Schinznach-Dorf
Alles hat ein Ende: «Was hier stattgefunden hat, ist einmalig»

Im Gartencenter Zulauf sind die Abbauarbeiten der «Trovatore»-Arena in vollem Gang. Intendant der Verdi-Oper Peter Bernhard schaut mit einem weinenden und einem lächelnden Auge zurück.

Elisabeth Feller
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Stühle gibts bereits nicht mehr: Die «Trovatore»-Arena sieht kahl aus.
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Bilder vom Trovatore-Abbau
Im Eiltempo werden die vielen Kabel abtransportiert.
500 Scheinwerfer hingen – viele sind bereits runtergenommen.
Eisen, Eisen, wohin das Auge auch blickt.
Diese Fackeln haben lichterloh gebrannt: nun haben sie ausgedient.

Stühle gibts bereits nicht mehr: Die «Trovatore»-Arena sieht kahl aus.

Die Morgensonne taucht den Eisenkoloss in mildes Licht. Ein Hauch von Herbst legt sich über die «Trovatore»-Arena im Gartencenter Zulauf in Schinznach-Dorf.

Wehmut will aufkommen, doch da taucht ein Mann auf, der die richtigen Worte für diesen Moment findet: «Ja, es war schön. Aber Kommen und Gehen – so ist das Leben.»

Peter Bernhard, Intendant der Oper Schenkenberg, lächelt. Verdis Manrico, den er gesungen hat, steckt jetzt in Arbeitskluft, weil Bernhard beim Abbau der Bühne ebenso behilflich ist wie die guten Geister, die Kabel aufrollen, Scheinwerfer abmontieren, Bühnenbild-Elemente entfernen oder Eisen verfrachten.

Der Wahnsinn hat Methode

Zeit für Tränen hat derzeit keiner im Gartencenter. Der Abbau muss zügig erfolgen, damit das Center nächste Woche wieder seinen normalen Alltag aufnehmen kann.

Darauf freut sich Johannes Zulauf, obwohl der Opernliebhaber die am 31. August beendete Aufführungsserie erst ermöglicht hat. «Ja, wenn man am Anfang wüsste, was einen erwartet», sagt Zulauf und fügt hinzu: «Rückblickend muss ich sagen: Doch, das Ganze war sehr positiv.»

Das meint ein Vorhaben, das anfänglich von manchen als Wahnsinn bezeichnet wurde. Doch dieser hatte Methode. Akribisch hatte die Oper Schenkenberg nach «Carmen» im Jahr 2010 auf dem Feldschenplatz ihre zweite Produktion, «Il Trovatore», vorbereitet.

Aufwändigere Arbeitsabläufe

Ab März musste das Gartencenter mit Einschränkungen leben, weil die «Trovatore»-Arena auf dem Parkplatz aufgebaut wurde. Dadurch entfielen anfänglich 20, ab Juni sogar 300 Parkplätze.

Ins Gewicht fiel zudem der temporäre Verlust des riesigen Gewächshauses, der Komissionierungshalle. Dort erfolgt jeweilen die Bereitstellung von Pflanzen für die Grossisten.

Also mussten diese Arbeiten überall verteilt werden, was aufwändigere Abläufe zur Folge hatte. Das Gewächshaus wiederum war Bestandteil der «Trovatore»-Bühne.

Aufwändig war auch das Lotsen der Kunden zu neuen Parkplätzen. «Der Weg war zwar gut ausgeschildert», betont Zulauf, «doch es gab Autofahrer, die Wegweiser übersahen und sich verirrten.»

Vereinzelt hätte es negative Reaktionen von Kunden gegeben, doch «die positiven haben überwogen. Bei unserem Team sowieso», sagt der Gartencenter-Chef und windet diesem ein Kränzchen.

Freude statt Wehmut

Zulauf selbst war während dreier Vorstellungswochen «immer vor Ort» – um einerseits in die Vorstellung reinzuschauen und andererseits mit Besucherinnen und Besuchern zu sprechen.

Nun, da jeden Tag weniger an die beifallumrauschte Inszenierung von Giuseppe Verdis «Il Trovatore» erinnert, empfindet Johannes Zulauf nicht etwa Schmerz, sondern schlicht Freude «dass das, was hier stattgefunden hat, einmalig ist.»

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