Remigen
Anbau nach antikem Vorbild: Wie die Römer Wein herstellten

Das Weingut Hartmann baut Trauben nach antikem Vorbild an – jetzt wird geerntet.

Deborah Bläuer
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Vor rund 2000 Jahren errichteten die Römer das Legionslager Vindonissa. Sie brachten ihre Kultur und damit den Weinbau in die heutige Region Brugg.

In Zusammenarbeit mit dem Vindonissa Museum und dem Regionalplanungsverband Brugg Regio lassen Winzer diese Tradition seit 2008 wieder aufleben. An den vier Museumsrebbergen in Remigen, Villigen, Oberflachs und Schinznach-Dorf werden verschiedene römische Anbaumethoden praktiziert. Die Museumsrebberge sind Bestandteil des Legionärspfads Vindonissa. An jedem Standort stehen Schilder, auf denen Wissenswertes zu den Anbaumethoden zu lesen ist. Auch Führungen sind möglich. Es werden die roten Traubensorten Maréchal Foch, Chambourcin, Cäsar und Vindonissa angebaut. Daraus stellen die Weinbauern den Römer-Wy her, der auf ihren Betrieben gekauft werden kann.

Der Wein wird in Tonflaschen verkauft.
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Weidenkörbe zum Sammeln.
Schilder informieren über den Weinbau in der Antike.

Der Wein wird in Tonflaschen verkauft.

Deborah Bläuer

Bruno Hartmann vom Weingut Hartmann in Remigen hat diese Woche mit der Ernte in seinem historischen Rebberg begonnen. Auf zehn Aren baut er die oben genannten Rebsorten mit der Methode des Kammerbaus an. Dabei werden mehrere Holzpfeiler mit Längs- und Querbalken zu lauben- oder pergolaähnlichen Gerüsten vereint. Über diese ranken sich die Reben und bilden ein Blätterdach, welches Schatten spendet und dadurch den Boden feucht hält. Somit ist diese Anbaumethode ideal für trockene Gebiete. In Italien ist sie auch heute noch häufig anzutreffen.

Genau wie bei den Römern werden bei den Hartmanns die Trauben in Weidekörben gesammelt. Aus praktischen Gründen wird allerdings auf das Tragen von Togen und eine Opferdarbietung an die Götter verzichtet. Auf dem Weingut werden die Trauben mit einer handbetriebenen Holzpresse ausgequetscht. Barfuss gestampft wird der Wein nur an Festen zu Schauzwecken. Bis anhin fand der Gärungsprozess in Holzfässern statt. Dieses Jahr wird der Saft erstmalig in Amphoren gelagert. «Die Tonwand der Amphoren lässt ein bisschen Luft durch, so gibt es eine Mikrooxidation», erklärt der 58-jährige Hartmann, «Dadurch erhält dieser Wein einen ganz anderen Geschmack als der herkömmliche. Er ist reif-fruchtig und hat eine pfeffrige, würzigere Note.»

Auch in der Konsistenz unterschied sich der Wein in der Antike vom heutigen. Er war dickflüssiger und alkoholhaltiger. Deshalb wurde er häufig als Schorle genossen und mit mehr oder weniger Wasser verdünnt. Wein galt als Standardgetränk und Durstlöscher. Häufig kam er schon beim Frühstück auf den Tisch. Wer den Wein pur trank, galt als Säufer.

Die Geschichte lebendig halten

Für heutige Verhältnisse ist die Herstellung des Römer-Wys umständlich und nicht kostendeckend, trotz dem höheren Verkaufspreis von 43 Franken pro Flasche. Hartmann lebt vom Vertrieb seiner anderen Weine und hat keine Pläne, den Römerrebberg zu erweitern. Mit der Produktion von 300 bis 400 Flaschen Römer-Wy pro Jahr ist er zufrieden.

Dennoch beschreibt Hartmann den Römerrebberg als ein fester Bestandteil des Weinguts und als gute Werbung. Das sei aber nicht seine Hauptmotivation für die Herstellung des Römer-Wys, stellt der Winzer klar. Ihm geht es darum, die Geschichte lebendig zu halten: «Wir leben im unteren Aaretal, in einem sehr historischen Gebiet, in dem 50 Prozent des Weinbaus im Aargau erfolgt. Es ist wichtig, dass wir dieses Erbe weiter pflegen.» In Erinnerung an die Römer produziert er auch die Vindonissa-Weine, den Ruber und den Albus. Die dafür verwendeten Trauben werden allerdings nach modernen Standards angebaut und gekeltert.