Seit 1988 planen die NOK – später Axpo und Swissgrid – die Spannungserhöhung der Übertragungsleitung von Beznau nach Mettlen LU. Obwohl die Elektrizitätsunternehmen immer wieder auf die Dringlichkeit dieses Vorhabens hingewiesen haben, ist der Baustart noch nicht erfolgt. Eine Knacknuss im ganzen Projekt stellt der Teilabschnitt Beznau–Birr dar. Die Leitung wird durchgängig auf 2×380 kV ausgebaut. Im Raum Riniken/Bözberg (Gäbihübel) hat das Bundesgericht 2011 verfügt, dass auf einer Länge von 1,3 Kilometern ein konkretes Projekt für eine Teilverkabelung ausgearbeitet werden muss. Damit wird Neuland betreten: Es ist das erste Mal, dass die Swissgrid AG, heute die Eigentümerin des Schweizer Übertragungsnetzes, eine Verkabelung im Höchstspannungsnetz projektiert.

Im Dezember 2013 hat das Bundesamt für Energie (BFE) das Baugesuch der Swissgrid für die Verkabelung in Riniken öffentlich aufgelegt. «Über fünf Jahre nach dem Bundesgerichtsentscheid und über zweieinhalb Jahre nach der Auflage ist noch immer unklar, wann die neue Leitung realisiert wird», wundern sich Andreas Brack und Konrad Vögele vom «Aktionskomitee für eine umweltverträgliche Trassenführung» (Akut).

Frist läuft bis Mitte September

Zusammen mit vier Kollegen bilden sie das Kernteam der im Januar 2001 gegründeten Einsprechergemeinschaft Akut, die sich wiederholt für eine optimale Linienführung starkgemacht hat. «Den Netzausbau stellten wir nie infrage», betont der 50-jährige Brack. «Wir setzten uns aber dafür ein, dass am Dorfrand keine bis zu  aufgestellt werden», ergänzt der 66-jährige Vögele. Akut scheute keinen Aufwand und liess 2009 durch den auf diesem Fachgebiet bekannten Professor Brakelmann eine Studie erstellen, die aufzeigte, dass man die Höchstspannungsleitung im Gebiet Prophetengut/Gäbihübel auch in den Boden verlegen kann. Mit diesem Lösungsansatz kämpften Akut und die Gemeinde Riniken erfolgreich bis vor Bundesgericht.

Mitte Juli 2016 hat das BFE den Parteien den – von Akut lang ersehnten – Plangenehmigungsentscheid eröffnet. Die Beschwerdefrist dauert bis zum 15. September. Zum schleppenden Projektverlauf sagt Sprecherin Marianne Zünd, dass das BFE nach dem Bundesgerichtsurteil von 2011 das ganze Projekt auf die Vereinbarkeit mit dem aktuell geltenden Recht überprüfen und formell noch einmal die ganze Leitung genehmigen musste. Akut versteht nicht, weshalb sich das Neubauprojekt über Jahrzehnte hinzieht.

Zwei Jahre Verzögerung

Mit der ausgehandelten Linienführung ist Akut zufrieden. Auf einer Karte zeigen Wirtschaftsinformatiker Brack und Bauingenieur Vögele stolz, wie die geplante Linienführung zwischen 1997 und 2013 mit niedrigeren Masten und weiter entfernt vom Wohngebiet geführt werden kann. «Mit der geplanten Verkabelungslösung wird den Bözbergern im Gebiet Gäbi der Blick auf eine ‹Wäscheleine› erspart», fährt Vögele fort. Swissgrid-Sprecher Patrick Mauron räumt ein, dass das Projekt Beznau–Birr seit seiner Eingabe 2013 eine Verzögerung von rund zwei Jahren erfahren hat. Die Bewilligung und Realisierung neuer Netzprojekte daure heute in der Regel 15 Jahre – im Fall von Beznau–Birr allerdings bereits seit 1988. Die vorberatende Kommission des Ständerats diskutiere demnächst die «Strategie Stromnetze». Mit dieser Vorlage sollen künftig Verfahren optimiert und beschleunigt werden, was Swissgrid laut Mauron sehr begrüsst.

Das Bundesgerichtsurteil von 2011 sah vor, dass nur noch die Teilstrecke zwischen Mast 28 und Mast 32 in den Gemeinden Riniken und Bözberg Gegenstand der Neubeurteilung ist. Gegen das 2013 von Swissgrid präsentierte Projekt gingen mehrere Einsprachen ein, die sich gegen den Anschluss Nord richteten. Insbesondere sei es um Rodungen, die Lage der Freileitungsanschlüsse auf die Übergangsbauwerke sowie um den möglichen Einfluss der Schiessanlage Krähtal gegangen, sagt der Swissgrid-Sprecher. Der Anschluss Süd wurde nicht bestritten. Bei der Erarbeitung des Plangenehmigungsdossiers seien über 70 Varianten und Kombinationen bezüglich der Linienführung der Freileitungsanschlüsse auf das Übergangsbauwerk Nord geprüft worden.

Wahrscheinlich drei Enteignungen

Mit dem Entscheid von Mitte Juli hat das BFE die Plangenehmigung erteilt und gleichzeitig vier Einsprachen abgewiesen. Trifft bis zum 15. September keine Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht gegen diesen Entscheid ein, so wird die Bewilligung des BFE rechtskräftig und Swissgrid das Projekt öffentlich ausschreiben. Kann mit den drei Grundeigentümern, die bisher die Durchleitungsrechte nicht erteilt haben, keine Einigung erzielt werden, wird ein Enteignungsverfahren vor der Eidgenössischen Schätzungskommission eingeleitet. Mauron spricht von einem Standardverfahren, um die erforderlichen Rechte im öffentlichen Interesse der Stromübertragung durchzusetzen.

«Mit einem Baustart ist frühestens 2017 zu rechnen», fährt der Swissgrid-Sprecher fort. Rund drei Jahre ab Baustart sei die Realisierung der Teilverkabelung vorgesehen. «Die Inbetriebnahme der 380-kV-Leitung erfolgt im optimalen Fall – ohne Weiterzug an die Gerichte – frühestens im Jahr 2021.» Anschliessend wird die bestehende 220-kV-Leitung mit Baujahr 1952, die mitten durch die Gemeinde Riniken führt, zurückgebaut. Von Beznau bis Rüfenach und von Habsburg bis Birr wurde die Leitung bereits auf 2×380 kV ausgebaut.

Andreas Brack und Konrad Vögele von Akut sind kritisch. «Wenn alle Beteiligten vorwärtsmachen, könnte die Verkabelung der Höchstspannungsleitung innerhalb von zirka eineinhalb Jahren gebaut sein. Akut erwartet von Swissgrid, dass das Projekt nach Eintritt der Rechtskraft absolut prioritär realisiert wird», sagen sie. Auf jeden Fall werde Akut das Projekt bis zum Abschluss genau beobachten.