Rot-weisses Absperrband und Warnschilder, daneben zwei Fahrzeuge samt Anhänger, darin unzählige Seile und Karabinerhaken. Die Spezialisten stehen auf der alten Aarebrücke in Brugg am Mittwoch, steigen über die Brüstung und seilen sich gut gesichert ab. Es sind Mitarbeiter des Ingenieurbüros Wilhelm + Wahlen aus Aarau, die den Zustand des geschichtsträchtigen Bauwerks unter die Lupe nehmen.

Für solche – spektakulären – Tätigkeiten sind sie zwar ausgebildet und ausgerüstet. Alltäglich sei ein Auftrag dieser Art aber auch für sie nicht, räumen die Männer gut gelaunt ein. Unter dem Brückenbogen haben sie ihre hängende Arbeitsplattform aus Aluminiumträgern installiert. Diese wird Stück für Stück verschoben und die Brückenkonstruktion auf Schäden untersucht.

Keine Überraschungen erwartet

Auslöser der Arbeiten sei das geplante Projekt «Strassenraumgestaltung Vorstadt» des Kantons, erklärt Stefan Zinniker, stellvertretender Leiter der Abteilung Planung und Bau in Brugg. Die alte Aarebrücke, die heute im Besitz der Stadt ist, gehöre zum betreffenden Perimeter. Vorgesehen ist der Einbau eines neuen Belags.

Bei der visuellen Zustandsuntersuchung gehe es nun darum sicherzustellen, dass nicht noch weitere Massnahmen notwendig sind, führt Zinniker aus. Vorgenommen werde bei dieser Gelegenheit ebenfalls eine statische Grobbeurteilung.

Mit grösseren Überraschungen rechnet Zinniker nicht, das Bauwerk sei grundsätzlich in einem guten Zustand. Die Stadt ihrerseits erhalte wieder eine saubere Dokumentation samt Fotos, mit der auch künftige Erneuerungen geplant werden können.

Das Projekt «Strassenraumgestaltung Vorstadt» sowie der entsprechende Kredit soll dann übrigens in diesem Herbst oder im Frühling 2018 ein Thema sein im Einwohnerrat.

Schon Römer hatten Brücke

Die Geschichte der Brücke an der schmalsten Stelle der Aare in Brugg – über die rund 12 Meter breite Schlucht – geht zurück auf die Zeit der Römer. Der Broschüre «Brücken in Brugg – Wanderweg zu Brücken aus verschiedenen Epochen» ist zu entnehmen, dass 1064 die erste mittelalterliche Aarebrücke bestand und dass die Stadt 1577 an dieser tiefen Stelle die erste Steinbrücke bauen liess. Diese war gesichert durch Toranlagen auf beiden Seiten sowie durch den markanten Schwarzen Turm am rechten Ufer.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden die Toranlagen abgebrochen. Die heutige Betonkonstruktion stammt aus den Jahren 1924/25. Übernommen wurde die Gestalt von der historischen Vorgängerin.