Das Haus Eigenamt in Lupfig kommt nicht zur Ruhe. Die Verfasser des offenen Briefs – ehemalige Mitglieder des Vereinsvorstands, der Baukommission oder der Gemeinderäte – geben sich mit den Antworten des Vorstands vom Altersheimverein Eigenamt nicht zufrieden.

Die Briefautoren aus den vier Trägergemeinden Birr, Birrhard, Lupfig und Scherz kommen zum Schluss, dass sich der Vorstand in den letzten Jahren immer stärker in die operative Leitung des Heims eingemischt habe, obwohl diese gemäss Organisationsreglement an die Geschäftsleitung delegiert ist.

Durch diese Zusammenführung der Management-, der Aufsichts- und der Strategiefunktion habe der Vorstand den Heimangestellten jegliche «Schlichtungsinstanz» entzogen.

«Das führte mit der Zeit logischerweise zu unüberbrückbaren Konflikten», schreiben Kurt Eggimann aus Birrhard, Ernst Seeberger und Ernst Wüst, beide aus Lupfig, im Namen der 22 Briefautoren.

Den Angestellten sei folglich nichts anderes übrig geblieben, als sich an die Trägergemeinden zu wenden, um auf Fehlentscheide dieser «Amateur-Feierabendfunktionäre» zu reagieren. Daraus sei nun acht Mitarbeitenden ein Strick gedreht worden und sie wurden vor drei Wochen freigestellt.

Hohe Personalfluktuation

Die ehemaligen Vorstands- und Behördenmitglieder räumen ein, dass sie alle auch einmal Amateur-Funktionäre waren. Im Gegensatz zum aktuellen Vorstand hätten sie sich aber nicht angemasst, «eine 100-köpfige Profitruppe zu führen». Der Betrieb des Pflegeheims mit 53 Betten und rund 100 Angestellten ist laut Vorstand – auch nach den Freistellungen – nicht gefährdet.

«Die zwischenzeitlichen Erfahrungen sprechen da leider eine ganz andere Sprache», halten die Verfasser des offenen Briefs entgegen. Sie erwähnen den nicht eingerichteten Pikettdienst, vorschriftswidrige Medikamentenabgabe durch nicht qualifiziertes Personal sowie fehlende Sturzprotokolle.

Acht Entlassungen im Altersheim Eigenamt: Eine Mitarbeiterin erzählt.

Acht Entlassungen im Altersheim Eigenamt: Eine Mitarbeiterin erzählt.

Die Briefautoren kritisieren den vierköpfigen Vorstand zudem, da er bei der «fragwürdigen Entlassungswelle wenig Sozialkompetenz bewiesen» habe, indem er zuerst die Presse, dann die betroffenen Mitarbeiter und erst am Schluss die Trägergemeinden informiert hat.

In seiner Stellungnahme wies der Vorstand auch auf die beträchtliche Fluktuationsrate hin, die sich unter der Führung zweier mittlerweile entlassener Geschäftsleitungsmitglieder ereignet habe. Bei einem Personalbestand von insgesamt 100 Angestellten gab es letztes Jahr 35 Personalmutationen.

Diese Zahl stimme, sagt Christiane Serve, freigestellte Pflegedienstleiterin und ehemaliges Geschäftsleitungsmitglied. Mitgezählt seien hier aber auch die zahlreichen Aushilfen und temporär Angestellten.

Dass sie für Kündigungen mitschuldig sein soll, kann Serve nicht verstehen. «Bei den Angestellten, die selber kündigten, haben wir immer nachgefragt, ob der Entscheid mit dem Personal zusammenhängt. Die Antwort lautete stets: ‹Nein›», betont Serve.

Altersheim-Streit in Lupfig: Darum hatte Fredi Bärtschi hat genug vom Vorstand (Tele-M1-Bericht vom März 2015).

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Mit externem Berater arrangiert

Mit dem externen Berater Klaus Schwald, der bis Ende 2014 temporär für die Finanzen in der Geschäftsleitung Einsatz hatte, haben sich Christiane Serve und Doris Kohler nach eigenen Angaben gut arrangiert, obwohl sie nicht immer gleicher Ansicht waren.

Serve und Kohler arbeiteten während 12 Jahren in der Pflege im Haus Eigenamt und kamen in die Geschäftsleitung, nachdem Heimleiter Martin Hüppi das Altersheim 2013 verlassen hatte.

Christiane Serve packte mit Unterstützung des Hauses Eigenamt die Heimleiterausbildung an, die sie im Frühjahr abschliessen wird. Es sei aber immer klar gewesen, dass sie diese Ausbildung für die eigene Weiterbildung mache und nicht, um das Haus Eigenamt eines Tages zu führen, sagt sie.