Man kann es nicht oft genug wiederholen: Die Ausstellungsräume der Galerie Zimmermannhaus sind spannend, aber nicht einfach zu bespielen. Insbesondere der erste, blendend weisse Raum mit Klinkerboden und Säule hat es in sich. Für die installative Arbeit des in Untersiggenthal aufgewachsenen Stefan Wegmüller (1984) ist er wie geschaffen. Der junge Künstler belässt den Raum fast leer; lediglich auf dem Boden befinden sich zwei winzige Musikanlagen, aus denen eine monotone Sprechstimme («I want to be alone»; I want my destiny» etc.) dringt.

Unheimliche Verfügungsgewalt

An der rechten Wand wird der Blick von einem grossen Schriftzug gefesselt. «Leistung in Freiheit durch Leistung.» In Eile gelesen wirkt der Satz – zumal in unserer heutigen leistungsbetonten Gesellschaft – wie eine Ohrfeige. «Lesen Sie ihn so, wie er an der Landesausstellung von 1939 gemeint war: ‹Leistung in Freiheit – Freiheit durch Leistung›», sagt Wegmüller und blickt die Besucherin fragend an: Solches sähe man heute wohl anders? Die Gedanken darüber führen die Besucherin weiter. Sie lässt ihren Blick über die Wände schweifen und entdeckt stets dasselbe, wenngleich auf grünem, blauem, rotem oder grauem Grund, nämlich: «Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders».

Der Titel steht auf der Frontseite eines Wälzers aus den USA, der – in Europa kritisch beäugt – ein Klassifikationssystem psychischer Erkrankungen ist. «Wann bezeichnet man einen ‹Tick› als Erkrankung?», fragt der Künstler und setzt im Hinblick auf das erwähnte Werk hinzu: «Hat es nicht eine unheimliche Verfügungsgewalt?»

Neben dem künstlerisch minim verfremdeten Titelblatt hängen beispielsweise eine Zeichnung oder eine Fotografie – kleine Einzelwerke, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben. Zusammengefügt werden sie erst durch Geschriebenes und Gesprochenes. Die Versatzstücke dienen einem Redner an der heutigen Vernissage als Material für eine Performance, in der auch Bruchstücke aus Wegmüllers Biografie einfliessen werden. Welch ein Kontrast sodann zum oberen Raum mit seinem prachtvollen Dachgebälk. Diesen teilen sich drei Künstlerinnen. Selina Reber (1985) zeichnet, Dominika Lehocka (1988) aquarelliert und Stephanie Hess (1979) präsentiert eine Installation – alles überaus fein, voll versteckten Humors und verspielt.

Junge Kunst 1 Galerie Zimmermannhaus; Vernissage: Do., 24. Januar, 19 Uhr. Ausstellung bis 9. März.