Er hatte einen einmaligen Blick hinter die Kulissen der Olympischen Spiele: Jürg Baur weilte knapp vier Wochen in Pyeongchang, wo er als Mitarbeiter für das SRF im Alpinbereich im Einsatz war.

Eine unvergessliche, intensive und spannende Zeit, «die wahnsinnig rasch vorbeiging», wie Baur sagt.

Er zeigt sich beeindruckt davon, was es braucht, bis attraktive Bilder eines Skirennens bei uns in der Stube über den Fernseher flimmern, erzählt von den Emotionen der Skirennfahrerinnen und -fahrer, die er hautnah miterlebte.

Schön wars: Jürg Baur in Südkorea

Er schildert die Dimensionen der Olympischen Spiele, gibt Einblicke in das Land und schwärmt von der Eröffnungs- und Schlussfeier. Gleichzeitig stellt er dann fest: «Aber ökologisch waren diese Spiele nicht.»

Jürg Baur verlegte an den Hängen der Skirennen einerseits Kabel für die Kameras, andererseits war er als sogenannter Spotter vor, während und nach den Rennen und Trainings tätig.

Heisst: Er machte die Leute hinter der Kamera auf die Skirennfahrerinnen und Skirennfahrer, Trainer sowie Betreuungspersonen aufmerksam. Ziel war es, das Renngeschehen zu dokumentieren, aber auch Emotionen und Gefühle der Betroffenen einzufangen.

Am Morgen der Trainings und der Rennen begleitete er die Athletinnen und Athleten und deren Trainer auf der Streckenbesichtigung.

An den Anschlag gekommen

Die Arbeitstage für Jürg Baur und das SRF-Team waren lang. Um 6 Uhr morgens ging es los, um 18 Uhr kehrten die Helfer zurück in ihre Unterkunft. «Viel mehr als duschen und etwas essen lag da nicht mehr drin», sagt Baur.

Besonders zu schaffen machte den Helfern der Wind, der über die Hügel peitschte und die eisige Kälte noch unerträglicher machte – und dazu führte, dass so manches Rennen verschoben werden musste.

«Für die Fernsehleute waren die Verschiebungen eine riesige Herausforderung», sagt Jürg Baur. «Teilweise sind wir personell an den Anschlag gekommen, weil zwei Rennen an einem Tag an verschiedenen Orten stattfanden.»

Unterstützung von anderen Fernsehgesellschaften war gefragt. Besonders positiv hat er die gute Zusammenarbeit unter den SRF-Leuten erlebt – «ein tolles Team mit grossem Einsatz».

Genossen hat Jürg Baur die Nähe zu den Skistars. «Da sitzt du plötzlich mit Marcel Hirscher im Gondeli. Da ist man zuerst schon etwas aufgeregt», sagt Baur.

«Nach ein paar Tagen hat sich das dann aber rasch gelegt.» Als besonders positiv und sympathisch ist ihm die Schweizer Skirennfahrerin Wendy Holdener aufgefallen.

«Toll, dass sie sich einen ganzen Medaillensatz erkämpfen konnte.» Er selber hat sich übrigens ein Stirnband der Liechtensteinerin Tina Weirather ergattert.

Die Emotionen im Zielraum

Als Spotter im Zielraum erlebte Jürg Baur die Emotionen der Fahrerinnen und Fahrer hautnah mit. Die Tränen von Lara Gut, eine erschütterte Michelle Gisin nach ihrem Sturz in der Abfahrt, eine gelöste Lindsey Vonn.

Als absolutes Highlight bleibt Jürg Baur der Super-G-Sieg von Ester Ledecka, eigentlich eine Snowboarderin, in Erinnerung. «Dass sie im Ski alpin und im Snowboard Gold holte, ist fantastisch», findet er. «Von solchen Geschichten leben die Olympischen Spiele.»

Selbstverständlich war Jürg Baur auch dabei, als die Schweizerinnen und Schweizer ihre Erfolge feierten – bei der Medaillenzeremonie, aber auch im House of Switzerland.

Trotz der strengen Zeit versuchte er, einen Einblick in das Land und die Kultur zu erhalten. So besuchte er an seinen zwei freien Tagen einerseits die Hauptstadt Seoul, andererseits einen Strand an der Ostküste.

Auch mit den Südkoreanern kam er dank seines Jobs in Kontakt. «Diese Menschen freuen sich über alles, sind total begeisterungsfähig», sagt Baur. «Sie haben sogar uns Helfern applaudiert, wenn wir nach der Arbeit das Stadion verlassen haben.»

Wenig Begeisterung allerdings zeigten die Koreaner für die Wettkämpfe im Ski alpin. «Sie wussten teilweise nicht, dass ein Skirennen aus zwei Läufen besteht und sind bereits nach der Abfahrt der Kombination nach Hause gegangen.»

Damit bestätigt Baur den allgemeinen Eindruck, dass die Stimmung an den Rennen nicht gerade überragend war – ganz im Gegensatz zur Eröffnungs- und Schlussfeier, wo die Koreaner die Zuschauer mit Drohnenshows und viel Spektakel ins Staunen versetzten.

Liebäugeln mit Sion 2026

Staunen möchte Baur in vier Jahren wieder. Bereits jetzt liebäugelt er mit einem Einsatz an den Olympischen Winterspielen in Peking. Und wer weiss: Vielleicht reicht es auch für einen Einsatz an Spielen in der Schweiz.

Er ist überzeugt: «Die Schweiz müsste nicht einen solchen Aufwand betreiben, ein grosser Teil der Infrastruktur steht ja bereits. Und die Olympischen Spiele müssen ja auch nicht immer pompöser werden. Ich hoffe auf Sion 2026.»