Paul Brünisholz steht vor seinem Haus an der Bodenackerstrasse nahe der Einmündung zur Badstrasse in Brugg und schüttelt den Kopf. «Es ist nur eine Frage der Zeit, bis hier ein Unfall passiert», sagt er. Die Rede ist von den engen Strassenabschnitten, wo die Autos, weil sie nicht kreuzen können, auf das Trottoir ausweichen und so Kinder auf dem Schulweg gefährden. Der 66-Jährige weiss, wovon er spricht. Er hat seinen Enkel schon oft abgeholt und die Kinder auf ihrem Schulweg beobachtet.

Zugenommen haben die Probleme vor knapp einem Jahr, als auf der Habsburgerstrasse zwischen Aarauer- und Bodenackerstrasse für den Durchgangsverkehr ein Fahrverbot eingeführt wurde (die az berichtete). Verschärft hat sich die Situation vor kurzem mit der Baustelle und Signalanlage auf der Badstrasse – nördlich der Bananenblöcke. Noch bis Anfang Dezember ist hier mit Verkehrsbehinderungen zu rechnen. «Damit sich einige Anwohner an der Habsburgerstrasse wohlfühlen können, müssen viele Bewohner im Westquartier unter immer höherem Verkehrsaufkommen leiden», fasst Brünisholz zusammen.

Mehrverkehr vor Primarschule

Ihm gehe es nicht darum, den Verkehr vor seinem eigenen Haus zu verbannen, betont er und hält den Finger auf einen Quartierplan. Das Westquartier liegt zwischen Aare, Bahngleisen und Aarauerstrasse. In den letzten Jahren wurde im unteren Teil der Habsburgerstrasse eine neue Überbauung mit über 60 Wohnungen aus dem Boden gestampft. Im Gegensatz zu früher führen heute noch drei statt vier Erschliessungsstrassen ins Westquartier. Dies, obwohl immer mehr Leute hier leben und mit dem Auto pendeln. Mit anderen Worten: Die Zufahrt für den motorisierten Verkehr ist nur über die Bad-, die Schönegg- und die Altenburgstrasse möglich.

«Warum kann man den Verkehr nicht gleichmässiger auf das ganze Quartier verteilen?», fragt Brünisholz. Er kann nicht verstehen, warum man mit dem neuen Zubringerregime zulässt, dass ausgerechnet vor der Primarschule Bodenacker mehr Verkehr entsteht. Zudem verleite die Baustelle auf der Badstrasse die Autofahrer erst recht dazu, neue Schleichwege durchs Quartier zu suchen. Viele weichen auf die Wiesenstrasse oder den offenen Teil der Habsburgerstrasse aus und landen früher oder später auf der Bodenackerstrasse in Schulhausnähe. Nicht zu vergessen sei auch die Verkehrsbelastung durch die Laternen-Parkierer, die zu Randzeiten ihre Runden an der Bodenackerstrasse und am Buchenweg mit der Querstrasse Birkenweg drehen, bis sie endlich einen freien Parkplatz gefunden haben, so Brünisholz weiter. «Für die Schüler und Kindergärtler des Bodenackerschulhauses ist der Heimweg dadurch sehr gefährlich geworden.»

«Das Fahrverbot muss weg»

Mit dieser Meinung sei er im Quartier längst nicht alleine, bloss getraue sich kaum jemand, sich zu exponieren, hält Brünisholz fest. Seine Forderung ist klar: «Es besteht Handlungsbedarf. Das Fahrverbot an der Habsburgerstrasse muss weg!» Denn diese Strasse, auf der sich die Fahrzeuge übrigens problemlos kreuzen können, sei immer ein Zubringer Richtung Altenburg gewesen. «Der Verkehr ist nun einmal da. Für uns im Westquartier ist es aber unverständlich, warum er den einen im Übermass zugemutet und den anderen eine geschützte Werkstatt mit Kameraüberwachung zugestanden wird.»

Heiner Hossli, Chef der Regionalpolizei Brugg (Repol), kennt diese Diskussionen und sagt zur aktuellen Situation: «Bauarbeiten auf Strassen sind unumgänglich. Einzelne Arbeiten sind planbar, andere müssen wegen defekten Leitungen kurzfristig vorgenommen werden.» In Zusammenarbeit mit der Abteilung Bau und Planung der Stadt prüfe die Repol jede Situation einzeln und ordne auf die vorhandenen Örtlichkeiten hin entsprechende Massnahmen und Signalisationen an, so Hossli weiter.

Ob und wie sich der Strassenverkehr in Brugg in Zukunft grundsätzlich verändern wird, kann der Repol-Chef noch nicht sagen. «Ich möchte aber darauf hinweisen, dass die Projektkommission ‹Kommunaler Gesamtplan Verkehr (KGV)› an der Arbeit ist.» Dabei werden die Verkehrsflüsse, die Tempobeschränkungen sowie die Signalisationen auf die heutigen Gegebenheiten neu geprüft, betont Heiner Hossli.