Brugg

Als blicke man in eine tieferliegende Welt – Fotograf Kaspar Ruoff geht mit seinen Bildern an die Grenze der Reduktion

Der Brugger Fotograf Kaspar Ruoff lenkt den Blick auf das Wesentliche. Er ist keiner, der Bilder auf die Schnelle schiesst oder die Kamera immer bei sich trägt.

Vor der Küste Finnlands liegt die grösste Schärenlandschaft der Welt. Sie setzt sich aus Gruppen kleinerer und grösserer Inseln, dem sogenannten Schären­garten, zusammen. Tausende von Inseln verteilen sich im Grenzbereich zwischen Land und Wasser. Diese zerklüftete Inselwelt, oft menschenleer, eine karge, felsige Landschaft, die von der Eiszeit geprägt ist, bildet den Hintergrund der neuen Ausstellung des Brugger Fotografen Kaspar Ruoff.

Die Ausstellung umfasst 27 Schwarz-Weiss-Bilder. Sie zeigen die herbe und stille Schönheit der Inseln inmitten eines untiefen Meeres. Kaspar Ruoff geht mit seinen Bildern an die Grenze der Reduktion und gibt dem Betrachter genügend Raum für eigene Assoziationen, so, als blicke man durch ein Fenster in eine tieferliegende Welt. In diesem Sinn geht es ihm nicht um die Wiedergabe der Natur. «Durch die Reduktion konzentriere ich mich auf das Wesentliche», erklärt Kaspar Ruoff bei einer Tasse Tee in seinem Atelier in der Brugger Altstadt. «Ich möchte zu einer Bildaussage gelangen, die Offenheit zulässt und vielschichtig gesehen werden kann.» Er könne nur seine eigenen Erfahrungen und Stimmungen umsetzen und überlasse dem Betrachter, die Geschichte an seinen eigenen Erinnerungen anzuknüpfen.

Die Sehnsucht nach dem einfachen Leben

Jedes Jahr verbringt Kaspar Ruoff einige Zeit in Finnland. Der Fotograf ist zweisprachig aufgewachsen und hat viele Sommer in Finnland erlebt. Mit einem Segelboot, das er selber restaurierte, ist er immer wieder durch den Schärengarten gesegelt und erkundete die Inseln. Es ist ein langes und schmales Holzboot mit wenig Komfort. Gekocht wird mit einem Gaskocher an Land. Für eine bestimmte Zeit könne er der Sehnsucht nach einem einfachen Leben nachgehen. «Diese Wochen bilden einen Kontrast zu einem Alltag, wo ich mich mit vielen Sachen beschäftigen muss, die mich absorbieren», erklärt er. Die ursprüngliche karge Landschaft bietet kaum Ablenkungen. In dieser endlosen Weite hat man die Möglichkeit, den Blick auf die wesentlichen Dinge des Lebens zu lenken.

Kaspar Ruoff ist kein Fotograf, der Bilder auf die Schnelle schiesst oder die Kamera immer bei sich trägt. Aber er geht mit einem offenen Blick durch die Landschaft, lässt sie auf sich wirken und sammelt innere Bilder. Zum Fotografieren nimmt er sich Zeit. «Ein Bild gelingt, wenn es eine Aussage hat, und ich es mehr als dreimal anschauen kann», erläutert der Künstler schmunzelnd. Unter den Schwarz-Weiss-Bildern dieser Ausstellung befindet sich auch eines in Farbe. Es zeigt das Innere einer kleinen Fischerhütte. Durch das Fenster blickt man auf Felsen und Wasser. Trotz abblätternder grüner Farbe an den Wänden und schmutzigem Tischtuch wirkt der Raum, mit einem Rettungsring oberhalb des Fensters, wie ein wohlig warmer Rückzugsort in einer weiten Welt.

Über die Naturwissenschaft zur Kunst gefunden

Seit 2006 ist der 45-Jährige als freischaffender Fotograf tätig. Kaspar Ruoff ist in Zürich aufgewachsen, studierte an der Universität Helsinki Imkereiwissenschaften und promovierte im Bereich der Lebensmittel­chemie an der ETH Zürich. Bereits in seiner Ausbildung befasste er sich im Rahmen seines Spezialgebiets mit Fotografie.

Auf diese Weise kam der Stein ins Rollen und führte Ruoff dahin, wo er heute ist. «Ich bin einigermassen am richtigen Ort», formuliert er es. Ruoff bleibt ein Suchender, der die Zusammenhänge des Lebens erkundet und diese abbildet. «Fotografie ist für mich ein Mittel, die Welt zu verstehen.»

Kaspar Ruoff trifft man fast täglich in seinem Atelier. «Man kann jederzeit vorbeikommen», betont er. Nebst anderen Ausstellungsprojekten plant der Künstler vier bis fünf wechselnde Atelierausstellungen pro Jahr. Das Schaufenster gibt den Blick frei in den vorderen Ausstellungsraum mit dem Nussbaum-Interieur der ehemaligen Rathaus-Apotheke von 1880. Zusammen mit den Bildern vermittelt es ein Gefühl von Zeitlosigkeit. Neu ist das Atelier jeweils am Samstag zwischen 10 und 16 Uhr geöffnet, da es unter der Woche schwierig ist, fixe Öffnungszeiten zu garantieren.

Zwischen Land und Wasser: Die Ausstellung dauert bis zum 11. Januar; Atelier Kaspar Ruoff, Hauptstrasse 43, Brugg.

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