hausen wird eine mächtige Baugrube abgeteuft. Daraus wächst eine moderne dreiteilige Wohnüberbauung. Zuvor musste ihr Hausens älteste Liegenschaft weichen.

Doch der Abbruch des 456-jährigen Brunnerhauses ging zum Glück nicht sang- und klanglos vonstatten. Die Kantonsarchäologie erkannte im markanten Gebäude eines der grössten Aargauer Hochstudhäuser, und sie machte bei baugeschichtlichen Untersuchungen bemerkenswerte Entdeckungen. Darüber berichtete die Mittelalterspezialistin Cécilie Gut an der Generalversammlung des Vereins Pro Dahlihaus, der sich für eine ortsbildgerechte Erneuerung und Nutzung dieses weiteren, nunmehr letzten ortstypischen und erhaltenswürdigen 455-jährigen Hochstudhauses im Dorf einsetzt.

Auf Spurensuche

«Wir haben das alte Dorf neu entdeckt», bestätigte Cécilie Gut. Es wurden Siedlungsspuren für den im Jahr 1254 in einer Habsburger Urkunde erstmals erwähnten Namen Hausen gefunden. Anschaulich legte die Spurensucherin der staunenden Zuhörerschaft die Erkenntnisse dar, die aus dem Abbruch des Brunnerhauses und den anschliessenden Grabungen gewonnen wurden. Besonders eindrücklich waren die Angaben zur Hochstudkonstruktion – einer handwerklichen Meisterleistung, die noch so stabil war, dass sie sich Stück um Stück abtragen liess.

Cécilie Gut bezeichnete das Brunnerhaus und das noch existierende Dahlihaus als bemerkenswerte Zeugnisse früherer Bau- und Lebensweise in Hausen. Die Kantonsarchäologie hielt die Konstruktion und die Raumeinteilung der beiden Gebäude in Aufriss- und Grundriss-Plänen fest. Sie sind damit wenigstens als Archiv-Dokumentationen gesichert. Für eine anschauliche historische Verankerung hat inzwischen auch der ehemalige Brugger Bauunternehmer Urs Kistler, ein begnadeter Modellbauer, gesorgt, indem er das Brunnerhaus im Massstab 1:50 originalgerecht nachbaute.

Verein wächst

An der von 50 Personen besuchten Generalversammlung unter der Leitung von Beat Peterhans erfuhr man, dass sich der Bestand des Vereins Pro Dahlihaus seit der Gründung vor einem Jahr auf über 130 Mitglieder verdoppelte. Der Verein will der Bevölkerung auch dieses Jahr durch Veranstaltungen sein Anliegen – eine sorgsame Zukunftsplanung für das Dahlihaus, das nunmehr älteste Gebäude im Dorf – vermitteln.