Mauerbau
Altes Rebland-Kulturgut von Windisch wird gerettet

In den Lindreben wird gegenwärtig eine 60 Meter lange Trockenmauer saniert und durch Zivildienstpflichtige zur Hälfte wieder neu aufgebaut.

Edgar Zimmermann
Merken
Drucken
Teilen
Kalkstein um Kalkstein wird die Trockenmauer bis auf 1,6 m Höhe aufgebaut. NN

Kalkstein um Kalkstein wird die Trockenmauer bis auf 1,6 m Höhe aufgebaut. NN

Windisch besass im Mittelalter verschiedene Rebberge; der grösste befand sich am Reuss-Prallhang. Uralt sind auch, wie es schon der Flurname besagt, die Lindreben, der Hang zwischen Lindhof und Mülligerstrasse. Schon das Kloster Königsfelden liess hier durch den Eigenbesitz Lindhof Reben wachsen. Es ist anzunehmen, dass der steile Hang schon damals durch Trockenmauern gesichert und terrassiert wurde. In den 60er Jahren endete die Rebwirtschaft. Noch heute aber finden sich mehr oder weniger gut erhaltene Mauern und Mauerreste im Hang.

Die mit 60 Meter Länge zweitlängste Mauer steht an der oberen Grenze der Parzelle von Walter Spillmann in der steilsten Lage und ist mit 1,6 m Höhe die höchste. Genau gesagt: Sie war es. Denn der obere Mauerbereich war im Laufe der Zeit infolge des Hangdruckes eingestürzt, mit Humus überdeckt und überwuchert worden. Der Eigentümer sah sich nach Sanierungsmöglichkeiten und einer finanziell tragbaren Lösung um. Und wurde fündig.

Naturwerk übernimmt Aufgabe

Der in Brugg domizilierte Verein Naturwerk führt schwergewichtig im Aargau gemeinnützige Aufgaben im Bereich Umwelt- und Naturschutz sowie Landschaftspflege durch. Dabei möchte er aber auch die soziale Verantwortung gegenüber Mitmenschen wahrnehmen. So bietet er Einsatzmöglichkeiten für Zivildienstpflichtige, Stellenlose, aber auch Schüler, Vereine und andere Interessierte.

Er hilft beispielsweise bei der Pflege und Aufwertung von Feuchtgebieten, Trockenwiesen, Weihern, Bächen, Hecken und der Pflege von Kulturgütern. Zu diesen zählen die Trockenmauern, welche zum Charakter einer Kulturlandschaft gehören und Zeugen vergangener Zeiten sind. Sie sind aber auch Biotope für Flora und Fauna und fördern die Artenvielfalt. Das Lindreben-Projekt läuft denn auch unter dem Konzept «Rosen & Reptilien». Denn in unmittelbarer Nähe befinden sich Reptilienstandorte von kantonaler Bedeutung. Die Mauer wird zur Vernetzung beitragen. Involviert ist seitens der Gemeinde sodann der für die Heuwiesen zuständige Ruedi Bättig.

Der Kostenvoranschlag für die Sanierung der Trockenmauer geht von einem Aufwand von 51000 Franken aus. Der Kanton übernimmt 45 Prozent der Kosten. Weitere Beiträge leisten die Familie-von-Tobel-Stiftung, die Sophie-und-Karl-Binding-Stiftung sowie die Ernst-Göhner-Stiftung. Der Landeigentümer beteiligt sich ebenfalls an den Kosten, und das Naturwerk sponsert die Planungsarbeiten.

Zivildienstpflichtige im Einsatz

Sechs Zivildienstpflichtige stehen derzeit unter der Leitung von Beat Utiger während dreier Wochen im Einsatz, um die Trockenmauer in den Windischer Lindreben wiederaufzubauen oder instand zu setzen.

Ein Teil der bisherigen Steine konnte wieder verwendet werden. Mehr als 30 Tonnen helle und frostsichere Kalksteine wurden jedoch von auswärts beschafft. An Ort werden sie je nach Bedarf noch behauen und dann aufgeschichtet, was an die Bautechnik erhebliche Anforderungen stellt. Denn ohne Mörtel muss eine stabile Mauer entstehen, die in leichter Schräglage dem Hangdruck gewachsen ist. Wichtig ist auch eine starke, breite und tiefe Fundation. Wo die alte Mauer noch weitgehend intakt ist, wird sie ausgebessert und vom Gestrüpp befreit.

Trockenmauern gelten schweizweit als gefährdet. Erfreulich, dass eines dieser kulturhistorischen Relikte in den Lindreben gerettet wird. Reben werden auf dieser heute als artenreiche Heuwiese geltenden Parzelle allerdings nicht mehr angebaut. Walter Spillmann kann sich aber an die Rebenzeit noch erinnern, und er besitzt zudem noch eine Etikette des hier gezogenen Schürhof-Weines mit dem Namen «Lindrebler».