Villnachern

Arbeitszone: Die Gemeinde hat andere Prioritäten als Naturschützer

Sie sind überzeugt, dass mit der Arbeitszone kein wertvolles Kulturland verloren geht (von links): Roland König, Gemeindeammann; Willi Hartmann, Landwirt; Edmund Hartmann, Landwirt; Heinz Werthmüller, Bauunternehmer; Benjamin Plüss, Gemeindeschreiber. Heute liegt das Areal in einer Spezialzone und dient als Lagerplatz.

Sie sind überzeugt, dass mit der Arbeitszone kein wertvolles Kulturland verloren geht (von links): Roland König, Gemeindeammann; Willi Hartmann, Landwirt; Edmund Hartmann, Landwirt; Heinz Werthmüller, Bauunternehmer; Benjamin Plüss, Gemeindeschreiber. Heute liegt das Areal in einer Spezialzone und dient als Lagerplatz.

Die angekündigte Beschwerde von Pro Natura gegen die Nutzungsplanung stösst auf wenig Verständnis in Villnachern.

Mit grosser Mehrheit hat die ausserordentliche Gemeindeversammlung in Villnachern die Gesamtrevision der Nutzungsplanung genehmigt Mitte März dieses Jahres.

Ein Kernpunkt ist die vorgesehene Arbeitszone an der Aare am östlichen Dorfrand. Ausgeschieden werden soll diese an der Stelle der heutigen Spezialzone Annamatt, damit Kleingewerbe angesiedelt werden kann. So weit, so gut.

Nur: Pro Natura hat angekündigt, eine Beschwerde einzureichen. Für die Naturschutzorganisation ist eine Arbeitszone ein «Fremdkörper in der ökologisch, landschaftlich und landwirtschaftlich wertvollen Umgebung».

Klar anderer Ansicht ist Gemeindeammann Roland König. «Für unsere Landgemeinde ist die Arbeitszone wirklich wichtig und dringend nötig für die Weiterentwicklung», stellt er fest.

Eingefunden für das Gespräch an diesem sonnigen, hochsommerlich warmen Vormittag hat er sich am Rand des Areals Annamatt – das derzeit als Lagerplatz dient – zusammen mit den beiden ortsansässigen Landwirten Edmund Hartmann und Willi Hartmann, mit Heinz Werthmüller, dem Geschäftsinhaber und Gründer der Werthmüller Baugeschäft AG, sowie mit Gemeindeschreiber Benjamin Plüss.

Es können Arbeitsplätze wegfallen

König weist darauf hin, dass die Revision der Nutzungsplanung 2012 in Angriff genommen wurde. Bei diesem Prozess, an dem auch die Natur- und Landschaftsschutzkommission beteiligt war, habe sich das Volk ausgesprochen für eine Arbeitszone für das Dorfgewerbe.

«Als Gemeinderat ist es unsere Pflicht, uns für den Volkswillen einzusetzen und für das Dorf zu wehren», betont der Gemeindeammann und fügt an: «Wir reden hier nicht von grossem Gewerbe oder Industrie.» Zudem werde für die geplante Arbeitszone eine Gestaltungsplanpflicht bestehen. Das heutige, umstrittene Erscheinungsbild werde also sicher verbessert.

Könnte die Arbeitszone nicht umgesetzt werden, wäre das weder für die Gemeinde noch für die Natur ein Gewinn, ist König überzeugt. Im Gegenteil: «Statt die Attraktivität zu steigern, wären Arbeitsplätze gefährdet.»

Die Gemeinde müsste – das kann laut dem Gemeindeammann in der Finanzplanung aufgezeigt werden – mit einem Ausfall von rund 1 Mio. Franken rechnen. Allenfalls müsste sogar eine Steuererhöhung ins Auge gefasst werden, denn: «Wir kämpfen mit den Finanzen.»

Vier einheimische Firmen haben ihre Absicht bekundet, ihr Domizil zu verlegen auf das Areal. Sie haben bereits eine entsprechende Erklärung unterzeichnet. Heinz Werthmüller sieht hier eine einmalige Chance, seine aktuell vier Standorte in einem Neubau zusammenführen und so die Arbeitsabläufe zu vereinfachen.

Die bestehende Situation sei für die Firma mit den acht bis zehn Mitarbeitern weder ökologisch noch ökonomisch sinnvoll. Er geschäfte mittlerweile seit 52 Jahren, führt er aus. Bisher habe er leider ohne Erfolg gekämpft für eine Gewerbezone. Jetzt setze er sich vor allem ein für seinen Junior, der den Betrieb übernommen hat.

Verlust für Landwirtschaft wäre nicht gross

Schon vor etwas mehr als vier Jahren hat Pro Natura für Aufsehen gesorgt in Villnachern. Die Naturschutzorganisation erwarb eine Baulandparzelle am Waldrand im Baugebiet Deckerhübel, um eine Überbauung zu verhindern. Auch jetzt, bei der Spezialzone Annamatt, spricht Pro Natura von wertvollem Kulturland. Zu dieser Aussage machen die Landwirte Edmund Hartmann und Willi Hartmann ein grosses Fragezeichen.

Sie erinnern daran, dass dieses Areal seinerzeit beim Kraftwerkbau aufgefüllt wurde. Zudem sei die Topografie – die eher kleine Fläche mit der dreieckigen Parzellenform – nur mässig attraktiv. Kurz: Die Ausscheidung einer Arbeitszone wäre kein grosser Verlust für die Landwirtschaft, ist für sie klar.

«Villnachern ist eine Perle, da sind wir uns einig»

In seinem Vorprüfungsbericht hat der Kanton grünes Licht gegeben zur Arbeitszone. Dass Pro Natura kritisch eingestellt ist gegenüber diesen Plänen, kann Gemeindeammann König nachvollziehen. Dass aber «aus Prinzip» eine Beschwerde eingereicht wird, stört ihn – auch wenn das selbstverständlich das gute Recht sei der Naturschutzorganisation.

Statt Geld auszugeben für Rechtsstreitigkeiten wäre es seiner Ansicht nach sinnvoller, echte Naturschutzprojekte zu unterstützen. König appelliert an die Vernunft. «Mit seinen grosszügigen Naturschutzflächen ist Villnachern eine Perle, da sind wir uns einig mit Pro Natura», hält er fest. «Aber alleine mit Naturschutzprojekten kann die Gemeinde nicht überleben.

Irgendwo müssen die Leute wohnen, arbeiten und Geld verdienen.» Der Gemeinderat habe klare Lösungsvorschläge, wie das Dorf weiterkommen kann, ergänzt er. «Es darf allerdings nicht alles verhindert werden.»

Der Entscheid über die Nutzungsplanung liegt am Schluss beim Regierungsrat, ist sich König bewusst. «Wir zählen darauf, dass wir als kleine Landgemeinde nicht weiter an den Rand gedrängt werden.»

Autor

Michael Hunziker

Michael Hunziker

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