Brugg
«Wer sich eine Putzfrau leisten kann, der kann sie auch anmelden»: Manuela Schatzmann kämpft gegen Schwarzarbeit

Nach einer Enthüllungsreportage zu Schwarzarbeit bei Putzfrauen will die 36-Jährige tätig werden. Sie lanciert ab Juli in Brugg ein Produkt, das Arbeitnehmer und Arbeitgeber helfen soll.

Salvatore Iuliano
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Manuela Schatzmann ist ausgebildete Kauffrau und seit 2009 im Familienunternehmen mit tätig.

Manuela Schatzmann ist ausgebildete Kauffrau und seit 2009 im Familienunternehmen mit tätig.

Bild: Salvatore Iuliano

Eine private Reinigungskraft, die einem die Hausarbeit einmal in der Woche abnimmt, ist einfach gefunden. Oft arbeiten sie für wenig Geld und man kann sie unter der Hand bezahlen. Nur den wenigsten ist allerdings bewusst, dass dies illegal ist.

So bringt Blick TV vergangenen Februar diesen Umstand in einer Enthüllungsreportage ans Licht. Manuela Schatzmann, Inhaberin der Perfect Way GmbH in Brugg, erklärt:

«Die meisten Leute, sowohl Arbeitgeber als auch Angestellte, wissen gar nicht, was zu tun ist, wenn sie ein Arbeitsverhältnis miteinander eingehen.»

Spezialisiert ist das Familienunternehmen – schon Schatzmanns Mutter Karin führte die Firma – eigentlich unter anderem auf die Vermittlung von Haushaltshilfen, Nannys und Au-pairs oder das Einholen von Bewilligungen für ausländische Arbeitnehmer.

Sofort analysierte die heute 36-jährige Halbschwedin das Problem mit der Schwarzarbeit und erkannte: Sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer bringen sich in Teufels Küche. Es entstand der Wunsch, etwas dagegen zu unternehmen. Schatzmann sagt:

«Viele Reinigungskräfte haben einen Migrationshintergrund. Oft kommen sie aus Portugal, Italien oder auch aus dem Osten. Sie haben teilweise eine B oder L Bewilligung und denken nur ans Geldverdienen, um ihren Unterhalt zu finanzieren. Allerdings vergessen sie, langfristig zu denken und ihre Zukunft abzusichern. Leider sind sie auch sehr oft unwissend und kennen weder ihre Rechte noch ihre Pflichten.»

Sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer bringen sich mit Schwarzarbeit in Teufels Küche.

Sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer bringen sich mit Schwarzarbeit in Teufels Küche.

Bild: Salvatore Iuliano

Durch die Schwarzarbeit geht den Putzfrauen die Einzahlung in die Altersvorsorge verloren, erläutert Schatzmann den Umstand weiter. «Das bedeutet, dass sie im Alter viel weniger AHV-Rente erhalten, obwohl sie das Recht dazu hätten, eine legale Anmeldung zu verlangen.» Hinzu komme auch die fehlende Unfallversicherung. Ist eine Putzfrau nicht legal angemeldet, so ist sie nicht gegen Berufsunfälle versichert und hat auch keinerlei Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung.

Dem Staat gehen ebenfalls Gelder verloren

Auch aus staatlicher Sicht sieht Schatzmann ein grosses Problem in der heimlichen Tätigkeit. Durch die fehlenden Einzahlungen in die Ausgleichskasse AHV gehen dem Staat Sozialbeiträge und somit auch Steuern verloren. Besonders dann, wenn eine Angestellte quellensteuerpflichtig ist.

«In einem solchen Fall müsste theoretisch jede Familie, wofür diese Angestellte putzt, Steuern bezahlen», ergänzt Schatzmann. Sie ist felsenfest davon überzeugt: «Wer sich eine Putzfrau leisten kann, kann sie auch anmelden. Deshalb bieten wir unseren Kunden die Möglichkeit, für einen guten Preis die komplette Papierarbeit an uns abzugeben.»

Manuela Schatzmann, Inhaberin der Perfect Way GmbH in Brugg.

Manuela Schatzmann, Inhaberin der Perfect Way GmbH in Brugg.

Bild: Salvatore Iuliano

Schon diesen Juli lanciert Schatzmann ein Produkt, womit sie der Schwarzarbeit bei Putzfrauen den Kampf ansagt – das «Easy & Fast»-Paket. Die 36-Jährige erklärt dieses in folgenden Worten:

«Wir bieten diesen Rundum-Service für Leute an – Familien, Einzelpersonen oder auch betagte Menschen – , die den Haushalt nicht mehr allein schaffen, eine Reinigungskraft beschäftigen und diese legal anstellen möchten.»

Die zusätzliche Serviceleistung ziele explizit auf die legale Anstellung von Putzfrauen an, welche wir in zwei Varianten anbieten.

Das «Easy & Fast»-Paket beinhalte die obligatorische und korrekte Anmeldung einer angestellten Person bei der AHV, die Erstellung von monatlichen Lohnabrechnungen und jährlichen Lohnausweisen und auch deren Deklaration. Bei Bedarf komme auch die Anmeldung und Abwicklung der Quellensteuer zum Tragen.

«Zusammengefasst: Wir kümmern uns um den gesamten bürokratischen Teil einer Anstellung, welche die Sicherheit und Legalisierung der Angestellten ­sicherstellt.»

Das legale Anmelden soll attraktiver gestaltet werden

Das «Easy & Fast»-Paket biete man zu fairen Preisen an:

«Eine Variante kostet den Arbeitgeber nur 400 Franken im Jahr, was heruntergebrochen pro Monat nur 33.33 Franken ausmacht.»

Auf den ersten Blick sei das viel Geld, doch es täusche. Durchschnittlich entspreche das im Monat nur einem Stundenlohn, wie Schatzmann erklärt. «Im Schnitt verdient eine Reinigungskraft zwischen 30 und 35 Franken brutto die Stunde. Das «Easy & Fast»-Paket hingegen zwischen 33.33 Franken monatlich.

Für das Wohl der Angestellten ein geringer Preis», begründet Schatzmann die Marche. «Dazu kommt, dass es in den letzten Jahren vermehrt zu AHV-Revisionen gekommen ist. Das bedeutet, dass die Behörden vermehrt Kontrollen durchführen. Auf diese Weise schützen sich beide Parteien vor Strafen und Nachzahlungen von Beiträgen.»

Mit diesem zusätzlichen Angebot möchte Schatzmann die Missstände in der Tätigkeit der Putzfrauen bekämpfen und so mithelfen, die illegale Schwarzarbeit zu beseitigen.