Brugg

Altstadthäuser werden zusammen saniert – es entstehen acht neue Wohnungen

Die beiden Brugger Altstadthäuser «Kleeblatt» und «zum Chrämer» an der Hauptstrasse 20 und 22 sollen ab kommendem Herbst gemeinsam renoviert werden. Links: Mit einem Laubengang werden die Wohnungen erschlossen. (Visualisierung)

Die beiden Brugger Altstadthäuser «Kleeblatt» und «zum Chrämer» an der Hauptstrasse 20 und 22 sollen ab kommendem Herbst gemeinsam renoviert werden. Links: Mit einem Laubengang werden die Wohnungen erschlossen. (Visualisierung)

Dank Erschliessung von aussen sowie neuen Dachfenstern sollen statt zwei neu acht Wohnungen entstehen.

«Zwei auf einen Tätsch» – so bezeichnet der Bau- und Immobilienberater Werner Fässler das Vorhaben, die beiden Altstadthäuser an der Hauptstrasse 20 und 22 in Brugg gemeinsam zu sanieren. Aus heute zwei Wohnungen sollen neu deren acht entstehen: Sechs 2,5-Zimmer-Wohnungen in den ersten drei Etagen und zwei Maisonette-Wohnungen mit 3,5 Zimmern im Dachstock.

Sein ursprünglicher Wunsch war es, die beiden Gebäude zu verbinden. So hätten grössere Wohnungen entstehen können, etwa für Familien. Der Denkmalschutz machte ihm aber einen Strich durch die Rechnung: Die Brandmauern zwischen den Altstadthäusern sind im Aargau geschützt, daran gibt es offenbar nichts zu rütteln. Wobei: Im Erdgeschoss will er trotzdem einen kleinen Durchgang in der Wand zwischen den heute getrennten Ladenlokalen aufbrechen lassen, um deren Attraktivität zu steigen. «Das probieren wir jetzt einfach und geben das Bauvorhaben mal so ein», sagt er.

Die optisch auffälligste Änderung dürfte der hölzerne Laubengang sein, durch den die Wohnungen von aussen her erschlossen werden sollen. Auf der Rückseite des Gebäudes in Richtung Obere Hofstatt sollen Treppen und ein Lift zu stehen kommen. Die Wohnungen erhalten dadurch auch ein wenig Aussenraum – eine Art kleine Terrasse, auf der morgens die Sonne scheint und wo etwa Blumen stehen könnten.

Herausforderung: Das Licht

Dank der äusseren Erschliessung bleibt mehr Wohnraum im Gebäude drin. Architektin Naomi Hajnos, die mit Werner Fässler schon beim Geschäfts- und Wohnhaus «Süd Point» an der Aarauerstrasse zusammengearbeitet hatte, beschrieb an einer Informationsveranstaltung gestern Donnerstag, wie sie in den langgezogenen Räumen attraktive und vor allem genügend helle Wohnungen schaffen will. Die Schlafzimmer etwa werden bei den Fenstern in Richtung Hofstatt gebaut, wo es auch ruhiger ist. Küche und Wohnzimmer sollen dafür als ein langer Raum zwischen der gläsernen Eingangstüre und den Fenstern in Richtung Hauptstrasse erstellt werden – und so von beiden Seiten her Tageslicht erhalten. Mit 2,5 Zimmern seien die Mietwohnungen für junge Paare oder Alleinstehende gedacht. Dank dem Lift könnten sie auch für Senioren attraktiv werden. «Es ist ein Wohnungstyp, der gemäss Studien in Altstädten Anklang findet», sagt sie.

Gewisse Juwelen aus dem Altbau wie etwa die Kachelöfen würden je nachdem bewahrt und in die neuen Wohnungen integriert, «um die Seele der alten Häuser weiter mitschwingen zu lassen». Die Läden im Erdgeschoss bleiben bestehen, das Lokal im Haus links werde aber verkleinert, damit ein Veloraum entstehen kann – dies eine Auflage der Stadt. Auch das Hofhaus draussen wird durch den neuen Laubengang erschlossen. Es könnte in Zukunft vielleicht zu einem Atelier oder Büroraum umgewandelt werden.

Nur die beiden Maisonette-Wohnungen im Obergeschoss erhalten ein zweites Schlafzimmer, das zuoberst im Estrich eingebaut wird. Wie Werner Fässler sagt, trete er schon lange dafür ein, das gesamte Volumen der Altbauten zu nutzen, vor allem deren Dachstöcke.

«Wohnraumverschwendung» hiess denn auch provokativ ein Projekt von vier Studenten, das die Grundlage lieferte für das jetzige Umbauvorhaben. Ob die Maisonette-Wohnungen aber so realisiert werden können, hängt von der Annahme des neuen Altstadtreglements ab, das wiederum Teil ist der aktuellen Revision der Bau- und Nutzungsordnung, die im Verlauf dieses Jahres im Einwohnerrat zur Abstimmung kommen soll. Erst dann werden neue Dachfenster erlaubt. «Ich hoffe, das neue Reglement tritt endlich in Kraft», sagt Werner Fässler, der gleich mehrere neue Fenster plant.

Mut sei nicht typisch für Brugg

«Ich habe den Eindruck, dass seit einem Jahr ein neuer Wind durch die Altstadt geht. Doch Worte reichen nicht, es müssen Taten folgen.» Die Altstadt zu verändern, hiesse denn auch, Mut zu haben zu neuen Ideen. «Und keine Überregulierung. Da muss ein Umdenken stattfinden», sagt der frühere Gemeindeammann von Umiken und fügt plakativ hinzu: «Wir gehen mutig an die Sache heran. Das ist vielleicht nicht die typische Brugger Mentalität.» Wenn alles nach Plan läuft, erwartet er für Ende Juli die Baubewilligung. Im Herbst nach dem Stadtfest könnte dann mit dem Bauen begonnen werden, das zirka eineinhalb Jahre dauern dürfte.

Die Reaktionen zum Projekt fielen gestern positiv aus: Quartierverein-Co-Präsidentin Nicole Zaugg etwa gab sich erfreut darüber, dass die Ladenflächen bestehen bleiben. Regula Zimmermann von der Erbengemeinschaft Küng erzählte, wie das spärliche Licht immer ein Problem gewesen sei, weshalb die Familie auch entschieden habe, das Haus zu verkaufen. Das Projekt würde dieses Problem aber offenbar gut lösen: «Unsere verstorbene Mutter hätte ihre helle Freude daran gehabt.»

Leichte Kritik kam nur von einem Altstadtbewohner. «Wir müssen probieren, wieder mehr Familien in die Altstadt zu holen», sagte er. Zudem bat er, die Schaufenster umzugestalten, weg von ihrem 60er-Jahre-Groove. «Die Altstadt sollte sich als mittelalterlicher Erlebnisraum präsentieren.»

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