Samstag, 16. Juni. Sie sind nicht zu übersehen, wenn man den Stiefalabsatz auf der Küstenstrasse umrundet: Immer schön in Sichtweite stehen die mächtigen Wehrtürme, die Torri aufgereiht. Einige halb zerfallen, andere frisch restauriert oder schon vor Jahren zweckenentfremdet, wie etwa der Torre von Porto Cesarea der heute die Guardia di Finanza beherbergt - dort müsste ich wohl einsitzen, wenn meine Codice Fiscale-Geschichte ruchbar würde.

Immer wieder diese Eigenämter

Die Torri sind ein augenfälliges Zeugnis einer besonderen Epoche der sehr wechselvollen Geschichte Apuliens. Nacheinander hatten hier unter anderem die Griechen, die Römer, die Langobarden, die Normannen, die Staufer und während rund drei Jahrhunderten sogar die Osmanen und Sarazenen das Sagen. In Apulien lag bis zum Beginn des 14. Jahrhunderts das islamische Zentrum Italiens. Alle Herrscher hinterliessen hier ihre Spuren auf sehr unterschiedliche Weise, am augenfälligsten aber der Habsburger-Kaiser Karl V mit seinen Wehranlagen.

Karl V, auch Karl der Grosse genannt, Kaiser des Heiligen Römischen Reichs, sah sich selbst als Beschützer des Abendlands vor den Osmanen. Zum Schutz der Küste vor - nach christlicher Lesart - «türkischen und berberischen Seeräubern» liess er um 1540 die besagten Torri und dazu eine ganze Reihe weiterer Wehranlagen errichten, darunter die eindrückliche Festung von Copertino oder die befestigte Altstadt von Gallipoli.

Fotosujet und Besucherzentrum

Einer dieser Spähtürme, die untereinander und ins Hinterland mit Rauch- und Feuerzeichen kommunizierten, ist der Torre Lapillo. Er ist 17 m hoch und wurde rund um das Jahr 2000 umfangreich restauriert. Heute beherbergt er das Besucherzentrum des Meer-Naturschutzgebiets «Area Marina Protetta die Porto Cesareo».

Die Badenden in der langen Bucht zwischen Torre Lapillo und Torre Chianca interessiert das offensichtlich alles eher am Rande. Für die meisten ist der Torre Lapillo einfach ein malerisches Fotosujet. Und sie wissen alle: Wenn sich der Turm schon am Morgen trotz zügigem Wind im glasklaren, ruhigen Wasser der Bucht spiegelt, ist ruhiges, warmes, unbeschwertes Badewetter angesagt. Der Tramontana weht.