Flugplatz Birrfeld

Anwohner ärgern sich über Fluglärm – und Piloten, die zu tief fliegen

Gemäss Flugplatz kommt es zwar hin und wieder vor, dass die Ein- und Ausflugrouten sowie die Volten nicht eingehalten werden. Geahndet werden können Verstösse allerdings nicht, weil es sich nicht um ein rechtliches Vergehen handelt. Trotzdem wird dem korrekten Verhalten der Piloten grosse Beachtung geschenkt.

Gemäss Flugplatz kommt es zwar hin und wieder vor, dass die Ein- und Ausflugrouten sowie die Volten nicht eingehalten werden. Geahndet werden können Verstösse allerdings nicht, weil es sich nicht um ein rechtliches Vergehen handelt. Trotzdem wird dem korrekten Verhalten der Piloten grosse Beachtung geschenkt.

Anwohner des Flugplatzes Birrfeld fühlen sich gestört durch den Fluglärm. Von Seiten des Flugplatzes heisst es, dass Reklamationen selten eingehen. Trotzdem nehme man diese sehr ernst. Im Kampf gegen den Fluglärm sei schon viel unternommen worden.

«Der Flugplatz Birrfeld ist für viele Anwohner zur Plage geworden», hat Christa Rumpf aus Birmenstorf diese Woche in einem Leserbrief in der Aargauer Zeitung ihrem Ärger Luft gemacht.

Sie fühlt sich gestört durch den Flugbetrieb – je nach Wetter an den Wochenenden genauso wie an den Werktagen. Denn immer wieder überfliegen Motorflieger ihr Haus, in einer Flugzone, stellt Christa Rumpf fest, die gar nicht vorgesehen sei.

Auch wenn nur ein Prozent der Piloten die Regeln nicht einhalten: Bei über 70 000 Flugbewegungen pro Jahr fühle sie sich belästigt von den über 700 Störenfrieden. In ähnlicher Richtung äusserten sich mehrere Kommentatoren auf der Online-Plattform der Aargauer Zeitung.

Falschflieger, fährt Christa Rumpf fort, hätten aber nichts zu befürchten. Wer schon einmal einen solchen auf dem Flugplatz gemeldet habe, der wisse zwar, dass das Anliegen im Birrfeld nett entgegengenommen werde. Konsequenzen müsse der Pilot allerdings keine befürchten.

«Wie wäre es mit einer ‹Respekt-Kampagne›?», fragt Christa Rumpf. Sie selber sei Rebbäuerin in Birmenstorf. «Kein Rebbauer erzeugt Lärm im Rebberg am Sonntag oder nach 20 Uhr.» Auch Gartenarbeit sei am Abend beendet, nach 20 Uhr mähe niemand mehr den Rasen. «Nur die Flieger kennen keine Zeitzone.»

Sie erwarte schlicht und einfach Respekt von den Piloten. Denn dann würden diese auch von der Bevölkerung respektiert. Hinter dem Flugplatz müsse – für einen reibungslosen Betrieb – die ganze Region stehen, fasst Christa Rumpf zusammen. «Dazu braucht es auch Verständnis für die lärmgeplagte Bevölkerung und Zurechtweisung der Falschflieger.»

Ein Flug mit Heinz Wyss, stellvertretender Leiter der Flugschule Birrfeld.

Ein Flug mit Heinz Wyss, stellvertretender Leiter der Flugschule Birrfeld.

In krassen Fällen eine Meldung

Reklamationen zum Flugbetrieb gehen aus der Umgebung des Flugplatzes im Birrfeld selten ein – «erfreulicherweise», sagt Heinz Wyss, stellvertretender Flugplatzleiter und stellvertretender Leiter der Fliegerschule Birrfeld. Die Ein- und Ausflugrouten sowie die Volten würden in aller Regel eingehalten. «Die Piloten der Fliegerschule Birrfeld müssen jährlich einen Checkflug mit Fluglehrer absolvieren und werden bei diesen Gelegenheiten immer wieder konsequent geschult.» Kurz: Dem korrekten Verhalten werde eine spezielle Bedeutung beigemessen.

Als eidgenössisch konzessionierter Flugplatz fliegen aber auch Piloten aus der ganzen Schweiz und aus Europa das Birrfeld an, fügt Wyss an. Für viele seien die engen Verhältnisse anspruchsvoll. Deshalb komme es hin und wieder vor, dass nicht exakt geflogen werde.

Die betroffenen Piloten werden durch den diensthabenden Flugplatzchef oder einen Fluglehrer auf die Verfahren aufmerksam gemacht. Da es sich aber nicht um ein rechtliches Vergehen handle, dürfe ein Verstoss vom Flugplatz nicht geahndet werden, erklärt Wyss. Mit anderen Worten: «Konsequenzen für den Piloten hat dies keine.» Im Wiederholungsfall oder bei krassen Verstössen – vor allem, wenn die Flugsicherheit tangiert ist – erfolgt durch die Flugplatzleitung eine Meldung an das Bundesamt für Zivilluftfahrt.

Kontrolliert werden die Ein- und Ausflugrouten sowie die Volten durch die Flugplatzleitung und die Fluglehrer. Zudem werden, in Zusammenarbeit mit den Gemeinden, periodisch Überprüfungen mit einem speziellen Lasergerät durchgeführt. Auch seien die Funktionäre des Flugplatzes gerne bereit, auf Wunsch mit den Gemeindevertretern oder den Einwohnern, die sich gestört fühlen, Voltenkontrollen durchzuführen, sagt Wyss. «Es hat sich gezeigt, dass das persönliche Gespräch oftmals sehr viel bringt und auch Verständnis für die Aktivitäten auf dem Flugplatz schafft.»

Anregungen oder Reklamationen würden sehr ernst genommen, betont er und ergänzt, dass nicht alle Flugzeuge und Helikopter, die über die Flugplatzgemeinden fliegen, im Birrfeld starten oder landen. Es komme vor, dass das Birrfeld durch Transitflugzeuge, durch Militär- oder Vermessungsflüge – oftmals tief – überflogen werde. «Auf diesen Flugverkehr hat der Flugplatz kaum Einfluss.»

Ein gutes Einvernehmen mit den Gemeinden sei dem Flugplatz wichtig, hebt Wyss hervor. Vorstand und Flugplatzleitung seien mit den Behörden stets in Kontakt und pflegen einen offenen Austausch. Bei jährlichen Informationsveranstaltungen bringe der Flugplatz Aktivitäten, Neuerungen und Veranstaltungen zur Sprache und es würden Fragen beantwortet und allfällige Probleme besprochen.

75 Jahre Flugschule Birrfeld: Sie waren die Piloten der ersten Stunde.

75 Jahre Flugschule Birrfeld: Sie waren die Piloten der ersten Stunde.

Eine Pionierrolle übernommen

Bei der Bekämpfung des Fluglärms sei in der Vergangenheit sehr viel unternommen worden, fügt Wyss an. Oftmals habe das Birrfeld sogar eine Pionierrolle übernommen. «So rüstete die Fliegerschule ihre Flugzeuge als erste mit Schalldämpfern, Vierblatt-Propellern und die Schleppflugzeuge mit einer Seileinzugsvorrichtung aus. Alle diese Massnahmen haben merkbare Verbesserungen gebracht und die Lärmreklamationen gingen im Flugplatzbereich deutlich zurück.» Ebenfalls sei in den letzten Jahren im operationellen Bereich einiges umgesetzt worden. Wyss nennt die Stichworte obligatorische Jahrescheckflüge mit Fluglehrer, Informationen im Internet oder Merkblätter in Papierform.

Seit der Aufnahme des Flugbetriebs im Birrfeld im Jahr 1937 sind mehrere tausend Privat- und Berufspiloten ausgebildet worden. «Das Birrfeld ist für die Schweizer Luftfahrt eine der wichtigsten Ausbildungsstätten», fasst Wyss zusammen. «Viele Piloten fliegen ein Leben lang, sind begeistert und freuen sich, zusammen mit ihren Passagieren, an jedem Flug.» Für die Region sei der Flugplatz Birrfeld ebenfalls ein überaus beliebtes Ausflugsziel, ziehe an schönen Tagen Hunderte von Zuschauern an.

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