Oberflachs
Als im Tal das Feuer wütete

Armin Käser hält im Zehntenstock einen heimatkundlich-geschichtlichen Vortrag zu den Bränden im Schenkenbergertal.

Samuel Frey
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Diese Postkarte ist erschienen zum Brand auf dem Schloss Kasteln.

Diese Postkarte ist erschienen zum Brand auf dem Schloss Kasteln.

Samuel Frey

«Eigentlich wäre es ein Jubiläumsjahr, aber der Anlass ist zu traurig, um zu feiern», sagt Armin Käser im Zehntenstock, der von der Vereinigung Pro Oberflachs unterhalten und zur Verfügung gestellt wird. Käser hält einen Vortrag, und jeder Stuhl im Saal ist besetzt, einige sitzen sogar auf der Treppe und hören gespannt zu.

1572 verwüstete eine Feuersbrunst Schinznach. «Laut einem Chronisten aus Mellingen kamen die Feuerwehren aus Aarau, Brugg, Bremgarten, Lenzburg und Mellingen den Schinznachern zu Hilfe», erklärt Käser. Trotz der grossen Solidarität wurde ein Grossteil des Dorfes nach zwei Nächten und einem Tag Feuer vernichtet. «Dem angeblichen Brandstifter wurde einige Jahre später in Mellingen der Prozess gemacht. Aber es ist fraglich, ob er wirklich schuldig war, denn sein Geständnis wurde unter Folter erpresst und er gestand noch eine Reihe weiterer Übeltaten», sagt Käser.

In der Nacht vom 13. auf den 14. Juni 1817 brach ein Feuer im Haus des damaligen Gemeindeammanns Süess aus, das durch einen starken Südwestwind bald auf weitere Häuser übersprang. «Feuersbrünste können sich im Schenkenbergertal schnell ausbreiten, weil die Häuser in den Dörfern oft sehr nahe zusammenstehen, sie teilen sich oft sogar Wände», führt Armin Käser aus.

150 Menschen obdachlos

Ein weiterer Faktor seien die Strohdächer, die oftmals nicht so schön flach waren, wie sie uns heute in Nachbildungen präsentiert werden. «Im Schenkenbergertal gab es schon viele Ziegeldächer, verglichen mit dem Mittelland. Ein Grund dafür war sicher die Ziegelhütte, die es seit 1690 in Schinznach gab. Aber nicht einmal die Ziegel konnten den Brand verhindern», erklärt Käser.

Nach dem Brand in Oberflachs setzte der Kleine Rat – heute der Regierungsrat – des Kantons Aargau den Brugger Ober-Ammann ein, um die Geschehnisse zu untersuchen. «Schon am 14. Juni schickte er einen Bericht nach Aarau, in dem es hiess, dass 150 Menschen obdachlos geworden sind. Die Menschen wollten in der Nähe ihres Landes bleiben, viele kamen in den Nachbardörfern unter und einige wurden im Schloss Kasteln untergebracht», sagt Käser.

Der Gemeindeammann geriet unter Verdacht, für das Feuer verantwortlich gewesen zu sein, aber die Untersuchung führte auch dieses Feuer auf eine Brandstiftung zurück. «Ein Schuldiger wurde nicht gefunden, aber das Motiv der Rache lag nahe, weil der Gemeinderat für die Armen der Gemeinde zuständig war und manche harte Entscheidung fällen musste», sagt Käser. Der Kanton Aargau gründete 1805 als erster Kanton eine Gebäudeversicherung, mit deren Hilfe Oberflachs wieder aufgebaut werden konnte. Die Gebäudeversicherung bezahlte 1817 den Oberflachsern 23 000 Franken aus.

Das Schloss Kasteln brannte

«Der Dorfbrand von Oberflachs blieb leider nicht der letzte Grossbrand im Schenkenbergertal: 1907 brannte das Schloss Kasteln nieder. Die Brandstiftung der Schutzbefohlenen im Schloss löste eine öffentliche Debatte über Erziehung aus», sagt Käser.

Das Verfahren gegen den Heimleiter hatte aber keine Konsequenzen für diesen, der seine Schützlinge mit Prügel diszipliniert hatte. «Es gab seit dem letzten grossen Brand zwar immer wieder kleinere und grössere Brände, aber dank neuen Regelungen konnte ein weiterer grosser Dorfbrand verhindert werden», sagt Käser zum Abschluss seines Vortrags.

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