Oberflachs

Aargauerin am Huskyrennen: Auf zwei Kufen und mit 32 Pfoten zu Bronze

Janine Matsch ist leidenschaftliche Musherin und dabei auch noch ziemlich erfolgreich. Die Schlittenhunde-Rennen, die manchmal über 280 Kilometer lang sind, sind für sie viel mehr als ein Hobby. Sie seien eine Lebenseinstellung, sagt die 32-Jährige.

Der neun Monate alte Jaro krault seinen Plüschund und strahlt wie ein Maikäfer auf dem Arm von Mami Janine. Draussen im Schnee tollen neun Vierbeiner, die genauso aussehen wie Jaros Liebling: Es sind Siberian Huskys und acht von ihnen haben, zusammen mit Janine, vor zwei Wochen im Adlergebirge in Tschechien den dritten Platz an einem internationalen Langstrecken-Schlittenhunde-Rennen erobert.

Vier Tage lang war Janine Matsch mit ihren Hunden unterwegs. 240 Kilomter und über 5000 Höhenmeter mussten bewältigt werden. «Die längste Etappe hat uns an einem Tag über 90 Kilometer und 2000 Höhenmeter geführt. Abzüglich der obligatorischen dreistündigen Pause haben wir dafür 6 1/2 Stunden gebraucht.» Nach den vier Tagen stand Matsch hinter einem Tschechen und einem Italiener als Drittplatzierte fest. «Zu gewinnen gibt’s in diesem Sport nicht viel. Ehre, ein Diplom, rein symbolische Geldbeträge und manchmal ein Sack Hundefutter», sagt Janine Matsch.

Das Schlittenhunde-Team aus Oberflachs im Mai 2013 am Wildhorn in den Berner Alpen.

Das Schlittenhunde-Team aus Oberflachs im Mai 2013 am Wildhorn in den Berner Alpen.

Mit 13 die Liebe entdeckt

Sie war 13, als sie ihre Liebe zu Schlittenhunden entdeckte: «Wir wohnten in Möhntal und meine Eltern wollten keinen Hund. Im Dorf aber hatte Silvan Lanz Schlittenhunde und so oft ich konnte, bin ich dort vorbei gegangen – fast zehn Jahre lang», erinnert sich die inzwischen 32-Jährige. Zunächst habe sie einfach nur die Hunde gestriegelt und die Zwinger geputzt. Später habe Lanz sie mit zum Training genommen und schliesslich habe sie selber mit einem Gespann Rennen fahren dürfen.

«Mit 25 Jahren habe ich meinen ersten Siberian Husky gekauft. ‹Paluk› gehört heute noch zu unserem Rudel.» Damals, als sie noch Janine Eichmann hiess, hatte sie ihren Freund Andy Matsch mit ihrer Leidenschaft für Schlittenhunde angesteckt. «Wir beschlossen, weiter zu machen, haben zuerst eine geeignete Unterkunft gesucht und sie schliesslich hier in Oberflachs gefunden.» Eine Wohnung in einem Zweifamilienhaus mit dazugehörigem Schopf und der Einwilligung des Vermieters, das Grundstück nach ihren Bedürfnissen nutzen zu dürfen.

Silvester-Tour auf den Albulapass: Das Schlittenhunde-Team aus Oberflachs kämpft sich 2011 durch den Tiefschnee.

Silvester-Tour auf den Albulapass: Das Schlittenhunde-Team aus Oberflachs kämpft sich 2011 durch den Tiefschnee.

Rüden sind friedliebender

Die inzwischen neun Siberian Huskys von Janine und Andy Matsch schlafen im Schopf und haben geräumigen Auslauf im eingezäunten Gelände. «Es sind alles Rüden und nicht kastriert, weil dadurch der Testosteron-Spiegel schneller zurückgeht und damit der Wille zum Arbeiten.» Rüden seien untereinander viel verträglicher als Weibchen. «Rüden schliessen nach einer Rangelei schnell Frieden. Wenn zwei Weibchen sich nicht mögen, kommt nie Ruhe in ein Rudel.»

Kompromisse eingehen

Nach der Hochzeit vor zwei Jahren war das Thema Familienplanung aktuell geworden. «Wir haben entschieden, trotz unserer Leidenschaft für Schlittenhunderennen, nicht auf die Gründung einer Familie zu verzichten.» Im Mai letzten Jahres machte Jaro das Glück vollkommen. «Wir nehmen bewusst gewisse Einschränkungen in Kauf, machen Kompromisse und haben uns gut organisiert. So kann ich wieder 40 Prozent in meinem Beruf als medizinische Praxisassistentin arbeiten. Zudem habe ich eine Zusatzausbildung zur Physiotherapeutin für Hunde gemacht, was ich hier in Oberflachs ausüben kann.»

Andy, von Beruf Mechaniker und Konstrukteur, ist an den Rennen Janines «Assistent» und generell vor allem zuständig für alle technischen Belange. Gerade jetzt ist der Kauf eines neuen grossen Wohnmobils fällig, da das alte 250 000 Kilometer auf dem Buckel hat. «Den ganzen Innenausbau, die Boxen für die Hunde und Schlafkojen für uns und Jaro, muss alles mein Mann bewerkstelligen.» Andy fährt auch Schlittenhunde-Rennen, allerdings nur Kurzstrecken.

Im Sommer wird wöchentlich einmal mit einem Quad, aus dem der Motor ausgebaut ist, trainiert. «Ab September trainieren wir jeweils drei bis vier Mal, manchmal auch fünf Mal pro Woche, natürlich am liebsten mit dem Schlitten auf Schnee, sobald es welchen hat.» Im Winter fährt Janine Matsch sechs bis sieben Rennen.

«Ende dieser Woche fahren wir nach Masserberg in Thüringen. Dort nehmen wir am längsten Schlittenhunde-Rennen Mitteleuropas teil.» Es beginnt am Sonntag, dauert – mit dem Mittwoch als Ruhetag – bis übernächsten Sonntag und führt über 280 Kilometer. «Wissen Sie», schliesst die zierliche Janine Matsch, «Schlittenhunde-Rennen sind viel mehr als ein Hobby. Sie sind eine Lebenseinstellung.»

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1