Traditionsunternehmen

Ära der Kabelproduktion geht zu Ende: Brugg Cables prüft Verkauf – und baut nochmals 60 Stellen ab

Der Kabelhersteller Brugg Cables hatte im Januar verkündet, dass am Hauptsitz 120 Stellen gestrichen würden. Die Bedingungen seien weiterhin schwierig, teilt das Unternehmen am Dienstag mit: «Auch ein Verkauf oder Teilverkauf der Division Cables ist nicht ausgeschlossen» – 60 weitere Mitarbeiter könnten Stelle verlieren.

Eine veritable Bombe hat die Gruppe Brugg platzen lassen am Dienstagnachmittag: Für die Division Cables ist ein Investor gesucht. Möglich ist ein Verkauf oder ein Teilverkauf.
Der Hintergrund: Der weltweite Wettbewerb ist knallhart. Das spürt zwar nicht nur die Gruppe Brugg.

Allerdings hat deren Division Cables einen besonders schweren Stand. Es bestehen lokale und globale Überkapazitäten, die Preise sind unter massivem Druck, der Export wird zunehmend schwierig. Dazu kommen hohe Standortkosten, Währungsrisiken und logistische Herausforderungen. Kurz: Die Kabelproduktion am Hauptsitz in Brugg wird je länger, je schwieriger.

Brugg Group entlässt 180 Mitarbeiter

Brugg Group entlässt 180 Mitarbeiter.

Käufer kann aus Ausland kommen

Im Januar hat das Traditionsunternehmen deshalb das Programm «ChangeToFit» gestartet. Angekündigt wurden Kostenoptimierungen, Organisationsanpassungen sowie der Abbau von 120 Arbeitsplätzen. Von der jetzt bekannt gegebenen Beschleunigung dieser sogenannten Transformationsstrategie könnten bis Mitte 2020 – «im schlimmsten Fall» – noch einmal 60 weitere Stellen betroffen sein.

Der Grund liegt im umkämpften Geschäft der Hoch- und Höchstspannungskabel. Denn hier dürfte ein Verkauf der Fabrikation schwierig werden. Dieser Schritt werde sehr bedauert, sagten Stephan Wartmann, CEO Gruppe Brugg, sowie Samuel Ansorge, CEO Brugg Cables, an der gestrigen Medienorientierung. Aber es gelte, eine erfolgreiche Zukunft der ganzen Division sicherzustellen. Die Sozialpläne würden angepasst oder neu ausgearbeitet.

Angestossen wird der Prozess in den nächsten Wochen. Anders ausgedrückt: Die Gruppe Brugg sucht nach einem oder mehreren strategischen Partnern, die eine Weiterentwicklung des Kabelgeschäfts ermöglichen. Die Chance ist gross, dass der Käufer aus dem Ausland kommen wird, liessen Wartmann und Ansorge durchblicken.

Bisher sei die Umsetzung der Transformationsstrategie erfolgreich verlaufen, stellten die beiden CEOs weiter übereinstimmend fest. Der vermehrte Einsatz von Fremdkabeln sei vom Markt gut aufgenommen worden.

Das Hochspannungslabor bleibt

Offen ist, welche Teile der Kabelproduktion zukünftig durch Dritte weitergeführt werden. Bis dahin werden die bestehenden Kundenaufträge gemäss dem Unternehmen mit selbst produzierten Kabeln ausgeführt. Neue Aufträge im Bereich der Hoch- und Höchstspannung werden mit bestehenden und neuen Partnern erfüllt.

Die Transformationsstrategie, betonten Wartmann und Ansorge, beinhaltet gleichzeitig auch den intensiven Ausbau des Geschäfts mit Kabelgarnituren und Industriekabelsystemen. Als Stichwort für die Realisierung und Entwicklung von innovativen Lösungen wurde etwa das gekühlte Schnellladekabel für Ladesäulen von Elektrofahrzeugen genannt.

Auch das heutige Dienstleistungsangebot mit Engineering und Projektmanagement sowie Montage und Reparatur soll weiter ausgebaut werden, genau wie die Geschäfte mit Nieder- und Mittelspannungskabeln und -zubehör.

Eine zentrale Bedeutung werde weiterhin dem modernen Hochspannungslabor in Brugg zukommen, um die nötigen Tests durchzuführen, antwortete CEO Samuel Ansorge auf die Frage nach einer möglichen Schliessung.

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Autor

Michael Hunziker

Michael Hunziker

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