Umiken
Alt-Gemeindeammann Werner Fässler: «Ich spüre noch zu wenig Herzblut»

Alt-Gemeindeammann Werner Fässler über Fusionserfahrungen und die aktuelle Zusammenschlussdebatte.

Janine Müller
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Werner Fässler ist alt Gemeindeammann von Umiken und setzt sich nun für die Fusion von Brugg und Schinznach-Bad ein.

Werner Fässler ist alt Gemeindeammann von Umiken und setzt sich nun für die Fusion von Brugg und Schinznach-Bad ein.

JAM

Sechzehn Jahre war Werner Fässler im Umiker Gemeinderat, acht davon als Gemeindeammann. In dieser Zeit gleiste er mit dem damaligen Brugger Stadtammann Rolf Alder die Fusion auf. Per 1. Januar 2010 gehörte Umiken dann zu Brugg. Oder wie Fässler augenzwinkernd sagt: «Seit dann geht es den Bruggern besser.» An offiziellen Anlässen trägt er gerne seine rot-gelbe Umiker Krawatte, «um die Brugger etwas zu ärgern». Der alt Gemeindeammann führt noch heute die Leute gerne durch seine ehemalige Gemeinde. Dabei spürt man rasch, dass ihm Identität und Gemeinschaftsgefühl wichtig waren und sind.

Im Gespräch mit der AZ will er aber vor allem das Thema Fusion besprechen und nimmt dabei Bezug auf die Zusammenschlussabklärungen von Brugg und Schinznach-Bad. Um die Vorteile aufzuzeigen, blickt er zurück auf die Fusion Brugg-Umiken. So meint Werner Fässler: «Wenn ich den Alltag betrachte, hat sich auf den ersten Blick kaum etwas verändert.» Dennoch weiss er so einige Vorzüge aufzuzählen. «Wir haben jetzt eine effiziente und kundenfreundliche Verwaltung. Die Professionalität ist höher», sagt er. Zufrieden zeigt er sich auch mit der Feuerwehr oder mit dem Bauamt, das die nötigen Ressourcen und Maschinen habe. «Und nicht zuletzt haben wir finanzielle Sicherheit und einen tieferen Steuerfuss», sagt Fässler, fügt dann aber rasch an: «Es ist allerdings eine Fehlüberlegung, wenn man nur wegen des Steuerfusses fusionieren will.»

Das Engagement ist entscheidend

Politisch sei Umiken in der Stadt ebenfalls gut vertreten. «Bei den Einwohnerratswahlen vor acht Jahren wurden alle Kandidaten von Umiken gewählt. Wir wurden politisch nicht abgesägt», betont er. «Und jetzt kandidiert sogar, nicht chancenlos, eine Umikerin als Stadtammann.» Diesbezüglich platziert er eine Aufforderung an die Einwohnerräte aus Umiken: «Ein Umiker Einwohnerrat sollte am 1. Dezember nicht Nein stimmen zur Fusion.» Fazit: Fässler bereut es nicht, dass er «den Fusionszug Brugg-Umiken frühzeitig angeschoben hat» und dieser «rechtzeitig im Bahnhof Brugg eingefahren ist».

Im Gespräch betont Fässler immer wieder, wie wichtig in all diesen Prozessen das Engagement aller ist. Nur so könne Identität erhalten bleiben. Und genau das rät er auch den Menschen in Schinznach-Bad: «Man muss daran arbeiten, es braucht Engagement. Eine Gemeinde funktioniert dann, wenn es Vereine gibt.» Es sei wichtig, dass sich die Menschen kennen. Auch nach einer Fusion brauche es «den Willen der Bevölkerung, dabei zu sein und das Mitspracherecht zu nutzen».

So findet er, dass die dazugestossenen Gemeinden durchaus aufmüpfig sein und Forderungen stellen dürfen. Das haben die Umiker gemacht. Fässler meint, dass es höchste Zeit ist, dass die Umiker wieder eine Art Aula erhalten, wo sich die Vereine treffen können. Hier brauche es vom Brugger Stadtrat Grösse und das Signalisieren der Bereitschaft, Geld in einen solchen Raum investieren zu wollen. «Verbessern müsste sich dringend auch der Informationsfluss. Ein Informationsblatt seitens der Stadt würde schon reichen», meint Fässler. «Dann wüssten die Menschen Bescheid, was in Lauffohr, in Altenburg und im Zentrum läuft. Die Einwohner würden realisieren, dass die Quartiere leben.»

Richtung Fusionsgegner in Schinznach-Bad hebt Werner Fässler den Mahnfinger. «Wenn Gemeinden die Ämter nicht mehr bestellen können, dann werden sie plötzlich fremdbestimmt. Darum sollen die Leute lieber jetzt bestimmen, was mit ihrer Gemeinde passiert. Ansonsten wird es irgendwann der Kanton tun.» Dass die Gegner der Fusion überhaupt Aufwind erhalten haben, ortet Fässler in der fehlenden Kommunikation. Die Gegner dürfe man nicht einfach kaltstellen, sondern müsse sie ernst nehmen. «Ich vermisse, dass der Dialog nicht gesucht wird, dass man nicht aufeinander zugeht. Zurzeit ist die Diskussion nur polemisch», kritisiert er.

«Beispielsweise die Behauptung, dass der Steuerfuss in Brugg wegen der Fusion mit Umiken hochgeschraubt wurde. Das stimmt einfach nicht.» Es sei schlecht, wenn solche Unwahrheiten verbreitet werden. «Und ich spüre seitens der Stadt noch zu wenig Herzblut.» Ihm fehlen gemeinsame Aktivitäten und innovative Ideen.

«Statt nur stur an einem Reglement festzuhalten, also dem Pflichtteil, braucht es auch eine gute Kür, wie zum Beispiel, wenn Brugg und Schinznach-Bad gemeinsam ein Golfturnier veranstalten würden», meint er. «Die Brugger begnügen sich in der Regel damit, reglementarisch und von oben herab zu wirken. Das kommt gegen aussen schlecht an.» Es reiche nicht, wenn die Oberhäupter und die Gemeindeschreiber zusammensitzen. «Das bricht nicht bis zur Basis durch», stellt Fässler klar und ergänzt: «Podiumsgespräche müssen gemeinsam geführt werden, nur so kann man sich besser verstehen und austauschen.»