Einwohnerrats-Präsident

Als Zehnjähriger wurde er politisiert: Das ist der neue höchste Windischer Pascal Schlegel

Pascal Schlegel läuft gerne im Wald.

Pascal Schlegel läuft gerne im Wald.

Der 25-jährige Pascal Schlegel von der SVP wird per 1. Januar Präsident des Einwohnerrats und damit höchster Windischer. Das Porträt.

Nebelschwaden und graue ­Wolken verhüllen die Hügel, der Regen tropft auf das bunte ­Blätterdach im Wald. Es ist kalt an diesem Novembermorgen. Dennoch erscheint Pascal Schlegel im kurzen Sport-Tenue beim Start des Vita-Parcours in Windisch. Der künftige Präsident des Einwohnerrats hat sich diesen Ort für das Foto ausgesucht. Denn Sport, vor allem das Laufen, ist seine Leidenschaft. Der 25-Jährige ist gerne in der Natur, die Bewegung draussen tut ihm gut. «Zum Abschalten», sagt er. «Es ist schön ruhig hier.» Vier- bis fünfmal pro Woche ist er im Sommer auf dem Vitaparcours anzutreffen. Im Winter doch etwas weniger, gibt Schlegel zu. Dann zieht er das Laufband vor.

Mit dem Laufen angefangen hatte er im Alter von 17 Jahren. Eine Kollegin meldete sich für einen Halbmarathon an und Schlegel fand im jugendlichen Übermut: «Das kann ich auch.» Nun, ins Ziel kam er zwar, musste aber unterwegs einiges an Lehrgeld bezahlen. Inzwischen hat Schlegel dazugelernt: Im Juli absolvierte er erfolgreich den Ironman Zürich. An Durchhaltewillen fehlt es dem Windischer, der an der Universität St. Gallen (HSG) den Master in Unternehmensführung in Angriff genommen hat, also nicht. Eine Eigenschaft, die ihm als Präsident des Einwohnerrats ab 1.Januar helfen dürfte.

Zu Beginn machte sich Ernüchterung breit

Pascal Schlegel wurde schon früh politisiert. Nicht nur weil der Vater Heinz Schlegel bereits für die CVP im Windischer Einwohnerrat Einsitz nahm, sondern aufgrund eigener Erfahrungen in der Schule. Als etwa Zehnjähriger sei er von ausländischen Mitschülern als «Scheiss Schwiizer» bezeichnet worden. «Dafür hatte ich kein Verständnis», erinnert sich Pascal Schlegel. Inzwischen sitzt er mit der Journalistin an einem Tisch im Campus-Café der Fachhochschule – in der Wärme. «Ich entgegnete meinen Mitschülern: ‹Dann geht doch in euer Land zurück›», sagt Pascal Schlegel. Damals habe er noch nicht gewusst, dass das eine politische Meinung ist. Mit der Zeit merkte er, dass sich seine Einstellung mit jener der SVP deckt. «In der Bezirksschule scherzte ich dann mit einem Schulkollegen immer, dass wir für den Einwohnerrat kandidieren, wenn wir 18 Jahre alt sind», erinnert sich Schlegel.

Als Pascal Schlegel dann 19 Jahre alt war, realisierte er, dass ebendiese Einwohnerratswahlen anstehen. Er meldete sich bei der SVP-Ortspartei in Windisch – allerdings einen Tag zu spät. Die Anmeldefrist war soeben abgelaufen. Weil die SVP aber zu wenige Kandidaten hatte, musste sie nachnominieren. So rutschte Pascal Schlegel in den Einwohnerrat nach. Zu Beginn machte sich beim Jungpolitiker Ernüchterung breit. Er realisierte, dass die Migration kaum Thema war im Gemeindeparlament. Und dann sei auch noch der Entschluss gefallen, dass Einbürgerungen nicht mehr vom Rat beschlossen werden. «Das finde ich nicht gut», sagt er. Damit, dass es im Einwohnerrat «praktisch immer» um Finanzen geht, hat sich Schlegel inzwischen abgefunden.

In den letzten zwei Jahren amtete er an der Seite von Einwohnerratspräsident Dave Roth (SP) als Vizeeinwohnerratspräsident. Und als solcher machte er bereits auf sich aufmerksam. Vor einem Jahr behandelte der Windischer Einwohnerrat die Gesamtrevision der Bau- und Nutzungsordnung (BNO) in einer Dreifach-Sitzung. Die Sitzungsführung war für den Präsidenten Dave Roth anstrengend. Nach der zweiten Sitzung fragte Pascal Schlegel im Scherz: «Dave, kannst du noch?» Daraufhin entschieden die beiden, dass Pascal Schlegel die Sitzungsführung in der dritten Sitzung nach der Behandlung der BNO übernimmt.

Der Moment des Stichentscheids

Zur Diskussion standen noch ein Postulat sowie eine Motion der SP. Bei der Motion handelte es sich um die Forderung, dass im Gebiet Winkel in Windisch der gemeinnützige Wohnungsbau gefördert werden soll. In der Schlussabstimmung resultierte ein Unentschieden. Schlegel hatte als zwischenzeitlicher Präsident den Stichentscheid. Obwohl er ursprünglich gegen die Überweisung der Motion war, fällte er den Stichentscheid zugunsten der SP. «Es war nie meine Absicht, politisches Kapital aus der Situation zu schlagen», begründet er den Entscheid.

Dafür erntete er spontanen Applaus aus dem Rat und ein Kompliment der Gemeindepräsidentin Heidi Ammon (SVP). Heute sagt Schlegel: «Im ersten Moment wusste ich nicht, wie ich reagieren soll. Nach kurzem Überlegen war für mich aber klar, dass es moralisch korrekt ist, wenn ich mich so entscheide.» Er sagt aber auch: «Es wird wohl nicht so schnell wieder vorkommen, dass ich meine Stimme der SP gebe.»

Der 25-Jährige ist sich der Verantwortung, die das Präsidium mitbringt, bewusst. Die Herausforderung nimmt er gerne an. Sein Alter sei dabei kein Kriterium dafür, ob er seinen Job gut mache oder nicht, findet er. An der letzten Sitzung wurde er mit 37 Stimmen (von 40) gewählt. Über das gute Resultat freut er sich, zumal er damals bei der Wahl zum Vizepräsidenten nur 26 Stimmen erhielt. «Wäre es dieses Mal wieder so herausgekommen, hätte ich das Amt zur Verfügung gestellt», sagt er. «Denn es ist wichtig, dass der Rat hinter dem Einwohnerratspräsidenten steht.»

Für die Sitzungsführung hat er sich vorgenommen, dass er die Mitglieder ausgewogen an der Diskussion teilnehmen lässt. Und: «Ich will nicht, dass einzelne Personen fünf- bis zehnminütige Statements halten.» Gedanken für seine Antrittsrede hat er sich bereits gemacht. «Ich werde den Rat darauf aufmerksam machen, dass wir nicht weiter Geld für Luxusprobleme ausgeben dürfen. Dafür fehlt Windisch schlicht das Geld, auch im Hinblick auf die Ausgaben für das neue Schulhaus», sagt Schlegel. Besonders geärgert hat ihn die Investition in den Brunnenplatz vor dem Gemeindehaus. Der Verpflichtungskredit sah Kosten von 242000 Franken vor.

Mit dem Einwohnerratspräsidium wird die Agenda von Pascal Schlegel noch etwas voller als sonst. Unter der Woche studiert er in St.Gallen, dann ist er im Thermalbad Zurzach auch noch als schichtleitender Badmeister tätig. Für die Sitzungen des Einwohnerrats kehrt er dann jeweils nach Windisch zurück. Eines ist sicher: Für den Sport wird sich Pascal Schlegel weiterhin Zeit nehmen.

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