«Ich habe als Kind auf der Tanzbühne der Schützenmatt oft den ganzen Nachmittag zu den Klängen der Musikschullehrer wild getanzt. Das war ein Highlight für mich», sagt Marisa Krieg, die Festrednerin am diesjährigen Brugger Jugendfest, zu ihren Kindheitserinnerung. Sie habe sich jedes Jahr auf den Rutenzug gefreut, aber auch auf die anschliessenden Sommerferien.

«Ich weiss bis heute nicht, wie ich zu dieser Ehre gekommen bin», sagt sie. Stadtammann Daniel Moser habe sie angerufen und gefragt, ob sie die Jugendfestrede halten möchte. Sie hat sich Bedenkzeit erbeten. «Ich habe mich natürlich über die Anfrage gefreut, aber ich war mir bewusst, dass dies eine schwierige Aufgabe ist», sagt die ausgebildete Musicaldarstellerin. Nach einer Woche hat sie schliesslich zugesagt.

Die Rede sei eigentlich schon geschrieben. «Aber ich habe grossen Respekt vor diesem Auftritt», sagt Krieg. So nehme sie immer wieder kleinere Anpassungen an ihrem Text vor. Das Ziel ihrer Rede sei, die Kinder anzusprechen. «Es ist natürlich schwierig, alle anzusprechen, wenn die kleinsten Kindergärtler und die grössten Oberstufenschüler zuhören. Ich hoffe aber, dass in jeder Klasse der eine oder andere meine Rede in Erinnerung behält», sagt sie.

Eine Festrede – unter den vielen, die sie gehört hat – ist ihr besonders im Gedächtnis geblieben: Die Lehrerin Denise Widmer hat die Hälfte ihrer Rede gerappt. Das Thema der diesjährigen Rede und ob man auch spezielle Einlagen erwarten darf, will die Bruggerin aber nicht verraten. Marisa Krieg ist als Musicaldarstellerin zwar an Auftritte vor Publikum gewöhnt. Diese Rede ist aber etwas ganz Besonderes für sie: «Normalerweise stehe nicht ich auf der Bühne: Ich spiele eine Rolle. Ich führe die Anweisungen des Regisseurs oder die des musikalischen Leiters aus. Jetzt bin ich auf mich alleine gestellt. Ich stehe ausnahmsweise als Marisa Krieg auf der Bühne. Ich bin jetzt schon nervös.»

Die Musicaldarstellerin ist eine echte Bruggerin. Sie absolvierte ihre gesamte Schulzeit in Brugg. Erst die Kantonsschule besuchte sie in Aarau. Danach studierte sie zwei Jahre lang an der Universität Bern Jus. Dann veränderte sich ihr Weg abrupt: Sie beginnt eine Ausbildung in Hamburg zur Musicaldarstellerin. «Ich habe mich nicht gegen das Jus-Studium entschieden, sondern für die Dreisparten-Ausbildung in Gesang, Tanz und Schauspiel», sagt Krieg.

Beruflich rund um die Welt

Nach verschiedenen Jobs als Sängerin, Schauspielerin und Tänzerin konnte sie 2011 auf einem grossen Kreuzfahrtschiff anheuern. Dieses Schiff nimmt 2000 Passagiere und 800 Crew-Mitglieder auf. Unter der Crew findet sich eine Gruppe von acht Tänzern, vier Sängern, drei Schauspielern und einer Luftartistin. Diese Gruppe hat ein Repertoire von zehn verschiedenen Shows, die im Schiffstheater mit 1000 Plätzen gezeigt werden. «Der Job auf dem Schiff ist eines meiner persönlichen Highlights. Das breit gefächerte Programm geht von Rock- über Schlager- bis hin zu Musicalshows», sagt Krieg zu ihrem Engagement. Sie habe sich eher skeptisch auf diese Stelle beworben, aber nach kurzer Zeit sei sie hell begeistert gewesen und hat noch auf dem Schiff für eine zweite Saison unterschrieben.

Seit einigen Wochen wohnt Marisa Krieg wieder im elterlichen Heim in Brugg, aber schon im August geht es für sie wieder in die weite Welt hinaus. Zuerst wird sie zwei Monate in Berlin verbringen, um die Stücke einzuproben. Danach wird sie fünf Monate auf dem Kreuzfahrtschiff sein. Dieses Mal gehe es Richtung Kanaren. Bis jetzt war sie beruflich schon in Dubai, in der Karibik, in Norwegen, in Portugal und auch schon fast rund um das ganze Mittelmeer unterwegs.

«Für mich ist es ein Traum, so zu arbeiten, und ich bin mir auch bewusst, dass ich dieses Leben nicht als selbstverständlich nehmen darf. Ich habe damit auch nicht gerechnet», sagt Krieg. Es sei auch möglich, dass sie in einem Jahr ohne Job dastehe und etwas anderes machen müsse. Nach der Jugendfestrede freut sich Marisa Krieg darauf, in der letzten Sommerferienwoche einen Musicalworkshop für Kinder in der Tanzschule von Mariella Farré in Brugg zu geben – in der sie selbst Schülerin war.