Windisch

Anwohner kämpfen für einen sicheren Schulweg – nun macht der Kanton Zugeständnisse

René Schätti (l.) und die weiteren Anwohner haben jetzt erreicht, dass sie am Wochenende Zufahrt zur Habsburgbrücke haben.

René Schätti (l.) und die weiteren Anwohner haben jetzt erreicht, dass sie am Wochenende Zufahrt zur Habsburgbrücke haben.

Die Anwohner der Unterwerkstrasse in Windisch kämpfen wegen der Bauarbeiten für die Südwestumfahrung für einen sicheren Schulweg und eine bessere Zufahrt. Nun suchten die Verantwortlichen des Kantons das Gespräch mit den Quartierbewohnern.

Gleich neben dem Quartier an der Unterwerkstrasse in Windisch führt künftig die Südwestumfahrung vorbei. Für die sieben Haushaltungen bedeuten die Bauarbeiten, dass sie unter der Woche keinen direkten Zugang zu ihrer Wohngemeinde Windisch haben. Die Ausfahrt nach Brugg führt über Schotterwege, dazwischen ist noch ein Bahnübergang, der auch ein Problem für die Blaulichtorganisationen ist, sollte im Quartier etwas vorfallen (die AZ berichtete). An vorderster Front kämpft René Schätti für die Anliegen in seinem Quartier.

Immerhin: Nach einem ersten Artikel in dieser Zeitung kam Bewegung in die Sache. Die Verantwortlichen des Kantons, der Bauherr ist, suchten das Gespräch mit den Quartierbewohnern und gibt Hilfestellungen. So wurde den Quartierbewohnern versprochen, dass nach Ende der Bauphase eine Aufnahme der Häuser gemacht wird. So wird geschaut, ob diese gereinigt werden müssen und ob sich Risse gebildet haben. Zudem werden jeweils aufs Wochenende hin die Baumaschinen so weggeräumt, dass der Zugang zur Gemeinde Windisch mit dem Auto erfolgen kann.

Anwohner fordern Steuerreduktion

Doch den Anwohnern reicht das noch nicht. René Schätti hat darum der Windischer Gemeindepräsidentin Heidi Ammon ein E-Mail geschrieben. Zehn Punkte führt er auf, unter denen die Quartierbewohner leiden. So würde die Schotterstrasse die Verschleissteile der Autos unverhältnismässig abnützen, es käme immer wieder zu Stromausfällen und Wasserabstellungen, zudem könnten die Kinder nicht mehr vor den Häusern spielen, da Lastwagenverkehr herrscht und keine Sicherheit gegeben werde.

Apropos Kinder: «Die Kinder müssen durch eine gefährliche Baustelle auf ihrem Schulweg, die meisten Eltern fahren die Kinder zur Schule, da der Schulweg zu gefährlich ist», führt Schätti an.

Aus diesem Grund fordern die Anwohner eine Steuervergünstigung. Jedem betroffenen Haushalt im Quartier sei von der Gemeinde Windisch 10 Franken pro Tag an den Steuern zu vergüten, rückwirkend auf Mai 2019, verlangen sie. «Die Anwohner der Unterwerkstrasse können in Folge der Baustelle die Dienstleistungen der Gemeinde Windisch nicht oder nur spärlich nutzen und sehen daher auch nicht ein, warum man dafür Steuern in Windisch bezahlen soll», lautet die Argumentation.

Sieben schulpflichtige Kinder sind betroffen

In der persönlichen Antwort der Windischer Gemeindepräsidentin, die der AZ vorliegt, heisst es, dass der jüngste Bürger im Quartier 19 Jahre alt sei. Tatsächlich aber wohnen sieben schulpflichtige Kinder in diesem Quartier. Gemeindepräsidentin Heidi Ammon sagt auf Nachfrage, dass intern ein Fehler unterlaufen sei. Nach dem Filtern des Registers seien die schulpflichtigen Kinder nicht aufgeführt gewesen. Darum hat sie sich nun per E-Mail bei Schätti und den Anwohnern entschuldigt.

Ein persönliches Gespräch will die Gemeindepräsidentin nicht, zumal der Kanton als Bauherr zuständig ist. Aufgabe der Gemeinde während der Bauphase sei es, dass das Quartier immer irgendwie erschlossen bleibt. Und bezüglich Blaulichtorganisationen sagt sie: «Diese erhalten vom Bauherrn immer genauen Rapport, welche Arbeiten wann geplant sind.»

Arbeiter haben Vorsprung auf Terminprogramm

Immerhin: Der Kanton hat Kenntnis von den schulpflichtigen Kindern und ist auch im Gespräch mit den Eltern. «Die Sicherheit der Fussgänger, Velofahrenden und insbesondere der Schulkinder ist uns ein grosses Anliegen», sagt Simone Britschgi, Sprecherin des Departements Bau, Verkehr und Umwelt (BVU). «Der Schulweg ab Quartier Unterwerkstrasse zur Habsburgbrücke war und ist jederzeit gewährleistet. Er ist gut signalisiert, da auch als wichtiger Wanderweg zur Habsburg genutzt. Dieser Zugang ist durch Abschrankungen von der Baustelle getrennt.»

Momentan sei man daran, die neue Zufahrtsstrasse zur Habsburgbrücke zu erstellen. Diese sollte bis Mitte August so weit ausgebaut sein, dass neben den Fussgängern auch Autos die Zufahrt zur Habsburgbrücke ab dem Quartier Unterwerkstrasse wieder nutzen können. «Weiter ist zu erwähnen, dass der Personaleinsatz auf der Baustelle seit längerem bewusst hoch ist», stellt Britschgi fest. «Das führt dazu, dass die Bauarbeiten einen Vorsprung haben gegenüber dem Terminprogramm der Südwestumfahrung Brugg. Dadurch kann die zeitliche Beeinträchtigung für die Anwohner ebenfalls reduziert werden.»

Damit sollten die Anwohner vorläufig zufriedengestellt sein. Und auch Gemeindepräsidentin Ammon findet: «Die Massnahmen seitens des Kantons sind sehr grosszügig. Viel mehr Entgegenkommen geht nicht.»

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