Die Parkplatzsuche ist schwierig. Doch die Autolenkerin freut sich darüber: Sie wertet den überfüllten Platz beim Pflegeheim am Süssbach als gutes Omen für viele Gäste. Sie findet den Weg zum Ziel leicht – dank dem Stimmengewirr, das an ihr Ohr dringt. Und da ist er auch schon, der helle Raum, der an diesem Nachmittag ein Tanzcafé ist: Eine Wortschöpfung, die auf alte Schlager und Volksweisen, jedenfalls auf einen Mix verweist, der wunderbar passt für die Gäste, die hier eingetroffen sind. Rund 40 sind es, wovon 20 von auswärts stammen.

«Tanz ist ein weiter Begriff»

Eine Zahl, welche die Veranstalter des Tanzcafés, die Alzheimervereinigung Aargau und das Pflegeheim am Süssbach, freudig überrascht. Die beiden, gemeinsam im selben Haus situierten Institutionen spannen beim Tanzcafé erstmals zusammen. Heike Warnke (Leitung Aktivierung des Pflegeheims am Süssbach) präzisiert: «Tanz ist ein weiter Begriff, es geht bei diesem Anlass wohl eher um Bewegung.»

Heike Warnke hat diesbezüglich Erfahrung: Im Pflegeheim gibt es bereits die offene Gruppe «Musik und Bewegung», an der leicht bis schwer an Demenz Erkrankte teilnehmen. «Wir kennen unsere Bewohner», sagt Warnke, «aber wir kennen die externen Gäste, die wir zum Tanzcafé mit Kaffee und Kuchen ermuntern, nicht», setzt Annemarie Rothenbühler von der Alzheimervereinigung hinzu. «Wir hatten es also mit zwei Ausgangslagen, jedoch einem gemeinsamen Interesse, zu tun», bringen die beiden Frauen ihr Anliegen auf den Punkt. Wer sie fragt, ob Demenzkranke überhaupt in der Lage seien, Anteil zu nehmen am Gebotenen, ist bei den beiden an der falschen Adresse. «Selbstverständlich können sie das», betonen die Frauen, und Annemarie Rothenbühler ergänzt: «Wir müssen uns von der Vorstellung nur unglücklicher Demenzkranker lösen – Menschen mit Demenz empfinden sehr wohl Freude.»

2 Stunden wird getanzt und gesungen

Wie oft hat Annemarie Rothenbühler schon erlebt, wie «die Anspannung bei Demenzkranken nachlässt, wenn sie Musik hören. Diese kann bei ihnen etwas auslösen – selbst wenn es nur ein zartes Fingertippen ist». Dieses «nur» ist aber ein ganzes Universum, wie Annemarie Rothenbühler, Heike Warnke und Samuel Vögeli (Leiter der Alzheimer-Geschäftsstelle) wissen. Aber nun darf man alles beiseiteschieben; jetzt, wo Samuel Vögeli zum Keyboard eilt, alle begrüsst und als Prolog «Hoch auf dem gelben Wagen» singt.

Alle stimmen ein – und dann versucht das erste Paar, wie sich das Parkett anfühlt. Grossartig! «Wer wagt es mit uns?», strahlen freiwillig Helfende die Gäste an. Diese ergreifen bereitwillig Hände – selbst wenn sie im Rollstuhl sitzen. «Que sera, sera; whatever will be, will be» singt Vögeli den Doris-Day-Hit – doch da ist die Atmosphäre schon von beglückender Ungezwungenheit.

Nach zwei Stunden ist die erste Ausgabe des Tanzcafés vorüber. Doch die zweite folgt nach der Sommerpause im August. Und dann? «Nach Absprache mit den Aktivierungsfrauen und den freiwilligen Helfenden planen wir, das Tanzcafé jeden zweiten Monat durchführen», sagt Samuel Vögeli und lächelt. Welche Lieder wird er dann in petto haben?