Brugg

Achtelfinal-Aus gegen Schweden: Wie die Zuversicht bei den Fans dem Entsetzen weicht

Das Spiel Schweiz gegen Schweden hat dem Public Viewing in Brugg beim Eisi einen ungewöhnlichen Nachmittag beschert.

Eine halbe Stunde vor Spielbeginn ist für die Fans in Brugg klar: Die Tür in den Viertelfinal an der Fussball-Weltmeisterschaft in Russland steht für die Schweiz weit offen. Diese Schweden, die sind zu packen. Optimistisch, für Schweizer Verhältnisse fast euphorisch, strömen die Menschen am Dienstagnachmittag rot-weiss gekleidet in die die Arena Brugg, in das Public Viewing auf dem Eisi.

Die Stimmung ist gelassen-freudig, die Schweizer Fans stärken sich noch mit Bier und Bratwurst. Die Zuversicht ist gross, dass die Schweizer die Schweden mit 2:1 – dem meistgenannten Resultattipp – nach Hause schicken. Sogar ein Deutscher bekennt sich an diesem Nachmittag zu den Eidgenossen. Etwas Anderes bleibt ihm ja kaum übrig. Die Furcht allerdings vor einem Penaltyschiessen, die geht um. «Dann muss ich vorher nach Hause, das halte ich nicht aus», meint eine Frau. Nun, so weit soll es gar nicht erst kommen.

Aargauer Fans litten in Public Viewings mit der Schweizer Nati

Aargauer Fans litten in Public Viewings in Brugg und anderen Orten mit der Schweizer Nati.

"Im Büro arbeiten nur noch die Deutschen"

Anpfiff erste Halbzeit. Der Fokus der Fans liegt irgendwie noch nicht so richtig auf dem Spiel. Da wird gegessen, getrunken und geplaudert. Spontanapplaus brandet auf bei Xherdan Shaqiris erster gelungenen Flanke in der 13. Minute. Im Foodwagen werden derweil Hamburger angebraten. Der Duft von Fleisch, Zigarettenrauch und Bier legt sich über das Publikum, in dem auch GLP-Einwohnerrat Markus Lang und Einwohnerratspräsident Stefan Baumann (SVP) gespannt dem Geschehen auf der Leinwand folgen.

Und je länger das Spiel dauert, desto mehr Menschen strömen in die schon gut besetzte Arena. Es ist erstaunlich, wie viele sich für dieses Spiel irgendwie frei nehmen konnten. Im Publikum ulkt einer: «Bei uns im Büro arbeiten nur noch die Deutschen.» Da ahnt er noch nicht, dass die Retourkutsche schon bald kommt und die Schweiz ausgerechnet gegen Schweden – das einzige Team, das gegen Deutschland verloren hat – den Kürzeren ziehen wird. «Chancentod», schreien die erzürnten Schweizer, als Blerim Dzemaili eine hochkarätige Chance in der 39. Minute vergibt.

«Die Entschlossenheit hat gefehlt»

«Die Entschlossenheit hat gefehlt»

Das sagen Nati-Fans in Oftringen zum kläglichen Ausscheiden der Schweiz.

Von ausserhalb linsen sie auf die Leinwand

Halbzeitpause. Becherweise wird Bier herangeschafft, ein Doppelbürger wechselt vom Nati-Trikot auf das schwedische Shirt. Ob er eine Vorahnung hat?

Anpfiff zweite Halbzeit. Sogar ausserhalb des proppenvollen Public Viewings versuchen die Menschen, einen Blick auf die Leinwand zu erhaschen.Was sie zu sehen bekommen, gefällt nicht. Die Schweizer tun sich schwer und die Schweden schiessen ein Tor. Betretene Gesichter nach dem Goal der Schweden. Die ersten skandieren Breel Embolos Namen. Mit fortgeschrittener Zeit, höherem Alkoholpegel und noch mehr versiebten Chancen der Schweizer werden Beleidigungen laut. Die anfängliche Zuversicht macht langsam aber sicher der Ernüchterung Platz. Entsetzen in der Nachspielzeit, als der schwedische Torhüter Olsen den Kopfball von Seferovic sicher hält. Es ist die letzte Chance. Aus, das Spiel ist aus. Die Schweiz verliert. Betretene, fassungslose Gesichter.

Die Schweiz wäre aber nicht die Schweiz, wenn nach einem solch ungewöhnlichen Nachmittag nicht bald wieder Normalität einkehren würde. Das Public Viewing leert sich nach dem Spiel rasch. Und die Brugger wären nicht die Brugger, wenn sie nicht sagen würden: Jäno, dafür feiern wir diese Woche das Jugendfest.

«Die Entschlossenheit hat gefehlt»:

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