Lupfig

Altersheim-Angestellte sorgen sich um die Pflegequalität

Nach den überraschenden Freistellungen am Montag scheint im Haus Eigenamt in Lupfig einiges schiefzulaufen. (Archiv)

Nach den überraschenden Freistellungen am Montag scheint im Haus Eigenamt in Lupfig einiges schiefzulaufen. (Archiv)

Acht Mitarbeitende des Altersheim Eigenamt wurden per sofort freigestellt. Seither ist die Welt nicht mehr in Ordnung. Das Personal fühlt sich im Stich gelassen und will die Freistellungen im Haus Eigenamt nicht akzeptieren.

Das Chaos im Haus Eigenamt in Lupfig scheint gross zu sein: Berichtet wird von verteilten Medikamenten, die nicht kontrolliert wurden, nachdem sie eine Schülerin mit wenig Erfahrung gerichtet hatte.

Die Nachtwache am Donnerstag habe nicht gewusst, wer für das Pflegeheim Pikettdienst hat und habe auch nirgends eine entsprechende Telefonnummer vorgefunden. Beobachtet wurde offenbar auch, dass Verbände nicht gewechselt wurden.

Nach der überraschenden Freistellung des sechsköpfigen Personalausschusses sowie der Pflegedienstleiterin und der Bereichsleiterin Demenz am Montag (die az berichtete), stand noch am gleichen Tag ein neuer Pflegedienstleiter auf der Matte. Von Donnerstag bis Sonntag hat er frei, muss aber einen 24-Stunden-Pikettdienst abdecken. Ein Angestellter lässt abklären, ob der in Zug wohnhafte neue Mitarbeiter während dem Pikettdienst innerhalb einer halben Stunde in Lupfig sein könnte.

Acht Entlassungen im Altersheim Eigenamt: Eine Mitarbeiterin erzählt.

Acht Entlassungen im Altersheim Eigenamt: Eine Mitarbeiterin erzählt.

Das verbleibende Personal sei bis heute von offizieller Seite nicht über die Entlassungen informiert worden, sagt Martin Müller, Bereichsleiter Aktivierung. «Wir stehen im Regen.»

Wiederholt sei erfolglos versucht worden, von Tobias Kull und Irene Ulmann vom Altersheimvorstand Erklärungen für die schwierige Situation zu bekommen.

Der interimistische Geschäftsführer Martin Plüss habe am Donnerstag mit einzelnen Angestellten gesprochen, sagt Müller, der seit eineinhalb Jahren in einem 60-Prozent-Pensum im Haus Eigenamt tätig ist.

Personal ist überfordert

Für über 15 Mitarbeitende im Haus Eigenamt ist dieser Zustand unhaltbar. In einer gemeinsamen Erklärung machen sie ihrem Unmut Luft. Von den Kündigungen seien langjährige Mitarbeitende aus den Bereichen Pflege, Empfang, Sekretariat, Aktivierung und Geschäftsleitung betroffen. Das Personal, die Bewohner sowie die Angehörigen seien verunsichert. Nicht nur den Freigestellten, sondern auch den noch Angestellten sei die in diesem Zusammenhang mehrfach erwähnte Strategie nicht bekannt. «Unser Konzept beziehungsweise unsere Strategie besteht aus Respekt, Wertschätzung, und würdevollem Umgang mit Bewohnern und dem Personal. Dies wird im Haus Eigenamt gelebt», schreiben die Angestellten in ihrer Stellungnahme weiter.

Durch diese Kündigungen sei ein Riesenloch ins Team gerissen worden, das nicht einfach geschlossen werden könne. Aus ihrer Sicht gebe es keine Vergehen, die eine solche Massenkündigung erklären können. «Das verbleibende Personal muss diese Last tragen und tut dies zum Wohle der Bewohnerinnen und Bewohner unseres Hauses so gut es geht.» Der bisher gute Ruf des Altersheims sei vor allem der Pflegedienstleiterin Christiane Serve und der Bereichsleiterin Demenz, Doris Kohler, zu verdanken, sind sich die Angestellten einig.

Der Vorstand sprach am Montag von einem reibungslosen Übergang zum neuen Geschäftsführer. Das stimme überhaupt nicht, sagen die Angestellten. «Das Personal ist überfordert – auch emotional. Daraus können Fehler und grosse Nachteile für unsere Bewohner entstehen.» Die Pflege sei nicht mehr sicher gewährleistet.

Und genau diese Bedenken äussert auch eine Online-Kommentarschreiberin: «Meine Geschwister und ich waren immer sehr glücklich, unseren Vater unter fachlich kompetenter Pflege zu wissen.» Nach diesen «unmöglichen Kündigungen» hätten sie aber ernsthafte Bedenken, ihren Vater unter der Obhut des Hauses Eigenamt zu lassen. «Wir überlegen uns, nach möglichen Alternativen zu suchen», so das Fazit.

Fredi Bärtschi ist Hausarzt und Belegarzt im Haus Eigenamt. Er kümmert sich um zirka 25 Patienten – inklusive Demenzstation – im Pflegeheim mit 53 Betten. Bärtschi ist seit einen Jahr Vorstandsmitglied im Altersheimverein Eigenamt. Er ist der Einzige im fünfköpfigen Gremium, der die Freistellung der acht Mitarbeitenden nicht unterstützt hat.

Zu den Bedenken in Sache Pflege sagt Bärtschi: «Als Vorstandsmitglied mit dem Ressort Gesundheit- und Qualitätswesen kann ich mich zu den Qualifikationen des neu angestellten Pflegedienstleiters und des Pflegepersonals nicht äussern, da ich bei diesen personalpolitischen Entscheidungen nicht involviert beziehungsweise befragt wurde.» Nach Rücksprache mit seinen Berufskollegen könne er aber versichern, dass die ärztliche Verantwortung gegenüber den Patienten selbstverständlich wahrgenommen werde.

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