Obergericht
Angeklagt wegen Kinderpornografie: «Ich war hoffnungslos und wollte eine Familie haben»

Mitte 2017 verurteilte das Bezirksgericht Brugg einen Mann wegen Kinderpornografie zu einer unbedingten Geldstrafe und ordnete eine ambulante Therapie an. Nun liegt der Fall in Aarau.

Claudia Meier
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Mitte 2017 verurteilte das Bezirksgericht Brugg einen Mann wegen Kinderpornografie zu einer unbedingten Geldstrafe und ordnete eine ambulante Therapie an. Symbolbild

Mitte 2017 verurteilte das Bezirksgericht Brugg einen Mann wegen Kinderpornografie zu einer unbedingten Geldstrafe und ordnete eine ambulante Therapie an. Symbolbild

KEYSTONE/MARTIN RUETSCHI

Der 41-jährige M., dem mehrfaches Herstellen und Zugänglichmachen sowie mehrfacher Besitz von Kinderpornografie vorgeworfen wurde, musste diese Woche vor dem Obergericht in Aarau erscheinen. Begleitet wurde er von seinem amtlichen Verteidiger Franz Hollinger. Dieser war es, der Mitte 2017 nach der erstinstanzlichen Urteilsverkündung umgehend mitteilte, das Urteil ans Obergericht weiterzuziehen. Das Bezirksgericht Brugg verurteilte M. zu einer unbedingten Geldstrafe von 250 Tagessätzen à 90 Franken und ordnete eine ambulante Therapie an. Aus Sicht des Verteidigers sind die M. zur Last gelegten Straftaten nicht als schwer, sondern nur als mittelschwer zu qualifizieren.

Rückblick: Es war im April 2013, als in einem Dorf im Bezirk Brugg nach einer Hausdurchsuchung bei M. illegales pornografisches Material sichergestellt wurde. Dabei handelte es sich um 5393 Bilder sowie 112 Filme mit Kinderpornografie und 59 Filme über sexuelle Handlungen mit Tieren. Seine Frau wusste von nichts. Dass der Konsum dieser Bilder und Filme nicht normal sei, habe er schon gewusst, sagte M. damals.

Therapie aus eigenem Antrieb

Er begab sich daraufhin auch aus eigenem Antrieb in eine Therapie, für die er Kosten von über 10'000 Franken auf sich nahm. In einem psychiatrischen Gutachten vom Februar 2016 wurde M. heterosexuelle Pädophilie und schädigender Alkoholkonsum attestiert. Wenn er Lust verspürte, habe er einen Film geschaut und sich selbst befriedigt, hielt M. damals vor dem Bezirksgericht fest. Damals hatte M. selber noch keine Kinder, wünschte sich aber solche.

In der Zwischenzeit ging für M. dieser Wunsch in Erfüllung. Seit knapp einem Jahr hat er eine neue Beziehung zu einer Mutter von zwei Töchtern, mit der er seit wenigen Tagen ein gemeinsames Kind hat. «Ich war hoffnungslos und wollte eine Familie haben», sagte der 41-Jährige vor Obergericht. «Ich freue mich über mein neues Leben, obwohl ich jetzt überall nur noch Rechnungen sehe. Früher konnte ich noch sparen.»

«Ich will Kinder schützen»

Seit dem erstinstanzlichen Urteil habe er keine Kinderpornografie mehr konsumiert, hielt M. fest. Die Therapie, in der Alkohol, Drogen, Pornografie, Pädophilie und Depression thematisiert wurden, habe er vor einem Jahr beendet. «Ich bin jetzt ganz anders und brauche keine Therapie mehr.» Ihm sei bewusst, dass er eine persönliche Störung habe, die man nicht heilen könne. Er wolle aber nichts mehr machen, das Kindern schaden könnte. «Ich will Kinder schützen.» Seine Partnerin sei sehr überrascht gewesen, als sie vom Verfahren erfuhr. «Ich weiss, dass es schlimm ist. Kein Kind macht so etwas gerne.» Bei neuen Problemen könne er jederzeit seinen Therapeuten anrufen.

Der Verteidiger forderte aufgrund des von M. erbrachten Tatbeweises und der positiven Prognose in allen Punkten eine bedingte Geldstrafe von 150 Tagessätzen bei einer Probezeit von zwei Jahren sowie den Verzicht auf eine ambulante Massnahme. «Es wäre speziell, wenn man sechs Jahre nach der Straftat noch eine ambulante Therapie anordnet.» Die drei Oberrichter verzichteten wegen der neuen Lebenssituation des Beschuldigten darauf, ein Urteil zu fällen. Sie forderten ein psychiatrisches Ergänzungsgutachten. Dieses dürfte in ein paar Monaten vorliegen.