Die knappe Abwahl mit 294 Nein- zu 262 Ja-Stimmen sitzt Christina Winkler auch einen Tag nach Bekanntgabe des Resultats noch in den Knochen. «Ich bin wirklich geschockt und enttäuscht. Der ganze Trubel, all die Vorwürfe – auf der Website und persönlich – sowie der harrsche Umgangston haben mir schon zugesetzt», sagt sie.

Die Pfarrerin der reformierten Kirchgemeinde Umiken, zu der auch die Dörfer Riniken und Villnachern gehören, kam vor einem Jahr mit Sack und Pack nach Umiken. Weil sie die Wiederwahl nicht schaffte, muss sie mit ihren beiden Töchtern in Ausbildung das Pfarrhaus bis Ende Jahr verlassen.

Anfeindungen schon im Januar

«Warum haben sie mich überhaupt als Pfarrerin angestellt, wenn doch das Pfarrfamilienbild nicht stimmte?», fragt sie sich immer wieder. «Offenbar haben sie niemand anders mit den erforderlichen Qualifikationen gefunden», beantwortet Winkler ihre Frage gleich selber. Erste Anfeindungen erfuhr sie vor der Installation im Januar dieses Jahres.

Als alleinerziehende, geschiedene Frau trat sie in die Fussstapfen von Pfarrer Matthias Schüürmann, der 11 Jahre lang mit Frau und vier Kindern im Umiker Pfarrhaus lebte. Schüürmanns Frau habe unentgeltlich mitgearbeitet. Winkler sagt, dass ihre beiden Töchter in der Pfarrei auch mitgeholfen hätten, so gut es eben ging, aber die Erwartungen der Kirchenpflege offenbar nicht erfüllen konnten.

«Ich war chancenlos an dieser Stelle und stand unter ständiger Beobachtung. Vom harschen Umgangston war ich sehr enttäuscht. So geht man nicht einmal in der Privatwirtschaft miteinander um!» Zu den Vorwürfen, ihre Kirchgemeindemitglieder nicht per Name zu kennen, räumt Christina Winkler ein: «Mein Namensgedächtnis ist tatsächlich nicht sehr gut ausgeprägt, aber nach einem Jahr kann ich auch unmöglich alle 1400 Mitglieder kennen.»

Wie geht es nun weiter? «Ich mache meine Arbeit normal weiter bis Ende Jahr», sagt die abgewählte Pfarrerin. Ihr Aussichten auf eine neue Pfarrstelle schätzt die 50-Jährige als gering ein. In der Regel würden jüngere Bewerber bevorzugt, so Winkler.

Weiter an Kirchenpflegesitzung

Die gewählten Kirchenpfleger haben ihre Wahlannahme am Sonntagabend unterzeichnet – mit Ausnahme von Karl Vischer, der noch in den Ferien weilt. In Bezug auf die Zusammenarbeit mit Pfarrerin Winkler sieht Interimspräsident Hans Peter Schlatter kein Problem. «Als Service-Chef hatte ich in meinem Berufsleben während 40 Jahren mit heiklen Kunden zu tun, da werde ich auch diese Situation meistern», sagt Schlatter entspannt.

Natürlich erwarte er, dass Christina Winkler ihre Arbeit bis Ende Jahr gewissenhaft erledigen werde. In diese Zeit fallen neben den regelmässigen Veranstaltungen auch das Konfirmandenlager, die Seniorenweihnacht und die Jahresplanung für das kommende Jahr. Die Koordination der Gottesdienste in drei Dörfern sei anspruchsvoll, so Schlatter. Anfang Januar wird das Jahresprogramm jeweils veröffentlicht. Die Pfarrerin werde weiterhin an der Kirchenpflegesitzung teilnehmen, so Schlatter. «Ich hoffe schon, dass wir nicht nochmals enttäuscht werden.»

Für die Ausschreibung der neuen Pfarrstelle will die Kirchenpflege zuerst den Ablauf der Einsprachefrist abwarten, sagt der Interimspräsident. Schlatter glaubt nicht, dass Christina Winklers Nachfolge bis Anfang Jahr feststehen wird. Je nach dem werde ein Vertreter zum Einsatz kommen.

Reformierte Pfarrstellen zu besetzen sei zur Zeit nicht besonders schwierig, sagt Frank Worbs, Kommunikationsleiter der Reformierte Landeskirche Aargau. «Aus aargauischer Sicht hatten wir bis vor ein oder zwei Jahren einen Pfarrerüberschuss. Im Moment befinden wir uns in einer Übergangsphase. In den nächsten Jahren werden voraussichtlich einen Pfarrermangel haben», fasst Worbs die Situation zusammen.

Umiker wählen Pfarrerin ab

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