Mönthal

Anpassung des Richtplans beim Steinbruch Steinacher – die Hauptkritik gilt der Entwässerung

Luftaufnahme des Steinbruchs Steinacher in Mönthal.

Luftaufnahme des Steinbruchs Steinacher in Mönthal.

Statt mit unverschmutztem Aushubmaterial soll der Steinbruch Steinacher in Mönthal künftig mit Inertstoffen wieder aufgefüllt werden können. Dem Regierungsrat erscheint dies zweckmässig. Er beantragt den Grossen Rat mit dem Beschluss der Anpassung.

Für den Regierungsrat ist klar: «Es ist in jeder Hinsicht sinnvoll, die günstigen Voraussetzungen des Steinbruchs Steinacher in Mönthal für die Ablagerung von Material mit Inertstoffqualität zu nutzen.» Die Standortfestsetzung im Richtplan erweise sich aus kantonaler Sicht als zweckmässig und als situationsgerecht. Deshalb beantragt der Regierungsrat dem Grossen Rat, diese Anpassung des Richtplans zu beschliessen.

Im Vergleich zum bewilligten Vorhaben ändere sich ausser dem Auffüllmaterial und den dadurch veränderten Bestimmungen im Umgang mit der Entwässerung nichts Wesentliches.

Der Bedarf ist vorhanden

Im Steinbruch Steinacher in Norden des Dorfs Mönthal wird seit über 60 Jahren Kalkstein abgebaut. Die Wiederauffüllung ist bis anhin mit sogenannt unverschmutztem Aushubmaterial vorgesehen.

Die Grundeigentümerin und Betreiberin, die Aarvia Baustoffe AG, beabsichtigt nun, den Steinbruch mit Material des Typs B aufzufüllen. Bei diesem handelt es sich um mineralische Bauabfälle und Aushubmaterial mit Inertstoffqualität, die aus dem Rückbau von Gebäuden und Bauten anfallen wie Backsteine, Ziegel, Beton, Keramik, Glas, Mauerabbruch oder Strassenaufbruch.

Allerdings: Mit der Änderung des Auffüllmaterials wird der Steinbruch Steinacher zu einem Deponiestandort des Typs B, der im kantonalen Richtplan ausgewiesen werden muss. Im aktuellen Kulturlandplan der Gemeinde ist der Steinbruch als Materialabbauzone ausgeschieden. Diese umfasst eine Fläche von rund 2,4 Hektaren.

Insgesamt rund 315'000 Kubikmeter Material von Inertstoffqualität könnte abgelagert werden, führt der Regierungsrat in seiner Botschaft an den Grossen Rat aus. Die Erschliessung für den Deponiebetrieb erfolge wie beim bisher bewilligten Projekt über die Kantonsstrasse. «Der Perimeter, die Abbaumenge, die Wiederauffüllmenge, die Etappierung, die Endgestaltung, die Rodungsflächen, der ökologische Ausgleich und die Rekultivierung bleiben unverändert.»

Die Entsorgung von im Kanton Aargau anfallenden Inertstoffen könne durch die aktuell einzige in Betrieb stehende Deponie Emmet in Seon nicht gedeckt werden, so der Regierungsrat weiter. Anders gesagt: Aus Sicht des Kantons ist ein Bedarf im Aargau für ein bis zwei weitere Deponien des Typs B vorhanden. Mit einem jährlichen Annahmevolumen von durchschnittlich 15'000 Kubikmetern während der nächsten 20 bis 25 Jahren könne die Deponie Steinacher in Mönthal einen Beitrag zur Entsorgungssicherheit leisten.

Eine Person lehnt Vorhaben ab

Bis 28. September lief das Vernehmlassungs-, Anhörungs- und Mitwirkungsverfahren. Neun Mitwirkende haben sich zum geplanten Vorhaben geäussert. Die sechs Parteien CVP, FDP, Grüne, Grünliberale, SP und SVP sind mit einer Standortfestsetzung vorbehaltlos einverstanden, ebenso der Regionalplanungsverband Brugg Regio sowie der Aargauische Gewerbeverband (AGV).

Eine Privatperson lehnt das Deponievorhaben im Grundsatz ab. Neben der Nähe des Abbaugebiets zu drei im Kataster der belasteten Standorte eingetragenen Ablagerungsstandorte sowie dem an den Abbauperimeter angrenzenden Naturschutzgebiet von kantonaler Bedeutung ist der Hauptkritikpunkt die vorgesehene Entwässerung, heisst es in der Botschaft an den Grossen Rat. Das Deponiesickerwasser, lautet die Befürchtung, könnte bei starken Niederschlägen ungefiltert in den Bach fliesen, da die Kanalisationsleitungen heute schon stark überlastet seien.

Vertiefte Abklärungen geplant

Mit der geplanten Einleitung des Deponiesickerwassers in die Kanalisation werde der Vorgabe der Gewässerschutzgesetzgebung nachgekommen, stellt der Regierungsrat fest. Aus fachlicher Sicht stehe somit einer Richtplanfestsetzung des Deponiestandorts nichts entgegen.

Aber: «In den nachgelagerten Verfahren wird nachzuweisen sein, dass bei Starkniederschlagereignissen die Kanalisationsleitungen die erwartete Wassermenge fassen können und kein Deponiesickerwasser ungefiltert abfliessen kann.» Es sei mit vertieften Abklärungen aufzuzeigen, dass der Bach Oberhof nicht gefährdet oder verunreinigt werden könne.

Nach dem Richtplanentscheid des Grosse Rats folgt die Anpassung der Nutzungsplanung von Mönthal: Die bestehende Materialabbauzone wird im Kulturlandplan neu als Materialabbau- und Deponiezone festgelegt. Anschliessend muss das Baubewilligungsverfahren durchgeführt werden.

Autor

Michael Hunziker

Michael Hunziker

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