Thalheim
Altes Thalner Dorfgeschirr wird Etage für Etage montiert

Ausgedientes Geschirr gehört in die Brocki? Von wegen. Die Landfrauen stellen aus Dorfgeschirr Etagèren her. Wie genau das Geschirr damals an die Gemeinde gelang, bleibt rätselhaft.

Barbara Schlunegger
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Liliane Wernli mit einer Etagère aus Thalner Dorfgeschirr.

Liliane Wernli mit einer Etagère aus Thalner Dorfgeschirr.

Barbara Schlunegger

Geschirr ist in erster Linie praktisch. Dank dem Teller steht das Essen nicht direkt auf dem Tisch. Ähnlich verhält es sich bei der Tasse oder dem Glas: Beide sorgen dafür, dass unser Getränk dort bleibt, wo wir es hineingeschüttet haben. Dass Geschirr aber weitaus mehr kann, als nur nützlich zu sein, zeigen die Landfrauen Thalheim. Für ihre «Kafistube» des Dorffestes, das vom 27. bis zum 29. Juni dauert, stellen sie aus altem Thalner Geschirr kunstvolle Etagèren her.

Der Begriff kommt aus dem Französischen. Er bezeichnet Gestelle aus üblicherweise drei übereinanderliegenden Tellern, durch deren Mitte ein Metallgestänge gebohrt wird. Darauf präsentiert werden beispielsweise Süssigkeiten. Theoretisch können für Etagèren alle möglichen Teller benutzt werden. «Ich schaue aber jeweils, dass sie farblich miteinander harmonieren», sagt Liliane Wernli, Vorstandsmitglied und Deko-Verantwortliche.

An wen wende ich mich mit meinem alten Dorfgeschirr?

Haben Sie noch traditionelles Thalner Dorfgeschirr, das Sie den Landfrauen für die Etagèren zur Verfügung stellen würden?

Wenden Sie sich an:

Liliane Wernli
Neumatt 373
5112 Thalheim
Tel.: 056 443 29 40 / 079 296 45 47
E-Mail: l.wernli@haerdi-ag.ch

Als Belohnung dürfen Sie die montierte Etagère aus Ihrem alten Geschirr nach dem Dorffest mit nach Hause nehmen. (bab)

Speziell an den Etagèren der Thalner Landfrauen wird sein, dass 60-jähriges Dorfgeschirr verarbeitet wird. Die Landfrauen riefen im April in der «Thalner Dorfzytig» die Bevölkerung dazu auf, altes Thalner Geschirr den Landfrauen für die Dekoration zur Verfügung zu stellen. «Die Resonanz war ernüchternd; bisher erhielten wir nur zwei Reaktionen», erzählt die 56-Jährige sichtlich enttäuscht.

Es könne daran liegen, dass die Leute ihr traditionelles Dorfgeschirr nicht durchbohren lassen wollen. «Das verstehen wir aber völlig», so die Landfrau. Der emotionale Wert sei halt doch nicht zu unterschätzen. Aufgrund der mangelnden Menge an Dorfgeschirr würden jetzt auch normale Tassen und Teller verwendet werden, fügt sie an.

Ein Geschirr-Set für jeden Gast
Mit dem Thalheimer Geschirrset hat es folgende Bewandtnis: Vor etwa 60 Jahren wurde ein Behördentreffen aller Schweizer, Österreicher und Deutscher Thalheims einberufen. Diese Tradition wird bis heute in unregelmässigen Abständen weitergeführt. Bei dieser Gelegenheit wurde damals jedem Gast ein Set Geschirr als Andenken geschenkt. Auf den einzelnen Stücken wie Teller und Tasse prangte die Thalner Dorfkirche und der Schriftzug «Thalheim im Schenkenbergertal». Etwa 20 Jahre später war das Dorfgeschirr auch für alle Anwohner erhältlich. «Wobei sich das Sujet bei der zweiten Ausgabe etwas veränderte», erklärt Wernli.

Doch woher kommt das Geschirr? Für die az hat sich die Landfrau auf Spurensuche begeben. Sie fand heraus, dass das Geschirr von einer gewissen Firma Ottlinger im Kanton St. Gallen hergestellt wurde. «Im Handelsregister fand ich einen Eintrag von 1965, der etwa 30 Jahre später wieder erlosch», erzählt sie. Bei Streifzügen durch diverse Brockenstuben hat Wernli weiteres Geschirr der Firma entdeckt - jedoch von anderen Dörfern.

Auch Veltheim, Oberflachs sowie Kölliken können eigenes Dorfgeschirr vorweisen. Wernli hat eine Vermutung: «Ich denke, dass diese Firma vor 60 Jahren die einzelnen Gemeinden anfragte, ob sie ein individuelles eigenes Dorfgeschirr bestellen möchten.»

Auf die Idee mit den Etagèren aus dem Traditionsgeschirr kam Wernli übrigens, als sie bei ihrer Schwiegermutter Teller und Tassen mit der Thalner darauf Kirche entdeckte. «Es existieren auch noch Kuchenplatten sowie Vasen und Schmuckdöschen», erklärt die Thalnerin. Diese werden aber nicht verarbeitet - sie werden an der «Kafistube» lediglich als Dekoration dienen.