Nostalgielok

Altes Seetal-Krokodil kriecht bald wieder topmodern über die Schienen

Die modernisierte Elektrolok im Bahnpark Brugg mit den Promotoren Walter Forrer (links), Präsident des Vereins Seetal-Krokodil, und Gregor Tomasi, Präsident der Stiftung Bahnpark Region Brugg.Emanuel Freudiger

Die modernisierte Elektrolok im Bahnpark Brugg mit den Promotoren Walter Forrer (links), Präsident des Vereins Seetal-Krokodil, und Gregor Tomasi, Präsident der Stiftung Bahnpark Region Brugg.Emanuel Freudiger

Eine 88-jährige Elektrolok der Seetalbahn ist im Bahnpark Brugg auf den neusten Stand gebracht worden. Nur drei dieser roten Krokodile wurden gebaut. Und nur diese eine ist nicht verschrottet worden.

Die roten Seetal-Krokodile waren einzigartig, nur drei Stück liessen die SBB bauen und setzten sie ab 1926 von Lenzburg nach Luzern und bis Beromünster ein. Allerdings nicht zur Beförderung von Personen auf der gefährlichen Strassenbahn, sondern für den Güterverkehr.

Die 73 Tonnen schweren Krokodile sind speziell für das Seetal konstruiert worden. «Konkret für enge Radien, hohe Lasten und extreme Steigungen von bis zu 33 Promille – ohne Zahnradbetrieb.» Das sagt Walter Forrer, Präsident im Verein Seetal-Krokodil 15301. Der langjährige FDP-Grossrat aus Oberkulm weist auf die stillgelegte Bergstrecke von Beinwil am See nach Reinach hin.

Nur eine der drei Lokomotiven ist vor der Verschrottung gerettet worden. Zum Glück, wie sich aus den leuchtenden Augen von Bahn-Nostalgikern leicht ablesen lässt. Denn da steckt noch währschafte und bewährte Maschinenbau-Technik drin, hergestellt von legendären Pionieren ihrer Zeit: der Schweizerischen Lokomotiv- und Maschinenfabrik (SLM) in Winterthur und Brown Boveri (BBC) in Baden.

Vier Jahre lang war das Seetal-Krokodil nicht mehr an der frischen Luft unterwegs. Denn bei der Sicherheit macht der Bund keine Abstriche, auch nicht gegenüber derart alten und hohen Tieren. Einer langjährigen Renovation für über 230'000 Franken und zahllosen Frondienststunden folgte bald die nächste Erneuerung.

«Trotz ihres hohen Alters musste unsere Lokomotive mit den neusten Sicherungssystemen ausgerüstet werden», betont Forrer. Das sei auch für eine engagierte und kompetente Arbeitsgruppe unter Vizepräsident Markus Rickenbacher höchst anspruchsvoll gewesen.

Das rote Krokodil hat die strenge Prüfung durch das Bundesamt für Verkehr bestanden, was jetzt gefeiert wird. Fahrten gibt es erst 2015 wieder, aber der Verein hält im Rundschuppen am 25. Oktober seine GV ab und lädt alle Interessierten am frühen Nachmittag zu einer noch geheimen Attraktion ein.

Grösster Bahnpark im Land

Die Besitz- und Wohnverhältnisse der roten Nostalgielok sind kompliziert: Eigentümerin ist die Oensingen-Balsthal-Bahn (OeBB), für Betrieb und Unterhalt sorgt der Verein Seetal-Krokodil, und stationiert ist sie im Bahnpark Brugg. Vor 100 Jahren arbeiteten hier über 150 Lokführer, Heizer und Depotarbeiter. Die grossen Dampflokomotiven mussten auch über Nacht mit Kohle befeuert werden, weil die Aufwärmzeit bis zu 17 Stunden dauerte.

Mit seiner Pension hat der ehemalige Lokführer und Brugger Stadtrat Gregor Tomasi die Stiftung Bahnpark Region Brugg ins Leben gerufen. Obwohl die Stiftung selber keine Fahrzeuge besitzt, sei hier das grösste und lebendigste Lokomotiv-Museum der Schweiz.

Man fühlt sich im alten Depot an der Unterwerkstrasse auf Anhieb im richtigen Film, es riecht nach Diesel, Öl und Rauch, die Decken sind schwarz vom Kohledampf. Da steht auch die Spanisch-Brötli-Bahn, die 1847 auf der Strecke Baden–Zürich das Bahnzeitalter im Land eingeläutet hat. Daneben die grösste und schnellste Dampflok der SBB, ein Koloss von 110 Tonnen und mit 1500 Pferdestärken.

Zum Saisonschluss zeigt der Bahnpark Brugg am Samstag und Sonntag, 25. und 26. Oktober, gemeinsam mit dem Verein Seetal-Krokodil und dem Brugger Modelleisenbahnclub, alte Bahntechnik, die noch bestens funktioniert.

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