Kurz vor 19 Uhr hasten einige Genossenschafterinnen und Genossenschafter der Raiffeisenbank Wasserschloss über den Bahnhofplatz in Richtung Campusgebäude. Drinnen werden sie von den Raiffeisen-Angestellten begrüsst. Stimmengewirr, Lachen, Händeschütteln. Die meisten der Gäste sitzen an ihren Plätzen. Die GV der Raiffeisenbank ist für viele nicht nur ein Anhören von Bilanz, Kundenausleihungen und Jahresgewinn, sondern ein geselliger Anlass mit Reden, kulinarischem Verwöhnprogramm und Unterhaltung. 882 der insgesamt 7545 Mitglieder sind an diesem Freitagabend anwesend. Der Campussaal allein reicht nicht aus, um alle Gäste zu platzieren. Auch im Foyer sitzen sie an weiss gedeckten Tischen. Die Tulpen samt Vasen dürfen später mitgenommen werden. Als Geschenk für den Nachhauseweg warten dann auch Zopf und ein Glas Honig. Doch so weit ist es noch lange nicht.

Kurze GV ohne Fragen

Die GV verläuft ohne Misstöne, die Traktanden werden allesamt ohne Gegenstimmen genehmigt. Die Jahresrechnung mit dem Jahresgewinn von 409 486 Franken ebenso, wie die Verzinsung der Anteilscheine von neu 2,5 Prozent. Verwaltungsratspräsident Patrick Sandmeier bezeichnete 2017 in seinem Bericht als sehr erfolgreiches Wirtschaftsjahr mit einem exzellenten Resultat. Er appellierte an die Gäste: «Wir wollen ihre Hauptbank Nummer 1 sein. Unterstützen sie unsere Strategie und fordern sie unsere Berater heraus.»

Auf die laufenden Strafverfahren gegen den ehemaligen Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz kam Sandmeier ebenfalls zu sprechen und erklärte, dass das Image heftige Kratzer erlitten habe: «Die Strafverfahren richten sich nur gegen Vincenz und Raiffeisen Schweiz. Das Kundengeschäft ist davon nicht betroffen.» Vertraute Werte wie Sicherheit, Beständigkeit und Stabilität – darauf beruhe die Beziehung zwischen Genossenschaftern und Raiffeisen. «Die Raiffeisen-Idee ist kein Auslaufmodell».

Peter Vismara geehrt

Bankleiter Heinz Jäggi erläuterte die Jahresrechnung: Die Bilanzsumme beträgt 719,3 Millionen Franken, Kundenausleihungen in Form von Krediten und Hypotheken belaufen sich auf 607,7 Millionen. Mit 9 Millionen Franken ist der Geschäftsertrag aufgeführt, der Geschäftsaufwand beträgt 5,4 Millionen. «Wir machen den Weg frei», zitierte Heinz Jäggi den Raiffeisen-Slogan und meint dazu: «Der Weg ist nur so gut, wie er unterhalten wird». Dazu wurden sämtliche Fotos der Mitarbeitenden gezeigt. Speziell ausgezeichnet wurde Peter Vismara, der seit 22 Jahren für die Raiffeisenbank tätig ist und im Juni pensioniert wird.

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Kinderchor und «Schösu»

Für die Wahl des Verwaltungsrates amtete der langjährige Brugger Stadtammann Rolf Alder als Tagespräsident. In globo wurden die Bisherigen Astrid Barben, Raphael Haltiner, Lorenz Rothenfluh und Christian Bolt wiedergewählt. Präsident Patrick Sandmeier wurde separat bestätigt.

Die gut 75-minütige GV ist vorbei, der Salat wird serviert, Wein und Wasser ausgeschenkt. Die Gäste unterhalten sich, als das Licht im Saal gedimmt wird. Die 23 Kinder des Kinderchors Brugg treten auf die Bühne und präsentieren eine musikalische «Tagesschau». Alleinunterhalter Schösu aus dem Entlebuch hat seinen Auftritt erst später, nach dem Hauptgang mit Geschnetzeltem, Teigwaren und Gemüse. Der Mann mit der Handorgel singt, reisst einen Witz nach dem andern und spannt auch die Gäste mit ein. Es ist 22.45 Uhr, Schösu verlässt die Bühne, die Cremeschnitten werden serviert. Zopf und Honig warten später beim Ausgang auf ihre Abnehmer.