Umiken
Abgewählte Pfarrerin: «Kirchenpflege hätte mich nicht anstellen dürfen»

Christina Winkler wurde in Umiken als Pfarrerin knapp abgewählt. Die Behörde schreibt nun die Stelle so schnell wie möglich neu aus. Auf die erneute Anstellung einer «Alleinerziehenden ohne Rückendeckung» will die Kirchenpflege verzichten.

Claudia Meier
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ZVG

«Ich weiss nicht, wie ich es schaffe, bis Ende Jahr das Pfarrhaus zu verlassen und für mich und meine beiden Töchtern ein neues Zuhause zu finden», sagt Christina Winkler am Sonntagnachmittag traurig. Mit 294 Nein- zu 262 Ja-Stimmen schaffte sie die Wiederwahl als Pfarrerin der reformierten Kirchgemeinde Umiken, die neben Umiken auch die Dörfer Riniken und Villnachern umfasst, knapp nicht mehr. «Das Hauptproblem ist die Tochter, die in Baden zur Schule geht. Vermutlich müssen wir schauen, dass wir bei Verwandten in Zürich Unterschlupf finden», so Winkler weiter.

Rückblick: Im Vorfeld dieser Gesamterneuerungswahlen für die nächste Amtsperiode herrschte eine richtige Schlammschlacht (die az berichtete). Die Kirchenpflege hatte vor den Sommerferien einstimmig beschlossen, Pfarrerin Christina Winkler, die seit einem Jahr in Umiken wirkt und mit ihren beiden Töchtern im Pfarrhaus lebt, nicht zur Wiederwahl zu empfehlen. Von Vertrauensbruch und zahlreichen Reklamationen war die Rede.

Christina Winkler liess sich nicht entmutigen und kandidierte trotzdem: «Ich habe mich bis zum Schluss nicht schuldig gefühlt.» Gegen sie sei eine richtige Hetzkampagne geführt worden, immer mehr Leute grüssten sie nicht mehr.

Pfarrerin will Aargau verlassen

Winkler spricht von Machtkampf und Mobbing und bereut, dass sie vor einem Jahr überhaupt auf Umiken setzte, obwohl sie noch andere Bewerbungen am Laufen hatte. «Eigentlich hätte mich die Kirchenpflege nicht anstellen dürfen. Sie suchte nämlich einen traditionellen Pfarrer und wollte gar keine alleinerziehende Mutter», sagt die geschiedene Pfarrerin.

Die 50-Jährige blickt pessimistisch in die Zukunft: «Ich rechne nicht damit, dass ich in den nächsten Jahren eine neue Pfarrstelle finden werde.» Ihr Alter, ihr Zivilstand sowie die von den Medien aufgegriffenen Anschuldigungen seien Faktoren, die die Stellensuche negativ beeinflussten. Möglicherweise werde sie sich ein neues Berufsfeld – ausserhalb des Kantons Aargau – suchen.

Alle Kirchenpfleger gewählt

Die Kirchenpfleger machten den Stimmberechtigten vor der Wahl klar, dass sie eine allfällige Wiederwahl ablehnen würden, falls die Pfarrerin im Amt bleibe. Alle sechs Bisherigen schafften die Wiederwahl aber problemlos: Marianne Kern, Riniken, mit 354 Stimmen; Rita Lee, Umiken, mit 326; Thomas Hochuli und Karl Vischer, beide Umiken, mit je 322; René Wüst, Riniken, mit 301 sowie Interimspräsident Hans Peter Schlatter aus Riniken mit 290 Stimmen. Das absolute Mehr betrug 207 Stimmen.

Interimspräsident Hans Peter Schlatter erlebte in den letzten Wochen ein Wechselbad der Gefühle. «Heute fühle ich mich nicht etwa als Sieger. Ich habe die Pflicht, alles zu berichtigen, was wir uns vor einem Jahr eingebrockt haben.»

Die frei werdende Stelle will die Kirchenpflege so schnell wie möglich ausschreiben. Von der Anstellung einer «Alleinerziehenden ohne Rückendeckung» will Schlatter für eine so grosse Kirchgemeinde absehen. «Entweder hat der Pfarrer eine Hausangestellte oder die Pfarrerin ist bereit, 20 Prozent der Seelsorge abzugeben», so Schlatter weiter.

Die Stimmbeteiligung betrug an diesem Wochenende in Riniken 43,5; in Umiken 43 und in Villnachern 35,1 Prozent. Noch fehlen in der Kirchenpflege Vertreter aus Villnachern sowie ein offiziell gewählter Präsident.