«Was denkt ihr? Hat Jesus auch Kartoffeln gegessen?», fragte am Sonntag Pfarrerin Christina Winkler die Kinder der Sonntagsschule während des Erntedank-Gottesdienstes in der reformierten Kirche Umiken. «Ja», antworteten einige Buben und Mädchen.

Die Kindergärtler und Primarschüler gestalteten mit den Leiterinnen der Sonntagsschule diese Feier mit. Was die Natur derzeit an Obst, Gemüse und Blumen bietet, wurde wunderschön auf einem Tisch im Chor präsentiert. Pfarrerin Winkler thematisierte mit den Kindern, was man mit Kartoffeln und Äpfeln alles kochen kann und spannte dabei immer wieder den Bogen zu Bibelpassagen.

Sie erklärte den rund 60 Anwesenden mit Bildern, wie vor über 100 Jahren in New York Kartoffelchips entwickelt wurden und warum man während der beiden Weltkriege in der Schweiz intensivste Landwirtschaft betrieb.

Die Harmonie im Gottesdienst täuschte; die Kirchgemeinde ist tief gespalten und die Zusammenarbeit in dieser Form ist nur noch bis Ende Jahr gewährleistet. Am Sonntag, 28. September, findet der erste Wahlgang der Gesamterneuerungswahlen für die nächste Amtsperiode statt. Pfarrerin Christina Winkler tritt ohne Unterstützung der Kirchenpflege zur Wiederwahl an.

Wird sie gewählt, werden die Mitglieder der Kirchenpflege eine allfällige Wiederwahl ablehnen. Was genau der Grund für dieses Zerwürfnis zwischen Pfarrerin und Kirchenpflege ist, lässt sich nur schwer eruieren und gibt seit Monaten viel Anlass für Spekulationen und Gerüchte.

50 Prozent Rückgang bei Taufen

Im jüngsten Schreiben auf der Website der reformierten Kirchgemeinde Umiken schildern die sechs Mitglieder der Kirchenpflege – Marianne Kern, Rita Lee, Hans Peter Schlatter, Thomas Hochuli, René Wüst und Karl Vischer – denn auch, dass sie von zahlreichen Kirchgemeindemitgliedern gebeten wurden, die Gründe, die Pfarrerin nicht zur Wiederwahl vorzuschlagen, mit konkreten Beispielen greifbar zu machen.

«Diesem Wunsch dürfen wir nicht entsprechen, da zum einen alle Kirchenpflegemitglieder an die Schweigepflicht gebunden sind. Zum anderen werden wir unserer Maxime treu bleiben, mit Anstand zu kommunizieren», so die Behörde weiter.

Offensichtlich sei jedoch, dass seit einem Jahr die Kirchenaustritte durch alle Altersschichten und die negativen Rückmeldungen nach Kasualien merklich zugenommen hätten, so die Kirchenpflege. Auch die Anzahl Taufen sei signifikant zurückgegangen.

Die Kirchenpflege ist überzeugt, dass eine Reduktion um mehr als 50 Prozent nicht nur auf geburtenschwache Jahrgänge zurückgeführt werden könne. Dies seien deutliche Anzeichen, dass die Gemeinde mit der Arbeit der Pfarrerin nicht zufrieden sei.

Steuern als Hauptgrund für Austritt

Was heisst das in Zahlen? Wie viele Kirchenaustritte und Taufen gab es in diesem Jahr und in der Vergangenheit? Interimspräsident Hans Peter Schlatter lässt sich mit der Beantwortung dieser Fragen mehrere Tage Zeit. Das Sekretariat sei daran, die Zahlen zusammenzutragen, so die Begründung.

Am späten Mittwochabend teilt Schlatter der Aargauer Zeitung schriftlich mit: «Die Kirchenpflege hat an der heutigen Sitzung beschlossen, dass die Zahlen der Kirchenaustritte, Taufen usw. nicht an die Presse weitergeleitet werden.»

Die Anzahl der Taufen erklärt sich Pfarrerin Christina Winkler so: «Mein Vorgänger, Pfarrer Matthias Schüürmann, hatte viele auswärtige Tauffamilien, die nach Umiken kamen.» Da er lange in Umiken wohnte, konnte er sich einen Bekanntenkreis aufbauen. Sie hingegen lebe erst seit einem Jahr hier.

Schüürmann habe einige Abendgottesdienste in der Kirche Umiken (Lobgottesdienste) veranstaltet, auch hier wurden Taufen durchgeführt, so Winkler weiter. Dazu komme, dass Familien aus Riniken und Villnachern wegen fehlender Gebäude in ihren Dörfern eine Taufe in der Kirche Umiken wünschten. Dort findet aber nicht jeden Sonntag ein Gottesdienst statt und es sei schwierig, immer ein geeignetes Datum zu finden.

«Manche Leute treten aus, um Steuern zu sparen, oder weil sie keinen Bezug zur Kirche haben», so Winkler weiter. Bei einer Schlammschlacht gebe es immer Austritte, das sei auch in der reformierten Kirchgemeinde Rein so gewesen. Grund für einen Austritt könnte auch die Kirchenpflege sein.

Szenen mit gegenseitigen Beschuldigungen, wie sie sich während des Apéros nach dem Erntedank-Gottesdienst zeigten, werden bald der Vergangenheit angehören. Nun liegt der Entscheid bei den rund 1400 Kirchgemeindemitgliedern. Die Verantwortlichen rechnen mit einer hohen Wahlbeteiligung.