Windisch

Als Unternehmer hat er sich einen Namen gemacht – jetzt will er im Grossrat das Steuer in die Hand nehmen

Martin Gautschi ist Unternehmer, Einwohnerrat und Grossratskandidat der FDP.

Martin Gautschi ist Unternehmer, Einwohnerrat und Grossratskandidat der FDP.

Martin Gautschi, 48, aus Windisch hat das Unternehmer- und Politikgen in die Wiege gelegt bekommen. Jetzt tritt der 48-Jährige an vierter Position auf der FDP-Liste bei den Wahlen am 18. Oktober an.

Martin Gautschi hat sich einen Namen gemacht als Inhaber der Voegtlin-Meyer AG in Windisch mit über 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. In vierter Generation führt er das Traditionsunternehmen, das in den Bereichen Heizöl, Diesel, Benzin, Tankrevisionen, Entsorgung, Tankstellen und Postauto tätig ist.

Martin Gautschi hat sich auch einen Namen gemacht als FDP-Einwohnerrat in seiner Wohngemeinde während der vergangenen sechs Jahre. Als ein Höhepunkt dieser Tätigkeit bezeichnet er die Revision der Bau- und Nutzungsordnung, die zusammen mit Brugg erfolgt ist. Dieses komplexe, zukunftsorientierte Geschäft sei zwar sehr intensiv und anstrengend, aber auch sehr interessant und bereichernd gewesen.

Martin Gautschi will sich nun ebenfalls einen Namen machen als Grossrat. An vierter Position tritt er auf der FDP-Liste an bei den Wahlen am 18. Oktober. Es brauche Unternehmer im Grossen Rat, ist der 48-Jährige überzeugt. Er sei ein Verfechter des Liberalismus und der Eigenverantwortung. Zu diesen Werten, mit denen unser Land gross und erfolgreich geworden sei, gelte es Sorge zu tragen. So wenig Staat wie nötig, lautet seine Devise. «Dieses Modell entspricht der Schweiz», hält er fest. «Ich bin ein Freund dieser alten FDP-Grundsätze.»

«Auch kleinen Bezirken soll im Grossen Rat Rechnung getragen werden»: FDP-Einwohnerrat Martin Gautschi kandidiert für den Grossen Rat und engagiert sich im Komitee der Mandatszuteilungsinitiative

«Auch kleinen Bezirken soll im Grossen Rat Rechnung getragen werden»: FDP-Einwohnerrat Martin Gautschi kandidiert für den Grossen Rat und engagiert sich im Komitee der Mandatszuteilungsinitiative

Er politisiere eher am rechten Rand der Partei, fügt er an. Trotz klarer Position: Gautschi hat keine Scheuklappen, zeigt sich beim Gespräch in seinem hellen Büro am modernen Firmensitz. Er interessiert sich für das kommunale Geschehen genauso wie für das kantonale und nationale. Beeindruckend seien die Genauigkeit, die Disziplin und die Professionalität auf allen Ebenen, sagt er. «Es ist faszinierend, wie die direkte Demokratie funktioniert.»

Bachthalen ist geeignet als Mittelschulstandort

Aufgewachsen in einer Unternehmerfamilie, hat Gautschi Ökonomie studiert an der Uni Basel. Sein Grossvater mütterlicherseits, Hans Peterhans, sass als Unternehmer 20 Jahre lang für die CVP im Stadtrat in Mellingen, davon 12 Jahre als Stadtammann. Das Unternehmer- und Politikgen habe er offenbar in die Wiege gelegt bekommen, stellt Gautschi fest: die Lust zu debattieren, für eine Sache zu kämpfen.

Mit gesundem Sach- und Menschenverstand, mit seinen Erfahrungen sowie seinen betriebswirtschaftlichen Kenntnissen möchte er beitragen zu einem positiven Ratsbetrieb in Aarau. Er sei als verantwortungsvoller Unternehmer zudem aufgeschlossen, gerne in Gesellschaft, was sicher auch kein Nachteil sei, meint er mit einem Schmunzeln.

Als Familienmensch – Gautschi ist Vater von zwei schulpflichtigen Kindern – kann er sich ebenfalls bei Familien- und Bildungsfragen einbringen. Die Rede kommt auf den neuen Standort für eine Mittelschule im Aargau. Es gebe nichts Besseres als das Areal Bachthalen, ist für Gautschi klar: zentral gelegen in der Nähe von Fachhochschule und Berufsschulen, bestens erschlossen und angebunden an den öffentlichen Verkehr. Er hofft, dass Brugg und Windisch am gleichen Strick ziehen: «Das muss uns gelingen.»

Taten sind gefordert beim unattraktiven Mausloch

Ebenfalls gelingen, fährt er fort, müsse eine Verbesserung bei der SBB-Unterführung beim Bahnhof, dem sogenannten Mausloch. Dieser Durchgang passe schlicht und einfach nicht zum schönen Campus, sei zu wenig attraktiv für Fussgänger, Velofahrer oder Läden. «Da hinken wir – im Vergleich beispielsweise zu Aarau – hintendrein. Hier sind Taten gefordert.»

Handlungsbedarf sieht er ebenfalls bei der Autobahn A1, auf der beim Verkehrsaufkommen ein verträgliches Mass überschritten sei. Sowieso möchte Gautschi im Kantonsparlament mit seinem Hintergrund Schwerpunkte setzen in der Energie- und Verkehrspolitik. Wichtig sei eine gute Anbindung, privater und öffentlicher Verkehr hätten beide ihre Berechtigung und dürften nicht gegeneinander ausgespielt werden. Er halte es mit der Aussage von alt Ständerat Thomas Pfisterer: «Den Verkehrskanton Aargau durchfahren, aber nicht überfahren.»

Die Kantonsregierung mit Baudirektor Stephan Attiger leiste sehr gute Arbeit, packe die grossen Baustellen an, sagt Gautschi und erwähnt die laufenden Arbeiten an der Südwestumfahrung Brugg oder dem Autobahnzubringer in Lenzburg. Als richtig bezeichnet er die regierungsrätliche Stoss­richtung beim Regionalen Gesamtverkehrskonzept Ostaargau (Oase).

Auch kleinere Bezirke müssen ein Gewicht haben

Seinen Wahlkampf will Gautschi sachlich gestalten, mit Plakaten und Inseraten sowie einer neuen Website. Geplant seien überdies Aktionen der Bezirkspartei, an denen er präsent sein werde. Die Wahlchancen, räumt er ein, müsse er realistisch einschätzen. Denn mit Titus Meier und Martina Sigg seien zwei bekannte Bisherige am Start für die FDP. «Ich hoffe dennoch, dass es für mich reicht, nehme die Herausforderung sportlich.» Der Bezirk Brugg, nennt er ein zusätzliches Erschwernis, werde aufgrund seiner Bevölkerung einen Grossratssitz verlieren.

Gautschi engagiert sich im Komitee der sogenannten Mandatszuteilungs-Initiative, die letzte Woche lanciert worden ist und ein neues Berechnungs­modell fordert für die Gross­ratssitze. Entscheidend sein soll die Anzahl der Stimmberechtigten anstatt die Wohnbevölkerung. Auch die kleineren Bezirke – «wir dürfen stolz sein auf Brugg» – müssten ein Gewicht haben in Aarau, hebt der Windischer hervor. Dass die erforderlichen 3000 Unterschriften zusammenkommen, daran hat er keine Zweifel.

«Man kann nicht nur kritisieren und fordern, man muss auch verändern und das Steuer in die Hand nehmen wollen», fasst er zusammen. Letzteres macht er im wahrsten Sinne auch selber dann und wann – wenn Not am Mann ist in seiner Firma. Lastwagen- oder Postautofahren bezeichnet er neben Wandern, Skifahren oder Golfen als eines seiner grossen Hobbys. «Das macht mir einfach unglaublich Spass.»

Autor

Michael Hunziker

Michael Hunziker

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