Analyse
Stadtratswahlen in Brugg: Ein Spaziergang wird's für keinen der Kandidaten

Die Bruggerinnen und Brugger sind in einer glücklichen Lage: Gleich zehn Kandidatinnen und Kandidaten aller politischer Couleur sind angemeldet worden für die Stadtratswahlen vom 26. September, vier Bisherige und sechs Neue.

Michael Hunziker
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Stadthaus in Brugg: Zehn Kandidatinnen und Kandidaten buhlen um die fünf Sitze im Stadtrat.

Stadthaus in Brugg: Zehn Kandidatinnen und Kandidaten buhlen um die fünf Sitze im Stadtrat.

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Alle zehn Brugger Stadtratskandidatinnen und Stadtratskandidaten scheinen sie die Voraussetzungen mitzubringen für ein solches Amt, alle sind bereit, versichern sie, sich mit Herzblut für Brugg einzusetzen, die nötige Kraft und Zeit für die Stadt aufzubringen.

Die vier Bisherigen agieren solide und souverän, überzeugen mit Fachkompetenz und Fachwissen. Sie sind nicht nur dossiersicher, sondern auch bestens vernetzt und – sofern sich dies von aussen beurteilen lässt – durchsetzungsstark: Barbara Horlacher (Grüne, Stadtammann), Leo Geissmann (Die Mitte, Vizeammann), Reto Wettstein (FDP) und Jürg Baur (Die Mitte). Angenommen, sie schaffen alle die Wiederwahl: Wer schnappt sich dann den freien fünften Sitz?

Rita Boeck bringt reichlich Erfahrung mit

Die SP will – selbstverständlich – den Sitz verteidigen von Willi Däpp, der nicht mehr antritt bei den Wahlen, schickt als Kandidatinnen Rita Boeck und Alexandra Dahinden ins Rennen. Ersterer dürfte eine Favoritenrolle zukommen. Sie verfügt über einen beachtlichen Bekanntheitsgrad sowie über einen an politischer Erfahrung prall gefüllten Rucksack.

Dem Einwohnerrat, dem sie seit 20 Jahren angehört, steht sie aktuell als Präsidentin vor. Zudem war Rita Boeck zehn Jahre Mitglied der Finanzkommission und sechs Jahre Mitglied des Grossen Rats.

Die 58-Jährige ausgebildete Lehrerin, Schulleiterin und Mediatorin vertritt ihre Positionen konsequent, scheut sich nicht davor, pointiert Stellung zu beziehen, lässt gleichzeitig aber auch eine gesunde Portion Lockerheit und Humor nicht vermissen. Demografie, soziale Sicherheit, Klima oder Verkehr gehören zu den Themen, die sie beschäftigen. Sie will sich dafür einsetzen, dass die verschiedensten Menschen ihren Platz haben in Brugg und in Würde leben können, hebt sie hervor.

Roger Brogli will Projekte schneller vorantreiben

Nur: Ein Spaziergang wird es nicht. Denn mit dem parteilosen, 63-jährigen Roger Brogli tritt ein ebenfalls stadtbekannter Kandidat an. Brogli war bis zu seiner Pensionierung im Mai während 33 Jahren als Werkdienst-Chef tätig in Brugg, machte sich – auch in diversen Organisationskomitees – einen Namen als zuverlässigen, unkomplizierten, engagierten Schaffer, weiss, wo der Schuh drückt.

Der politische Quereinsteiger möchte die Projekte, die auf der langen Bank liegen, schneller vorantreiben und – so eines seiner weiteren Ziele – Stadtrat sein «für alle Einwohnerinnen und Einwohner». «Einer von uns», lautet der passende Wahlslogan. Unter seinen zahlreichen Unterstützern finden sich Gewerbetreibende genauso wie Kulturschaffende.

Keinen einfachen Stand haben dürften bei dieser Ausgangslage Yvonne Buchwalder-Keller (FDP), Yolanda Dätwiler (SVP) und Adriaan Kerkhoven (GLP), auch wenn sie punkten können mit beruflicher und politischer Erfahrung sowie mit frischen und unkonventionellen Ideen. Wer weiss, ob ein Überraschungscoup gelingt und wie die Karten gemischt werden bei einem allfälligen, gut möglichen zweiten Wahlgang Ende November? Spannung jedenfalls ist garantiert.

Horlacher und Wettstein kämpfen um Stadtammann-Amt

Gleiches gilt bei der Wahl um das Stadtammann-Amt. Die amtierende Barbara Horlacher (Grüne) hat nach vier Jahren nach wie vor grosse Freude am Amt. Mit dem Stadtrat und den Mitarbeitenden der Verwaltung habe sie wichtige Aufgaben für Brugg erfolgreich abschliessen oder zielgerichtet vorwärtsbringen können, stellt sie fest. In der kommenden Legislatur möchte die 50-Jährige die begonnene Arbeit fortführen. Sie setzt – bewusst – auf einen eher unaufgeregten Wahlkampf.

Ganz anders der umtriebige Reto Wettstein (FDP), der ihr den Sitz an der Spitze der Stadt streitig macht. Er ist seit acht Jahren im Stadtrat. Nach der ersten Amtsperiode als Ressortvorsteher Gesundheit, Soziales und Alter steht er in der aktuell laufenden zweiten Amtsperiode dem Ressort Planung und Bau vor. Und dieses müsste dem vollamtlichen Stadtammann zugeteilt werden, sagt der 42-jährige Unternehmer. Wettstein verweist auf die geplanten Projekte und die hohen Investitionen, für die es mehr Zeit und Fokus brauche, als dies im Nebenamt möglich sei.

Aber ist ein Sesselrücken nötig, eine neue Führung gewünscht? In den Kommentarspalten und Leserbriefen äussern sich viele sehr zufrieden mit dem bisherigen Engagement von Barbara Horlacher. Einige andere wünschen sich einen Wechsel und Wandel unter Wettstein. Das Zeug für das Stadtammann-Amt hätten wohl beide. Spannend bleibt es alleweil. Denn steht das Wahlergebnis erst einmal fest, stellt sich im Stadtrat ja noch die Frage nach der Ressort­verteilung.

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