Brugg

Als Paar getarnt an die Hochzeitsmesse – ein Erlebnisbericht

Wie ergeht es einem – vermeintlich – heiratswilligen Paar auf dem Rundgang an der Hochzeitsmesse? Wir haben die Probe aufs Exempel gemacht.

«Haben Sie schon einen Termin für die Hochzeit?», fragt die Frau lächelnd, die am ersten Stand direkt nach dem Eingang steht. «Ja. Also nein. Also eigentlich ist noch nichts konkret geplant. Vielleicht im Herbst», antworte ich etwas verlegen. «Wurde Ihnen der Antrag denn schon gemacht?», fährt die Frau fort. Nun errötet meine Begleitung.

Während der Wettbewerbstalon ausgefüllt wird, bei dem es ein romantisches Wellnesswochenende zu gewinnen gibt, hakt die Frau nach: «Heiraten Sie denn im Aargau?» Wir nicken, befürchten aber, dass unsere Tarnung auffliegt. «Dann sind Sie ja genau richtig hier!», sagt sie enthusiastisch. Gemeint ist die Hochzeitsmesse im Forum Odeon in Brugg. Unser Plan geht also auf: die Brugger Hochzeitsmesse zu erkunden – inkognito, als verlobtes Paar, beide 19 Jahre alt.

Dafür wurde zuvor die Kennenlerngeschichte noch etwas romantischer gemacht, das Datum, die Location und die Vorstellungen von der Torte für die Hochzeit einstudiert, der vermeintliche Verlobungsring angesteckt. Vor dem Forum glänzt der cremefarbige Oldtimer in der Sonne. Mehrheitlich Männer stehen um das Auto und bestaunen es. Vor dem Eingang ist ein roter Teppich ausgerollt. Auch drinnen ist alles festlich geschmückt.

Süssigkeiten für Hochzeitsfeier

Im Forum im ersten Stock angekommen, hat es uns der Stand mit den Süssigkeiten angetan. In gläsernen Gefässen glänzen Bonbons in allen Farben und in den Etageren sind Cupcakes, auf die mit Zuckerguss jeweils ein Anzug und ein Brautkleid gezeichnet wurde,, sorgfältig platziert.

Unsere Neugier bleibt nicht lange unbemerkt. Sofort kommt eine Frau mit einem Fotoalbum und einigen Prospekten unter dem Arm auf uns zu. Wieder werden Fragen zur geplanten Hochzeit gestellt. Sie zeigt uns einige Hochzeitslocations und kleine Highlights für jede Trauung: mit Namen der Brautleute bedruckte M&M’s als Geschenk für die Gäste. Ehe wir darauf reagieren können, bekommen wir ein Muster in die Hand gedrückt. «Ich hoffe wir sehen uns bald wieder. Meine Visitenkarte haben Sie ja», sagt die Frau abschliessend.

Vorbei an den vielen Models in Brautkleidern und Anzügen geht es schon zum nächsten Tisch. Darauf befinden sich ein meterlanger Apéro-Zopf, ein Partybrot sowie viele verschiedene Triangel-Canapés der Bäckerei Frei. «Sie dürfen sich gerne bedienen», sagt die Frau in Backschürze. Das Sortiment wird durchprobiert. Hinter uns bildet sich bereits eine Schlange. Alle wollen eine Kostprobe und so werden wir zur nächsten Attraktion geschoben: die Hochzeitstorte.

Hinter den dreistöckigen Torten versteckt steht Jessica. Die Windischerin strahlt über das ganze Gesicht, als wir ihre Kunstwerke bewundern. «Alles selbst gemacht und fast alles Bio», sagt sie. 500 Franken aufwärts kostet eine zweistöckige Torte. Ab 1000 Franken bekommt man eine dreistöckige Torte. 16 bis 18 Stunden braucht Jessica durchschnittlich für eine Hochzeitstorte. «Im Trend sind neben den klassischen weissen auch schwarze Torten», erklärt sie und fragt nach der Lieblingssorte der Schreibenden. «Himbeerfüllung? Das ist auch einer meiner Favoriten», sagt Jessica und reicht ein schmales, aber hohes Stück zur Geschmacksprobe.

Ständchen für Nachhauseweg

Wir scheinen als heiratswilliges Paar zu überzeugen. Mit gestärktem Selbstvertrauen wagen wir deshalb uns nun sogar zu den Trauringen. Die Beraterin bemerkt jedoch schnell, dass sich das Paar mit dem Thema Ringe noch nicht wirklich befasst hat. Bevor also der Modeschmuck, der als Verlobungsring durchgehen soll, bemerkt wird, bedanken wir uns höflich für die Beratung und ziehen weiter. Von der Seite wird uns ein Zahnpflegeset entgegengestreckt. Am schönsten Tag im Leben muss man und frau scheinbar wirklich an alles denken.

Die Veranstalterin der Messe, Beyza Tut, läuft uns über den Weg. Zeit, die Tarnung auffliegen zu lassen. «Ich bin bis jetzt sehr zufrieden. Jeder der 12 Partner hat sich wirklich Mühe gegeben. Ich bin richtig stolz», sagt Tut. Die Leute hätten grosses Interesse gezeigt und die liebevoll gestalteten Details geschätzt. «Ich war sehr nervös und konnte am Abend zuvor fast nicht schlafen. Ich und meine Stellvertreterin Nermin sind schon um 6.45 Uhr im Laden gewesen und haben die acht Models gestylt», sagt die Hairstylistin und Make-up Artistin. Nun seien alle ihre Erwartungen übertroffen worden. «Die Leute haben sich den ganzen Tag über gut verteilt. Es herrschte immer ein angenehmes Klima», sagt sie.

"Endlose Liebe"

Im Hintergrund läuft «Endless Love». «Das ist mein Song!», sagt Tut. Sie habe 2002 geheiratet und sei sehr romantisch. Deshalb liege ihr das Thema Hochzeit besonders nahe. «Bei mir geht vieles über die Emotionen. Ich liebe es, mit dem richtigen Make-up und einer guten Frisur die Menschen an ihrem schönsten Tag unterstützen zu können.» Tut muss sogleich zum nächsten Termin. Sie verabschiedet sich und braust in Richtung Ausgang, wo Stargast Dominque Rinderknecht wartet.

Mit unzähligen Flyern, Prospekten und Werbegeschenken ausgestattet, begeben auch wir uns in Richtung Ausgang. Draussen bleiben wir vor der Treppe stehen. «Anja Joie. Just let me sing for you», steht auf einem Schild. Eine Frau im Cocktailkleid steht vor einem Tablet und lässt ein Liebeslied laufen. Wir bekommen tatsächlich ein Ständchen gesungen. Mit einem Ohrwurm und der Erkenntnis, dass die Veranstaltung neben den vielen Rabatten und Kostproben auch eine tolle Inspiration für Heiratswillige ist, verlassen wir die Hochzeitsmesse.

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