Lupfig
Altersheim-Entlassungen: «Die jagen einen noch zum Teufel hier»

Gleich acht Mitarbeiter wurden diese Woche im Haus Eigenamt freigestellt. Diese Entlassungen im Altersheim beschäftigen die Bewohner – wie ein Besuch im Kafi Eigenamt zeigt.

Claudia Meier
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Das Pflegeheim in Lupfig verfügt über 53 Betten und rund 100 Arbeitsplätze. Am Montag sind acht Mitarbeitendeper sofort freigestellt worden.

Das Pflegeheim in Lupfig verfügt über 53 Betten und rund 100 Arbeitsplätze. Am Montag sind acht Mitarbeitendeper sofort freigestellt worden.

Claudia Meier

Es herrscht reges Treiben am Mittwoch kurz vor halb zwölf im Haus Eigenamt in Lupfig. Die Stimmung ist gut. Einige Bewohner sitzen bereits am Tisch – begehrt sind die Fensterplätze – und warten auf ihr Mittagessen. Andere kommen mit dem Rollator und werfen zuerst einen Blick auf das Salatbuffet neben dem Empfang. «Das Essen hier sieht nicht nur frisch aus, es schmeckt auch wunderbar», sagt eine Frau und schöpft vom Randen-, Gurken- und Blumenkohlsalat. Den Grünen Salat möge ihre Tischnachbarin aber nicht, verrät sie. Bei den meisten Bewohnern kommt das Servicepersonal zu Hilfe und bringt den Salat oder das Apfelmus und anschliessend die Suppe, den Hauptgang sowie eine Frucht direkt an den Tisch.

Gleich an mehreren Tischen dreht sich das Gespräch um das alles dominierende Thema dieser Woche: Die überraschende Freistellung der acht Mitarbeitenden – vorwiegend aus der Chefetage – haben die Bewohnerinnen und Bewohner noch nicht verdaut. «Die jagen einen noch zum Teufel hier», sagt eine Seniorin zu ihrem Gegenüber.

Aus verschiedenen Richtungen vernimmt die Besucherin, die soeben den Salat gegessen hat und mittlerweile vor der Pilzschnitte – dem Wochenhit – sitzt, wie über den Vorstand, den guten Abwart, den Rücktritt des Lupfiger Gemeinderats Antonino Vecchio und die Aufgaben der Trägergemeinden gesprochen wird. «Schau, Frau Meier am Empfang ist noch da!», sagt ein Mann erleichtert zu seinem Tischnachbar.

Irene Ulmann hat sich eingerichtet

Martin Plüss hat am Dienstag interimistisch die Aufgaben der Geschäftsführung übernommen.

Martin Plüss hat am Dienstag interimistisch die Aufgaben der Geschäftsführung übernommen.

Claudia Meier

Angehörige und Bewohner wurden am Dienstagmorgen per Brief über die Entlassungen im Altersheim informiert. Plüss stellte sich anschliessend bei allen Bewohnern persönlich vor. Es ist fünf vor zwölf: Strammen Schrittes marschiert Vorstandspräsident Tobias Kull vom Altersheimverein ins Kafi Eigenamt. Er grüsst kurz und verschwindet bei Irene Ulmann im Büro. Die Bewohner erwidern den Gruss. «Oh, Herr Kull ist wieder da. Was das zu bedeuten hat?», fragt jemand. Kull ist Mitglied des Gemeinderats Birr.

Kein Freizeitprogramm

Hinter vorgehaltener Hand und aus verschiedenen Quellen erfährt man von der grossen Unsicherheit, die sich beim Personal breitmacht. Auf kritische Fragen von Bewohnern will eine Angestellte nicht richtig eingehen. Zu gross sei die Gefahr, dass viele Ohren mithören. Am Anschlagbrett hängt ein Zettel, auf dem sich Christine Geiser als Küchenleiterin nach 12 Jahren im Haus Eigenamt von den Bewohnern verabschiedet. Sie habe eine Veränderung gesucht, steht da.

Diese Woche gibt es offenbar kein spezielles Freizeitangebot. Das aufgehängte Programm ist von vergangener Woche. Nach den Entlassungen am Montag scheinen noch nicht alle Arbeiten reibungslos von Stellvertretern übernommen worden zu sein.

Bei einem Kaffee sagen Irene Ulmann und der interimistische Geschäftsführer Martin Plüss, dass man jetzt wieder Ruhe ins Haus bringen und die vielen offenen Fragen beantworten wolle. Auch wenn es in diesen Tagen viel Tumult gibt im Haus Eigenamt, scheinen sich die Bewohner wohl zu fühlen. Freie Betten können problemlos besetzt werden. Eine Frau hat zwei Bekannte, die schon lange einziehen möchten.

Beim Verlassen des Altersheims fällt der Blick der Besucherin auf ein Gestell neben der Haupttüre, auf dem Handarbeiten von Bewohnern wie Halsketten und Pulswärmer zum Verkauf angeboten werden.