Prozess

Am Anfang war nur ein besetztes Toi-Toi – dann rastete er aus

Mobile Toilettenhäuschen.

Mobile Toilettenhäuschen.

Ein 35-jähriger Schweizer trank an der Fasnacht 2014 in Brugg nicht nur einen über den Durst. Bei einem Toi-Toi pöbelte er einen 15-Jährigen und dessen Mutter an und drohte ihnen mit dem Tod. Die Quittung bekam er vor dem Bezirksgericht Brugg.

«Es sind Wörter gefallen, die ich hier gar nicht wiederholen möchte», erklärte die Klägerin. «Der Beschuldigte hat mir zudem gedroht, dass er mich schon noch erwischen werde. Ich hatte Angst. Deshalb hat mich auch ein Polizist nach Hause begleitet.» Der Sohn der Klägerin sagte aus, dass der Beschuldigte selbst vor dem Polizeiposten seine Mutter und ihn beleidigt und Drohungen ausgestossen hätte.

Begonnen hatte der Vorfall, zu dem es an der Brugger Fasnacht 2014 gekommen war, bei einem Toi-Toi auf dem Eisi. Der damals 15-jährige Sohn der Klägerin hatte an der Türe des Kabäuschens gerüttelt, in dem sich der Bruder des Beschuldigten befand. Es entspann sich in der Folge ein Wortgefecht, das in eine tätliche Auseinandersetzung ausartete, was die Klägerin veranlasste, die Polizei zu rufen.

Um den Sachverhalt in Ruhe abklären zu können, bestanden die Polizisten darauf, mit den beiden Parteien den Polizeiposten aufzusuchen. Gemäss Anklage beschimpfte der Beschuldigte auf dem Weg zum Posten die Klägerin auf übelste Art und drohte ihr. Selbst als sich Mutter und Sohn im Polizeiposten befanden, soll der Beschuldigte durchs Fenster gerufen haben, dass er «draussen warten» und die Frau und ihren Sohn «umbringen» werde.

«Ich kenne die Vorwürfe», sagte der Beschuldigte vor Gericht. «Ich kann mich aber nicht mehr erinnern. Ich hatte zu viel getrunken. Kollegen haben mir jedoch später gesagt, dass sie nichts von Todesdrohungen gehört hätten. Ich halte es auch nicht für möglich, dass ich so etwas gesagt haben könnte.» Ihm sei «eine Sicherung durchgebrannt» erklärte er. «Ich habe aber niemanden angepöbelt. Vor mir braucht auch niemand Angst zu haben. Ich hoffe auf einen Freispruch.»

Schuldig im Sinne der Anklage

Das Gericht sprach den Beschuldigten jedoch im Sinne der Anklage der mehrfachen Drohung und Beschimpfung schuldig und verurteilte ihn zu einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu 40 Franken sowie zu einer Busse von 200 Franken. Die Staatsanwaltschaft hatte eine unbedingte Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu 50 Franken sowie eine Busse von 500 Franken beantragt.

«Die Aussagen der Kläger und die Wahrnehmungen der Polizei sind Hinweise darauf, dass sich der Vorfall so ereignet hat, wie ihn die Staatsanwaltschaft darlegt», erklärte Gerichtspräsidentin Franziska Roth in der mündlichen Begründung des Urteils. «Bei den Aussagen des Beschuldigten und den Erinnerungslücken, die er geltend macht, handelt es sich nach Ansicht des Gerichtes um Schutzbehauptungen. Der Beschuldigte hat sich nicht einmal durch die Anwesenheit der Polizei von seiner Raserei abhalten lassen.»

Meistgesehen

Artboard 1