Windisch/Habsburg

Amsel, Drossel, Fink und Star: Das landete bei den Römern auf dem Teller

Das diesjährige Vindonissapark-Fest legte Fokus aufs Essen – von den alten Römern bis zu den mittelalterlichen Gaumenfreuden auf Schloss Habsburg.

Der Sage nach soll Radbot seinen Habicht, der bei der Jagd verloren gegangen war, auf dem Berg wiedergefunden haben, auf dem dann die spätere Habichts- oder Habsburg ihren Platz gefunden hat. «Die Geschichte der Habsburger ist auch die Geschichte der Falknerei», sagte Falkner Christoph Küpfer. Der war am Sonntag aber nicht mit einem Habicht auf die Habsburg gekommen, sondern mit einem amerikanischen Wüstenbussard. «Ein Habicht wäre angesichts einer so grossen Zuschauermenge viel zu nervös», erzählte er. «Aber dem Wüstenbussard machen viele Leute nichts aus.» Und gross war die Menschenmenge, die sich am Vindonissapark-Fest das Highlight 2019 nicht entgehen lassen wollte und miterlebte, dass «Abraxas», so heisst Küpfers Tier, auch ganz schön eigensinnig sein kann.

Von Angela Dettling alias Anna von Habsburg erfuhren die Besucher, dass die von Küpfer vorgestellte Beizjagd im Mittelalter auch den Frauen erlaubt war. Neun Kinder hatten sie und ihr Mann Rudolf von Habsburg in die Welt gesetzt. Albrecht I. war eines davon. Er brachte es zum deutschen König und wurde 1308 in Königsfelden ermordet.

Vindonissapark-Fest

Vindonissapark-Fest

Angela Dettling alias Anna von Habsburg begrüsste die Besucher.

Bei den Römern landeten Singvögel auf dem Teller

Dort auf dem Areal des später erbauten Klosters war beim Vindonissapark-Fest die Vergangenheit wieder lebendig. Ebenso Thema dort: das Essen. «Amsel, Drossel, Fink und Star – Leckerbissen der römischen Küche» hiess das Motto der erstmals veranstalteten archäologisch-ornithologischen Führung. Dorothea Burkhard und Tom Strebel nahmen Interessierte in die «versunkene Offiziersküche» eines römischen Wohnhauses mit. Was dort an Koch- und Speiseabfällen hinterlassen worden ist, zeigte auf, wie exotisch die römischen Speisen damals waren: Singvögel gehörten dazu. Mit Feldstechern ausgerüstet, konnten die Führungsteilnehmer die Arten im Park entdecken, die dazumal auf dem antiken Speiseplan gestanden haben – lebend natürlich.

Für Projektleiterin Katharina Müller die perfekte Kombination aus Wissensvermittlung und Mitmachaktion. «Hatten wir 2018 mit dem Römerwein einen antiken Höhepunkt, war es dieses Mal mit der Falknerei wieder ein mittelalterlicher», sagte sie. Wobei unsere Vorfahren zwischen Antike und Neuzeit auch nicht immer nur Fleisch assen. Speisen dazumal bestanden auch aus Mehl, Eiern, Käse und Zwiebeln. Davon konnten sich die Besucher überzeugen, die beim mittelalterlichen Kochstand unter Anleitung von Sarah Smolka und Daniel Frei selbst Hand anlegten.

Gekocht wurden «Peterlistrauben» und «Kaiserkrapfen» - zwei Rezepte aus dem vom Museum Aargau herausgegebenen Mittelalter-Kochbuch «Von birn und mandelkern». Über offenem Feuer wurde beides zubereitet. «Wir wollen schon möglichst authentisch sein», meinte Sarah Smolka. Musste dann aber doch einräumen: «Okay, statt dem Schmalz verwenden wir Öl.»

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