Brugg
Abenteuer Pyeongchang: Er trotzt dem Wind und feiert mit Wendy

Knapp vier Wochen war der Brugger Neo-Stadtrat Jürg Baur an den Olympischen Spielen im Einsatz. An die Stars musst er sich erst gewöhnen: «Da sitzt du plötzlich mit Marcel Hirscher im Gondeli».

Janine Müller
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Jürg Baur mit Wendy Holdener.

Jürg Baur mit Wendy Holdener.

ZVG/Jürg Baur

Er hatte einen einmaligen Blick hinter die Kulissen der Olympischen Spiele: Jürg Baur weilte knapp vier Wochen in Pyeongchang, wo er als Mitarbeiter für das SRF im Alpinbereich im Einsatz war.

Eine unvergessliche, intensive und spannende Zeit, «die wahnsinnig rasch vorbeiging», wie Baur sagt.

Er zeigt sich beeindruckt davon, was es braucht, bis attraktive Bilder eines Skirennens bei uns in der Stube über den Fernseher flimmern, erzählt von den Emotionen der Skirennfahrerinnen und -fahrer, die er hautnah miterlebte.

Schön wars: Jürg Baur in Südkorea

Eindrücke aus Südkorea Jürg Baur - er wurde am 4. März als Stadtrat in Brugg gewählt - weilte für vier Wochen als freiwilliger Helfer an den Olympischen Spielen in Südkorea.
16 Bilder
Impressionen aus dem Zielraum Als sogenannter Spotter war Jürg Baur den Athletinnen und Athleten ganz nah.
Der Job Jürg Baur als Spotter unterwegs im Zielraum der Ski-alpin-Rennen.
Den Skistars hautnah Die Skirennfahrerin Wendy Holdener hat mit ihrer bodenständigen und offenen Art Jürg Baur beeindruckt.
Impressionen aus dem Zielraum Wendy Holdener (links) und Michelle Gisin.
Der Job Hin und wieder durfte Jürg Baur auch mal hinter die Kamera.
Der Job Gemeinsam mit den Kameraleuten war Jürg Baur auch dabei, wenn die Sportlerinnen und Sportler auf die Besichtigung der Piste gingen.
Einblick in die Welt des Fernsehens. Jürg Baur war als freiwilliger Helfer tätig für das Schweizer Fernsehen.
Der Job Knochenarbeit auf der Piste bei widrigen Bedingungen: Die Kabel für die Kameras werden verlegt. Da braucht es Steigeisen und vor allem Gesichtsmasken, um die Kälte zu ertragen.
Der Job Kabel für die Kameras werden installiert.
Der Job Es ist ein immenser Aufwand, bis attraktive Bilder eines Skirennens in unsere Stuben flimmern.
Der Job Hin und wieder gehörte auch das Fahren mit einem Ratrac zum Job von Jürg Baur.
Der Job Hin und wieder gehörte auch das Fahren mit einem Ratrac zum Job von Jürg Baur.
Umgebung Überall haben die Südkoreaner passende Statuen aufgestellt. Schön beleuchtet noch dazu.
Land und Leute Zum Essen meint Baur: "Ein besondere Erlebnis war jeweils das Essen in den typischen koreanischen Restaurants. Die Bestellungen waren trotz Bilder und Zeichensprache – viele Einheimische konnten kaum Englisch – eine Überraschung."
Land und Leute Zwei Tage frei hatte Jürg Baur während einem Einsatz. Diese Zeit nutzte er, um einen Strand an der Ostküste sowie die Hauptstadt Seoul zu besuchen.

Eindrücke aus Südkorea Jürg Baur - er wurde am 4. März als Stadtrat in Brugg gewählt - weilte für vier Wochen als freiwilliger Helfer an den Olympischen Spielen in Südkorea.

ZVG/Jürg Baur

Er schildert die Dimensionen der Olympischen Spiele, gibt Einblicke in das Land und schwärmt von der Eröffnungs- und Schlussfeier. Gleichzeitig stellt er dann fest: «Aber ökologisch waren diese Spiele nicht.»

Jürg Baur verlegte an den Hängen der Skirennen einerseits Kabel für die Kameras, andererseits war er als sogenannter Spotter vor, während und nach den Rennen und Trainings tätig.

Heisst: Er machte die Leute hinter der Kamera auf die Skirennfahrerinnen und Skirennfahrer, Trainer sowie Betreuungspersonen aufmerksam. Ziel war es, das Renngeschehen zu dokumentieren, aber auch Emotionen und Gefühle der Betroffenen einzufangen.

Am Morgen der Trainings und der Rennen begleitete er die Athletinnen und Athleten und deren Trainer auf der Streckenbesichtigung.

An den Anschlag gekommen

Die Arbeitstage für Jürg Baur und das SRF-Team waren lang. Um 6 Uhr morgens ging es los, um 18 Uhr kehrten die Helfer zurück in ihre Unterkunft. «Viel mehr als duschen und etwas essen lag da nicht mehr drin», sagt Baur.

Besonders zu schaffen machte den Helfern der Wind, der über die Hügel peitschte und die eisige Kälte noch unerträglicher machte – und dazu führte, dass so manches Rennen verschoben werden musste.

«Für die Fernsehleute waren die Verschiebungen eine riesige Herausforderung», sagt Jürg Baur. «Teilweise sind wir personell an den Anschlag gekommen, weil zwei Rennen an einem Tag an verschiedenen Orten stattfanden.»

Unterstützung von anderen Fernsehgesellschaften war gefragt. Besonders positiv hat er die gute Zusammenarbeit unter den SRF-Leuten erlebt – «ein tolles Team mit grossem Einsatz».

Genossen hat Jürg Baur die Nähe zu den Skistars. «Da sitzt du plötzlich mit Marcel Hirscher im Gondeli. Da ist man zuerst schon etwas aufgeregt», sagt Baur.

«Nach ein paar Tagen hat sich das dann aber rasch gelegt.» Als besonders positiv und sympathisch ist ihm die Schweizer Skirennfahrerin Wendy Holdener aufgefallen.

«Toll, dass sie sich einen ganzen Medaillensatz erkämpfen konnte.» Er selber hat sich übrigens ein Stirnband der Liechtensteinerin Tina Weirather ergattert.

Die Emotionen im Zielraum

Als Spotter im Zielraum erlebte Jürg Baur die Emotionen der Fahrerinnen und Fahrer hautnah mit. Die Tränen von Lara Gut, eine erschütterte Michelle Gisin nach ihrem Sturz in der Abfahrt, eine gelöste Lindsey Vonn.

Als absolutes Highlight bleibt Jürg Baur der Super-G-Sieg von Ester Ledecka, eigentlich eine Snowboarderin, in Erinnerung. «Dass sie im Ski alpin und im Snowboard Gold holte, ist fantastisch», findet er. «Von solchen Geschichten leben die Olympischen Spiele.»

Selbstverständlich war Jürg Baur auch dabei, als die Schweizerinnen und Schweizer ihre Erfolge feierten – bei der Medaillenzeremonie, aber auch im House of Switzerland.

Trotz der strengen Zeit versuchte er, einen Einblick in das Land und die Kultur zu erhalten. So besuchte er an seinen zwei freien Tagen einerseits die Hauptstadt Seoul, andererseits einen Strand an der Ostküste.

Auch mit den Südkoreanern kam er dank seines Jobs in Kontakt. «Diese Menschen freuen sich über alles, sind total begeisterungsfähig», sagt Baur. «Sie haben sogar uns Helfern applaudiert, wenn wir nach der Arbeit das Stadion verlassen haben.»

Wenig Begeisterung allerdings zeigten die Koreaner für die Wettkämpfe im Ski alpin. «Sie wussten teilweise nicht, dass ein Skirennen aus zwei Läufen besteht und sind bereits nach der Abfahrt der Kombination nach Hause gegangen.»

Damit bestätigt Baur den allgemeinen Eindruck, dass die Stimmung an den Rennen nicht gerade überragend war – ganz im Gegensatz zur Eröffnungs- und Schlussfeier, wo die Koreaner die Zuschauer mit Drohnenshows und viel Spektakel ins Staunen versetzten.

Liebäugeln mit Sion 2026

Staunen möchte Baur in vier Jahren wieder. Bereits jetzt liebäugelt er mit einem Einsatz an den Olympischen Winterspielen in Peking. Und wer weiss: Vielleicht reicht es auch für einen Einsatz an Spielen in der Schweiz.

Er ist überzeugt: «Die Schweiz müsste nicht einen solchen Aufwand betreiben, ein grosser Teil der Infrastruktur steht ja bereits. Und die Olympischen Spiele müssen ja auch nicht immer pompöser werden. Ich hoffe auf Sion 2026.»