Brugg
Abfallsünder werden mit freundlicher Motivation bekehrt

Von 2000 Liter Müll pro Jahr auf fast 5000 pro Jahr. Insbesondere seit der Eröffnung des Aarestegs wird im Schachen viel mehr Abfall als bisher liegen gelassen. Der Stadtrat schaut nicht mehr länger zu und setzt jetzt Aufsichtspersonen ein.

Marc Reinhard
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V.I.: Roger Wetli, Polizeichef Heiner Hossli, Daniel Moser, Adrian Gerwer, Roger Brogli und die Aufsichts-Patrouille Stephan Bader und David Moser.

V.I.: Roger Wetli, Polizeichef Heiner Hossli, Daniel Moser, Adrian Gerwer, Roger Brogli und die Aufsichts-Patrouille Stephan Bader und David Moser.

Marc Reinhard

Grüne T-Shirts sind ihre Uniform, und unter dem aufgedruckten Pro Natura-Logo mit wachsamer Eule steht «Aufsicht». Schon möglich, dass das etwas provokativ wirke auf die zahlreichen Brätler und jugendlichen Chillout-Grüppchen, die es sich an lauen Sommerabenden entlang der Aare gemütlich machen.

Angefeindet würden die Aufräumer-Patrouillen aber kaum je, erzählt Roger Wetli von der Pro Natura-Tochterfirma Creanatira. Der Auftrag, den er als Koordinator der Zweierteams von der Stadt bekommen hat, werde meist positiv aufgefasst, selbst von den manchmal allzu übermütigen Jugendlichen.

Auftrag: Freundlich motivieren

Zehn Zivildienstler verrichten speziell am Wochenende diesen Dienst. «Wir sammeln Abfälle ein und entsorgen diese in den Containern. Wir leeren die Kübel und beseitigen ‹wilde› Feuerstellen», beschreibt Wetli. Vor allem aber gehe man proaktiv und mit aller Freundlichkeit auf die Leute zu und setze auf Einsehen. Bitte werfen Sie Ihren Abfall hinterher in die bereit gestellten Kübel», heisst es da etwa.

Stadtammann Daniel Moser betont mit Nachdruck, man wolle nicht mit Druck und Sanktionen einfahren, sondern in erster Linie mit Motivation. Auf dem Areal sind zu diesem Zweck auch Weltformat-Tafeln mit der Aufforderung zur Sauberkeit aufgestellt.

Das beliebte Gebiet sauber zu halten, wäre für die Benutzer an sich leicht: «Es stehen 15 Abfallbehälter zur Verfügung, die absichtlich so platziert worden sind, dass sie von praktisch jedem Plätzchen aus in 12 bis 15 Metern erreichbar sind», sagt Adrian Gerwer, Adjutant der Genie-Truppen, und ergänzt die Vorstellung, wie stark das Aare-Ufergebiet hier genutzt wird: «Hier befindet sich auch das Ausbildungsgelände für insgsamt drei Mal 600 Rekruten im Jahr.»

Offenbar sind aber der dichte Kübelbestand, die Plakate und selbst der Aufräumservice noch zu wenig bequem: Viel Abfall - auch eklige Dinge - landen nach wie vor einfach im Gelände. Die Leute seien faul geworden, konstatiert Roger Brogli vom Bauamt. Und manchmal auch ignorant und frech. Die jungen «Ranger» stehen für Härtefälle jedenfalls in Verbindung mit der Regionalpolizei. Sie melden etwa auch, wenn sich brenzlige Situationen zwischen Alkoholisierten anbahnen. Die Polizei, die im Sommer hier ebenfalls verstärkt patrouilliert, ist dann rasch vorort.